#Brieferl No.67 – Möge der Rechtsstaat mit uns sein

Lieber Cousin Herbert,

langsam, aber sicher, bin ich richtig angepapperlt. Da wollte ich mir gerne heute einen Tag frei vom „Brieferl schreiben“ nehmen, aber bei dieser Regierung scheint das nicht möglich zu sein!

Ich habe mir gedacht, ich MUSS dir schreiben, weil die Geschichte, die mir da zu Ohren und Augen gekommen ist, so dermaßen grauslich und schasklappersdorfianisch ist, dass ich (nicht nur) dich von selbiger in Kenntnis setzen MUSS!
Weil sie dir vielleicht noch nicht unter deine ministerialen Augen gekommen ist. Und du, sofern (noch) ein Minimum an Empathie, Anstand und vor allem wahrhaftige Rechtsstaatlichkeit in dir steckt, vielleicht etwas tun kannst!

In aller Kürze geht es um Folgendes: da kam im Jahr 2015 ein junger Mann aus Afghanistan nach Österreich. Er hat sich integriert, kann deutsch und war in der Schule.
Nun hat ein österreichisches Gericht seine kürzliche Verhaftung als widerrechtlich erklärt und ihm Schadensersatz zugesprochen, weil er eben unrechtmäßig verhaftet wurde! Aber noch während er noch vor Gericht war (!), ließ das BFA (Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl) ihn erneut verhaften und hält ihn jetzt fest, um ihn asap (Anmerkung: neudeutsch / englisch für „as soon as possible“) abzuschieben.

Es gibt „stichhaltige Gerüchte“ (ich schreibe das jetzt absichtlich so, weil ich versuche, mich mit Gudenus-Sprech bei dir einzuschleimen), dass er in Afghanistan wegen der Konvertierung seines Bruders zum Christentum gesteinigt wird. „#Brieferl No.67 – Möge der Rechtsstaat mit uns sein“ weiterlesen

#Brieferl No.66 – Wie klaut man den Österreichern Millionen?

Lieber Cousin Herbert,

du hast vielleicht schon bemerkt, dass ich cineastisch veranlagt bin. Ich habe mich gestern an einen wunderbaren Film aus dem Jahr 1966 erinnert, der den Titel „Wie klaut man eine Million“ trägt.

Kennst du den? Falls nicht, dann erzähle ich hier kurz die allerwichtigsten Details.
Die entzückende Audrey Hepburn will gemeinsam mit dem charmanten Peter O‘Toole eine Statue aus einem Museum klauen. Dieses Vorhaben gelingt ihnen mittels „psychologischer Kriegsführung“, oder wie man heute sagen würde, einer „social attack“. Die beiden verstecken sich in einem Abstellkammerl und warten, bis alle Besucher am Abend gegangen sind.
Dann löst Peter O‘Toole mit Hilfe eines Bumerangs die Alarmanlage rund um die kleine Statue aus. Der Bumerang fliegt zu ihm zurück und er huscht wieder ins Kammerl. Die Museumswärter sind sofort zur Stelle und orten einen Fehlalarm. Der nahe dem Museum residierende Innenminister (!) wird dabei aus dem Schlaf gerissen, was selbigen wenig amüsiert.
Nach einer weiteren Bumerangattacke wird wieder ein Fehlalarm geortet, der Staatspräsident wird geweckt und die völlig entnervten Museumswächter schalten das Alarmsystem ab. Die Statue kann nun gemütlich mitgenommen werden.

Du fragst dich jetzt vielleicht, warum ich dir das erzähle, oder? Mir ist der Film eingefallen, nachdem ich über die angeblich „stichhaltigen Gerüchte“ gelesen hatte, dargebracht von deinem Kollegen Johann Gudenus.

Mir scheint, dass so manche Wortmeldungen oder das plötzliche Aufgreifen von ungemein wichtigen Themen (z.B. Kopftuchverbot) wie der Bumerang in dem Film sind. Als würden sie geworfen, um von der eigentlich geplanten Schandtat abzulenken. Vielleicht überschätze ich aber das Basti und Bumsti Kabinett und diverse Ausrutscher zeugen nicht von perfider Taktik, sondern schlicht von Inkompetenz.. „#Brieferl No.66 – Wie klaut man den Österreichern Millionen?“ weiterlesen

Hunde, Bier und IT

Na das gab gestern noch eine ordentliche Aufregung, als interessierte Landsleute vermeinten, einem unglaublichen Skandal auf der Spur zu sein. Cousin Herbert bekam in einem Interview in der „Presse“ die Frage gestellt „Wie stehen Sie zu Ihrer Cousine Daniela Kickl, die einen FPÖ-kritischen Blog betreibt?“

Da musste ich mich schon zum ersten Mal wundern.
Liebe Redakteure der „Presse“! Mein Blog ist nicht FPÖ-kritisch, er ist regierungs- und gesellschaftskritisch. Dass da die FPÖ besonders oft negativ erwähnt wird, ist für eine Regierungspartei traurig genug.

