#Brieferl No.20 – Alles nur Neidhammeln?

Lieber Cousin Herbert,

unfassbar, wie die Zeit vergeht. Wir haben heute schon wieder Jubiläum! Das hier ist das 20. (!) Brieferl!

Dass du dich auch so nett an den Feierlichkeiten beteiligst, finde ich famos! Offenbar willst du diese tschetschenische Familie und den österreichischen zweifachen Taekwondo-Staatsmeister noch heute ins Flugzeug setzen! Nicht auszudenken, welche Gefahren sich für die Österreicherinnen und Österreicher ergeben hätten, wenn du mit der Maria Vassilakou telefoniert hättest!

Ich habe mir mal die Seite des Außenministeriums angeschaut. Die Reisewarnungen, die dort angeführt sind, sind immer sehr hilfreich. Bei der „Russischen Föderation“ wurde ich in der Rubrik „Sicherheit und Kriminalität“ fündig: „Von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Dagestan, Tschetschenien, Inguschetien und Kabardino-Balkarien wird angesichts der dortigen prekären Sicherheitslage abgeraten.“

 

Ich nehme an, dass das nur für österreichische Staatsbürger gilt, oder? Weil sonst wäre es ja irgendwie fast unnett, jemanden dorthin zu schicken.

Mir ist dazu übrigens noch eine Frage eingefallen: Sowohl die Familie als auch der Staatsmeister haben doch Bleiberecht beantragt. Was passiert jetzt mit diesen Anträgen? Werden die einfach entsorgt?
Und noch spannender ist die Frage: was passiert, wenn die Anträge von einem pflichtbewußten Beamten doch noch genehmigt werden? Würdest du die Abgeschobenen dann alle wieder zurückholen müssen?

Jetzt ist aber genug gefeiert. Es gibt ja auch noch andere Dinge zu besprechen.

Der Basti, der war ja so super, als er in Deutschland war! Dass er gegen Hetze jedweder Art auftritt, ist bewunderswert. Vor allem gegen die Reichen!

Ich persönlich glaube ja, dass dieses Hinterfragen des Reichtums nichts anderes ist als blanker Neid. Neid der Besitz, Arbeits- und Würdelosen. Neid der Verdammten dieser Erde. Und die Verdammten sollen verdammt nochmal das ihnen zugewiesene Schicksal der Verdammnis endlich schweigend hinnehmen!

Apropos Neid: ich habe gelesen, was du, ganz Philosoph, der du bist, über diese penetranten 68er gesagt hast.

„Die 68er versuchten im Namen des Fortschritts zerstörerisch zu wirken. Wenn ich nur an das Aushöhlen der staatlichen Identität oder der Identität des Familienverbundes denke. Diese Regierung steht für einen offensiven Gegenentwurf. Die Thesen der 68er haben sich als falsch herausgestellt. Das Bedürfnis nach Orientierung, Geborgenheit und Heimat wird von uns wieder in ein positives Licht gerückt.“
https://derstandard.at/2000072582583/Innenminister-Kickl-erteilte-Auftrag-fuer-eigene-Grenzschutzeinheit

Mir persönlich haben neben „Orientierung, Geborgenheit und Heimat“ ja noch „Disziplin, Zucht und Ordnung“ gefehlt. Aber das kommt vielleicht noch.

Immer wenn ich 68er höre oder lese, muss ich an „Hair“ denken. Du weißt, dieses Musical, in dem diese, die Identität des Familienverbundes zerstörenden Hippies der freien Liebe frönen, sich unanständig kleiden und dabei auch noch fröhlich singen.
„And peace will guide the planets and love will steer the stars … Harmony and understanding, sympathy and trust abounding … Let the sunshine in …“

Man könnte ja fast neidisch werden, weil die so glücklich wirken. So harmonisch. Die scheinen wirklich zu glauben, dass Frieden, Freiheit und Harmonie die Zukunft sein könnten! In Wahrheit sind sie wohl nur die orientierungslosen Vorfahren der heutigen Gutmenschen.

Jedoch lässt mich ein Gedanke nicht los, was den Neid betrifft.

Sind vielleicht all jene, die die 68er als zerstörerisch empfinden, in Wahrheit nur Neidhammeln?
Weil sie selbst verklemmt sind, möchten sie geborgen in eine Orientierung geklemmt werden?
Weil sie sich selbst nix trauen und noch weniger zutrauen?

Das wäre aber schon irgendwie traurig, meinst du nicht auch?

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

P.S.: Euer Kandidat in Niederösterreich, der Udo Landbauer, scheint mir auch einer zu sein, der es nicht so mit den 68ern hat. In den Liederbüchern der Burschenschaft, bei der er stellvertretender Vorsitzender ist, steht nämlich unter anderem „Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million“.
https://kurier.at/politik/inland/landbauer….

Ich weiß, du bist kein Jurist. Ich auch nicht, aber ich habe zufälligerweise das Verbotsgesetz vor mir liegen. Das ist derzeit ja so noch gültig.
Da steht im §3h: „ … bestraft wird… wer in einem Druckwerk … oder sonst öffentlich auf eine Weise … den nationalsozialistischen Völkermord oder andere nationalsozialistische Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost, gutheißt oder zu rechtfertigen sucht.“

Das könnte fast zutreffen, was meinst du dazu?