Hunde, Bier und IT

Na das gab gestern noch eine ordentliche Aufregung, als interessierte Landsleute vermeinten, einem unglaublichen Skandal auf der Spur zu sein. Cousin Herbert bekam in einem Interview in der „Presse“ die Frage gestellt „Wie stehen Sie zu Ihrer Cousine Daniela Kickl, die einen FPÖ-kritischen Blog betreibt?“

Da musste ich mich schon zum ersten Mal wundern.
Liebe Redakteure der „Presse“! Mein Blog ist nicht FPÖ-kritisch, er ist regierungs- und gesellschaftskritisch. Dass da die FPÖ besonders oft negativ erwähnt wird, ist für eine Regierungspartei traurig genug.

Ich habe ja oft den Eindruck, dass manche Leser außer der üblichen Überschrift „Lieber Cousin Herbert“ genau nix lesen. Und wegen dieser Anrede einen Familienzwist vermuten oder eben annehmen, dass es „nur“ eine Kritik an der FPÖ ist. Na ja, man kann eben die Leute weder zum Lesen und noch weniger zum Verstehen anhalten.

Herberts Antwort war unter anderem: „Ich hatte zweimal etwas mit ihr zu tun, einmal hat sie sich bei der FPÖ beworben.“

Und da ortet der geneigte Leser, vornehmlich jener, der die FPÖ für den wahren Repräsentanten des „kleinen Mannes“ und die ÖVP für eine Partei für das „Volk“ hält, einen riesigen Skandal.

Gut, dass Herbert es angesprochen hat. Allerdings ist seine Aussage in der „Presse“ nicht ganz korrekt, aber das war aus Zeitgründen vielleicht nicht anders möglich.
Tatsächlich hatten Herbert und ich 2013 Kontakt per E-Mail. Dieser kam dadurch zustande, dass ein anderer der unzähligen Cousins ein Familientreffen veranstalten wollte, sich aber nicht getraut hatte, Herbert anzuschreiben. Im Zuge unserer Konversation kam auch zur Sprache, dass ich eine neue Stelle im IT(!)-Bereich suchte. Also hat Herbert den IT-Leiter angesprochen und es kam tatsächlich zu einem Termin, der wenig erquickend war. Ich hatte Herbert über den Termin nachträglich per E-Mail mit folgenden Worten informiert:
„Die Position, über die wir gesprochen haben, ist sicherlich sehr interessant. Allerdings glaube ich, dass der ideale Kandidat wohl eher in einem HTL-Abgänger denn in mir zu finden ist 🙂 Ich glaube, er hat sich letztlich nur deshalb mit mir getroffen, weil er von DIR die Unterlagen bekommen hat.“

Wenn man schon dabei ist, meine vermeintlichen beruflichen Skandale aufzudecken, möchte ich hier auch vermelden, dass ich einmal in der Ottakringer Brauerei gearbeitet habe. Und das, obwohl ich nie Bier getrunken hatte! Und Pepsi, das von der OB ebenfalls vertrieben wird, trinke ich ebensowenig!
Im Magistrat der Stadt Wien war ich mitverantwortlich für die IT-technische Umsetzung der Eintreibung der Hundesteuer! Und das, obwohl ich diese Steuer weder mag noch befürworte!
Und ich hatte mich einmal in der IT-Abteilung des ÖAMTC beworben, obwohl ich jahrelang Mitglied beim ARBÖ war!

Schrecklich, nicht wahr? Da fragt man sich doch, ob all jene, die sich jetzt großartig echauffieren, in ihrem Leben immer und ausschließlich nur das getan haben, was sie zu 100% mit ihren persönlichen Werten vereinbaren konnten. Falls doch nicht, dann nennt man dies Doppelmoral.

Dazu fällt mir ein Bekannter ein, der ein ausnehmend tierliebender Mensch ist. Er arbeitet in einem Pharmakonzern, wo er im Zuge seiner wissenschaftlichen Studien unzähligen Hasen Leid mit meist letalen Folgen zufügen muss. Weil das per Gesetz so geregelt ist. Macht er das gerne? Sicherlich nicht. Und dennoch macht er es. So wie auch alle Tierfreunde und selbst Tierversuchsgegner dankbar für ein vielleicht lebensrettendes Medikament sind.

All diejenigen, die immer nur und ausschließlich nach ihrem ethischen Werten agiert und dabei alles richtig gemacht haben, mögen bitte sofort den ersten Stein werfen!

Monty Pythons „Das Leben des Brian“

Und jene, die zwar selbst nicht perfekt sind, dies jedoch von allen anderen erwarten, mögen bitte vor ihrer eigenen Türe zu kehren beginnen. Passt halt nur auf, dass ihr nicht in das Loch plumpst, das jetzt womöglich freigelegt ist.

8 Antworten auf „Hunde, Bier und IT“

  1. Mal sehen, welche Löcher freigelegt werden und wie man dagegen vorgehen kann. Und Doppelmoral: ich war stets Sozialdemokratin, habe aber stets für ÖVP-DN in leitenden Stellen gearbeitet. Das Eine hat eben nichts mit dem
    Anderen zu tun.

  2. Und ich arbeitete einmal als Krankenschwester, obwohl ich meistens gesund war; und außerdem arbeite ich bei div. Musikfestivals mit, obwohl ich überdurchschnittlich unmusikalisch bin. Und erst die Buchhaltung des Seminarzentrums, obwohl ich mit Ziffern und Zahlen auf Kriegsfuß bin! – Hoffentlich widerspricht das alles nicht irgendwelchen Bestimmungen oder moralischen Traditionen!

  3. Auch ich oute mich: Ich habe im ORF gearbeitet, obwohl ich ein kompromissloser Filmfan bin. Mein Lebensmotto lautete: Niemals zum Fernsehen und wenn, niemals zum Aktuellen Dienst. Das Schicksal ist ein Luder, nicht schwer zu erraten, wo ich gelandet bin.

  4. Sich wo bewerben weil man da eventuell arbeiten will (muss?) ist die eine Sache – einer Partei beitreten die Andere! Auch ich habe jahrelang in einem sehr Kirchen nahen Unternehmen gearbeitet obwohl ich die Kirche hasse wie die Pest! Aber wie geschrieben – da ist der Job und dort ist meine Einstellung!
    Dass Herr Kickl das gleich wieder so dreht, als hätten Sie sich bei der FPÖ um eine Mitgliedschaft beworben wundert mich (seltsamerweise?) nicht… So ist dieser Verein eben.

  5. ehrlich währt am längsten. ich habe auch in der frühjugend 2 veranstasltungen der mlö (marxisten und leninisten Ö)besucht ohne deshalb einer zu werden. ich bin rot von groß -bis kleinhirn….. und habe im wiener eislaufverein gearbeitet (establishment/bourgeosie pur)bin in pension und habe bei einem arbeitgeber gehackelt der nur von beiträgen der dienstgeber lebt. wie im lotto: alles ist möglich……

  6. Bisher habe ich ihre Beiträge mit großem Vergnügen gelesen und werde das weiterhin tun. Problem bei diesem Beitrag: Mir fehlt die saubere Argumentation. Ich werfe den ersten Stein zur Fage, ob ich beruflich immer getan habe, was ich für ethisch richtig gehalten habe. Nehme ihn aber zur Frage, ob das immer richtig war, gleich wieder zurück. Wegen eines enttäuschenden Fußballspiels ist mir nicht gleich der Fußballsport zuwider.
    Dennoch in hoher Wertschätzung.
    Günther Gruber

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