Ich habe ja oft den Eindruck, dass manche Leser außer der üblichen Überschrift „Lieber Cousin Herbert“ genau nix lesen. Und wegen dieser Anrede einen Familienzwist vermuten oder eben annehmen, dass es „nur“ eine Kritik an der FPÖ ist. Na ja, man kann eben die Leute weder zum Lesen und noch weniger zum Verstehen anhalten.

Herberts Antwort war unter anderem: „Ich hatte zweimal etwas mit ihr zu tun, einmal hat sie sich bei der FPÖ beworben.“

Und da ortet der geneigte Leser, vornehmlich jener, der die FPÖ für den wahren Repräsentanten des „kleinen Mannes“ und die ÖVP für eine Partei für das „Volk“ hält, einen riesigen Skandal. „Hunde, Bier und IT“ weiterlesen

#Brieferl No.65 – Ja ja ja blau blau blau blüht die Bundesbahn dideldideldum

Lieber Cousin Herbert,

darf ich bitte dir, stellvertretend für die gesamte FPÖ,herzlich zur gelungenen Einbläuung der ÖBB gratulieren?

Man hat ja schon länger nix mehr gelesen zu dem Thema und da habe ich mir gedacht, ich schau mal, wie denn die Fortschritte so sind. Ich bin wie immer fasziniert! Was da für Kapazunder jetzt am Ruder sind, es ist fast zu schön, um wahr zu sein. Wen haben wir denn da genau im Aufsichtsrat?

Der Vorsitzende des Aufsichtsrates ist ein Mag. Arnold Schiefer. Der ist bei der schlagenden Burschenschaft Teutonia mit von der Partie. Die klitzekleine Kleinigkeit, dass das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes die Burschenschaft dem rechtsextremen Spektrum zuordnet, wollen wir mal hier beiseite lassen.
Ich empfinde ihn als besonders ausgezeichnete Wahl. Wenn die Kollegen nicht spuren, wie er will, könnte er die Abtrünnigen anstatt zu öden Mitarbeitergesprächen ja vielleicht zu einer erquickenden Mensur einladen. Blaue Flecken inklusive. Ich könnte mir gut vorstellen, dass solche Maßnahmen die Runde machen und künftig verpflichtend in allen Unternehmen Österreichs einzusetzen sind. „#Brieferl No.65 – Ja ja ja blau blau blau blüht die Bundesbahn dideldideldum“ weiterlesen

A Mensch mecht I bleib’n, liebe Nix-zu-Verbergler!

„Ich habe ja nichts zu verbergen“ hört man immer wieder von jenen, die so rein gar nichts dabei finden, wenn der Staat Überwachungsmaßnahmen installieren will.

Das ist sehr praktisch, weil das einerseits die eigene, absolute Unfehlbarkeit herausstreicht. Und in einem Aufwasch andererseits jenen, die sich nicht so gerne überwachen lassen wollen, unterstellt, dass sie eben etwas zu verbergen hätten.

Aufwachen, liebe Nix-zu-Verbergler!

Es geht nicht darum, ob ich etwas zu „verbergen“ habe oder nicht!
Ich möchte ein möglichst freier Mensch sein.
Ich möchte nicht unter Generalverdacht gestellt werden.
Ich möchte nicht alles, was ich tue oder auch nicht, erklären müssen.
Wem gegenüber überhaupt und vielleicht noch wichtiger – Warum eigentlich?

Oder auf gut Wienerisch zusammengefasst: Wo samma denn bitte?

Wir haben in Österreich das unbeschreibliche Glück, auf einen Fundus großartiger Künstler zurückgreifen zu können. Und deshalb lasse ich an dieser Stelle einen sprechen bzw. singen, der bereits 1982 ein wunderbares Statement abgegeben hat.

„A Mensch mecht i bleibn, a klaans Geheimnis mecht i hom …“ 

Wolfgang Ambros – A Mensch mecht I bleib’n

Und wer sich jetzt fragt, was er/sie eigentlich tun kann – bitteschön 🙂

https://action.amnesty.at/nein-zum-ueberwachungspaket

#Brieferl No.64 – Blaue Sittenwächter im Drittel und eine Vertragsverlängerung

Lieber Cousin Herbert,

na, da haben sich ja wieder einige deiner Parteifreunde mit reichlich Ruhm bekleckert, als sie Kommentare zur neuen stellvertretenden Bezirksvorsteherin der Wiener Innenstadt geschrieben haben.
Stell dir nur vor, die ist nämlich schwarz!!!!! Skandal aber auch!!!!

Deine Partei-Kumpel machen das freilich auf den ersten Blick recht clever. „Ich bin mir jetzt nicht mehr sicher, ob ich noch weiß, welche Wurzeln und Identität meine Heimatstadt hat …“ schrieb der Robert Lizar und „Frau oder Mann?“ stammt von Evelyn Achhorner.
https://kurier.at/politik/inland/rassismus-vorwurf-gegen-fpoe-redakteur-wegen-facebook-posting/400020691

Weißt du, was mich immer wieder bei solchen Vorfällen fasziniert? Keiner mag irgendwie zugeben, dass er oder sie eben eine gewisse Einstellung hat. Die Evelyn Achhorner hatte auf Anfrage vom Kurier geantwortet:

„Als FP-Funktionärin (die in einem Männerberuf tätig ist) bekomme ich auch öfters diese Frage, ob ich Frau oder Mann sei. Darum habe ich an dieser Frage im Posting nichts Verwerfliches gefunden. Ich möchte deutlich betonen, dass mir jeglicher Rassismus fern liegt.“

Wirklich? So plump, um nicht zu sagen dumm?
Warum stehen Rechte eigentlich nicht zu ihrer Gesinnung?
Aus Angst vor dem Gesetz (Volksverhetzung, Wiederbetätigung etc.)?
Aus Feigheit?
Oder vielleicht deshalb, weil sie ganz genau wissen, dass ihr Gedankengut falsch ist, sie aber aus opportunistisch-populistischen Gründen nicht darauf verzichten möchten?
Deine persönliche Meinung dazu würde mich schon sehr interessieren, wegen der Praxisnähe halt. „#Brieferl No.64 – Blaue Sittenwächter im Drittel und eine Vertragsverlängerung“ weiterlesen

#Brieferl No.63 – Reden und schweigen lassen + neues Spiel mit KHG

Lieber Cousin Herbert,

stell dir nur vor – der Herr Lepuschitz hat nicht nur nicht auf meine freundliche Frage geantwortet, er hat mich auch auf seiner Twitterseite blockiert! Das finde ich irgendwie unsportlich und fad. Aber das ist vielleicht auch nur euer neuer Stil.

Blockiert hat mich zum Beispiel der Harald Vilimsky nicht. Ihm hatte ich doch mein Beileid wegen des Champagners ausgedrückt. Er scheint da ein bisschen humorvoller und offener zu sein, als euer neuer Medienstratege.

Gestern habe ich einen interessanten Artikel gelesen. Zum Thema AUVA.
„Das gesteuerte Schweigen der Kira Grünberg“
Das ist schon irgendwie auch eine Veräppelung der Wählerschaft. Da holt sich der Basti extra medienwirksam eine Behinderte als Behindertensprecherin und dann wird diese augenscheinlich zum Schweigen verdonnert. Und was manche zu viel schweigen, plappern andere dafür plattitüdenhaft zuviel. „#Brieferl No.63 – Reden und schweigen lassen + neues Spiel mit KHG“ weiterlesen

#Brieferl No.62 – Strategie und Vertrauen im Allerwertesten

Lieber Cousin Herbert,

zuerst möchte ich dich gerne darüber informieren, dass der Herr Lepuschitz mir wider Erwarten nicht geantwortet hat. Das finde ich nicht nett!
Aber gut, ich verstehe es. Es geht ja um die Optimierung des medialen Auftretens. Und dazu gehört sicherlich das Schweigen. Weil wer nix sagt, den kann man auch nicht hinterfragen. Habt ihr sicher vom Basti gelernt. Und der vom Wolfgang Schüssel.

Ganz so schweigsam, wie man immer glaubt, ist er ja eh nicht, der gute Basti. Zumindest hat er dem Viktor Orban gratuliert.

Die Leute sind immer goaschtig zum Basti. Da schreibt er endlich mal was und dann ist es auch wieder nicht recht.

Aktuell berichtet er sehr viel über den großartigen Besuch in China. Am besten hat mir gefallen, dass er den niederländischen Ministerpräsidenten zitiert hat.

Freihandel ist demnach fast wie der Jesus der heutigen Zeit. Nein besser sogar. Jesus konnte ja bloß Wasser in Wein verwandeln. Aber der Freihandel lässt sogar Kuchen größer werden! Und völlig richtig geht es dabei genau NICHT um die Verteilung der Anteile am Kuchen, sondern ausschließlich darum, dass selbiger größer wird.

Zur aktuellen Lage der Nation sagt der Basti freilich nix. „#Brieferl No.62 – Strategie und Vertrauen im Allerwertesten“ weiterlesen

#Brieferl No.61 – Don‘t blame it on the sunshine …. tralalaaaaaa

Lieber Cousin Herbert,

die arme Frau Hartinger-Klein, die hat es wahrlich nicht leicht. Niemand scheint sie verstehen zu wollen. Zuerst das mit dem Rauchen, jetzt das mit der AUVA.

Dabei meint sie es sicher nur gut mit der Versicherung. Sie wurde ja sogar mit dem Ehrenring der österreichischen Sozialversicherung ausgezeichnet, am 10. Oktober 2013. Immer wieder interessant, welche Auszeichnungen es so gibt, das muss ich sagen.

Weißt du eigentlich, dass Frau Hartinger-Klein eine Klage gegen die AUVA zurückgezogen hat, nachdem als sie als Ministerin angelobt wurde? Sie wollte dort 2015 so gerne Generaldirektorin werden, aber die AUVA hat sie nicht genommen. Klar, dass sie sich diskriminiert fühlen musste, hat doch ein Mann den Posten bekommen. Warum kämpft sie denn nicht weiter für ihr Recht? Wäre es ihr vielleicht peinlich, wenn man in den Medien dann darüber berichtet hätte?

Eines ist aber klar. Das Ungemach hat sich die AUVA selbst eingebrockt!

Don‘t blame it on the sunshine.
Don‘t blame it on the moonlight.
Don‘t blame it on the good times.
Blame it on the AUVA …. tralalaaaaaa

Na ja, jetzt wird sicher alles besser! Jetzt habt ihr von der FPÖ auch endlich einen, der die Auftritte der blauen Regierungsmitglieder optimieren wird.
Da gibt es ganz sicher viel zu tun.
http://www.kleinezeitung.at/politik/innenpolitik/5402331/Strategieberater_Lepuschitz-soll-blaue-Medienarbeit-koordinieren „#Brieferl No.61 – Don‘t blame it on the sunshine …. tralalaaaaaa“ weiterlesen

Was Spinat und Winston Churchill gemeinsam haben

Im Alter von etwa 20 war ich gut und gerne für markige Aussagen wie „Lieber tot, als rot“ zu haben. Kein Wunder, war ich in den 1980er Jahren doch geprägt vom kalten Krieg und den ungustiösen Kommunisten, die nicht zuletzt breitenwirksam als das ultimative Böse filmreif gegen meinen allerliebsten Hollywoodlieblingsliebling Sylvester Stallone angetreten sind.

Außerdem war ich ja nicht nur absolut unverwundbar, sondern sowieso etwas Besseres als die Anderen. Woraus genau ich das geschlossen hatte, außer meiner Jugend und einer halbwegs guten Ausbildung, entzieht sich heute meiner Kenntnis.

Unzählige Menschen haben mich auf meinem bisherigen Lebensweg begleitet. Häßliche und Hübsche, Große und Kleine, Junge und Alte, Nette und Unsympathische, Gescheite und Dumme. Die ganze Palette quasi. Die Gewissheit, etwas Besseres zu sein, hat sich glücklicherweise verflüchtigt. Nicht zuletzt deshalb, weil diejenigen, die glauben etwas Besseres zu sein, mir zutiefst unsympathisch sind.

Sie begründen ihr vermeintliches Bessersein nämlich in Umständen, für die sie nichts können. Der Mann, der sich gut vorkommt, weil er eine Eigentumswohnung sein eigen nennt, die seine Eltern erarbeitet haben, ist nichts Besseres. Die Frau, die mit Schönheit und Intelligenz gesegnet ist, die dank des Vermögens der Eltern in aller Ruhe studieren und in Folge einen Topjob ergattern kann, ist nichts Besseres.

Die hässliche Frau, deren Kindheit unschön verlaufen ist und die jeden Tag an der Supermarktkassa freundlich zu mir ist, ist nichts Schlechteres. Der kleine wie unauffällige Mann, der mir jeden Tag die Post bringt und mit seinem Gehalt gerade einmal sich und seine Familie über die Runden bringt, ist nichts Schlechteres.

Ob man als Frau oder Mann, als Hässlichkeit oder Schönheit, als Hochbegabter oder geistiges Nackerbatzerl, in Österreich oder Afghanistan zur Welt kommt, darauf hat niemand einen Einfluss. Man will uns immer gerne einreden, dass jeder alles erreichen kann, wenn er es nur will und sich bemüht. Das ist ausgemachter Bullshit. „Was Spinat und Winston Churchill gemeinsam haben“ weiterlesen