#EU28wks – Wir tragen Europa

Sommer 2015. Ich stehe in kurzen Hosen und leichtem T-Shirt vor dem Haus und reinige das Auto. Mit dem Hochdruckreiniger funktioniert das nicht nur gut, das Spritzwasser kühlt sogar ein bisschen.

Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass ein Nachbar, der alte Johnnie, wie ihn hier alle nennen, Besuch hat. Ein Freund oder Bekannter von ihm, der ebenfalls jenseits der siebzig, wenn nicht der achtzig ist, kommt auf mich zu. Er geht für sein Alter erstaunlich schnell. Ich schalte den Reiniger aus und erwarte mit Spannung, was er von mir will, schließlich habe ich ihn noch nie gesehen und Johnnie selbst kenne ich auch nur vom Grüßen her. Da steht er auch schon vor mir, der herzige kleine alte Mann und bringt nur einen einzigen Satz über die Lippen, ein wenig zitternd, dafür mit glitzernden Augen:
“Are you from Sweden?“

Aha. So ist das also. Kaum hat man blonde Haare, ordnet einen der gemeine Ire der schwedischen Gemeinschaft zu. Allerdings hatte der eine Schwede, den ich einst in einem gemütlichen Lokal in Wien kennengelernt hatte, auch richtig schöne blonde Haare.
Wie einst der herzige Matti Nykänen, das Schisprungwunder. Auch wenn dieser ja Finne ist.
Eddie “The Eagle“ Edwards war zwar keine Konkurrenz für den Matti, dafür war sein Mut besonders sehenwert. Engländer sind nach meiner Griechenland-Urlaubs-Erfahrung ausnehmend gesellige Zeitgenossen, jedoch mit mangelhafter Ehrfurcht gegenüber unvernebelter Sonne ausgestattet.

Irgendwie unglaublich, was mir alles so einfällt, wenn ich meine Gedanken kurz mal schweifen lasse. Wie sehr ich doch Europäerin bin!
Nicht nur, weil ich selbst gerne reise, sondern auch deshalb, weil das andere gerne tun. Oder gar sesshaft werden.

Ich trage Europa in mir.
In meiner Persönlichkeit, die geprägt ist von den europäischen Kulturen.
Ich trage Europa auch in meinem Herzen, durch die Vielfalt der Menschen, denen ich begegnen durfte.

Wir alle tragen Europa in uns. Manche vermeinen es eher als Last auf ihren Schultern, aber das halte ich eher für eine Auswirkung der populistisch-nationalistischen Tendenzen, denen wir ausgesetzt sind.

Von 23. bis 26. Mai 2019 werden die Wahlen zum europäischen Parlament stattfinden. Das wird DIE Gelegenheit sein, sich zu dem zu bekennen, was wir alle sind: Europäer. In Anlehnung an Michael Häupl möchte ich hier sagen:

Mei Europa is ned deppat!

Klar, die Europäische Union als formales Konstrukt hat sicherlich ihre Schwächen, ist nicht perfekt. Aber bitte, was im Leben ist schon perfekt.

Dass man globale Probleme in einer globalisierten Welt eher lösen wird, wenn man zusammenhält, leuchtet sogar jedem Kind ein. Ein Gegeneinander hilft nix, auch wenn uns manche Politiker das Heil der Abschottung verkaufen möchten.

Ab Montag, 5. November 2018 sind es genau noch 28 Wochen bis zur Woche 0, in der die Wahl stattfinden wird.
Es wird an uns liegen, Europa nicht nur im Herzen, sondern auch in die Welt zu tragen.
Es wird an uns liegen, unser Europa vor den Populisten zu schützen.

Deshalb starte ich die Aktion #EU28wks.
Jede Woche werde ich bisschen etwas zu einem der (noch) 28 EU-Länder schreiben, allgemeine Informationen sowie meine persönliche Beziehung zu diesem Land.

Jeder wird hiermit eingeladen, sich mit lustigen, berührenden oder skurrilen Geschichten zu beteiligen. Entweder direkt auf meiner Homepage unter dem Artikel, auf Facebook in den Kommentaren oder auf Twitter mit dem Hashtag #EU28wks.

Wie immer bei solchen interaktiven Aktionen, habe ich mir Preise erschnorrt, die jeweils für eine Geschichte pro Woche vergeben werden. In der Woche 0 der Wahlen wird es einen besonderen Hauptpreis geben, der unter allen Teilnehmern der 28 Wochen vergeben wird.
Wie immer gilt für all meine Spiele: die Gewinner werden durch eine Jury (bestehend aus mir, mir und nochmals mir) ausgewählt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ich wünsche uns allen viel Spaß.

15 Antworten auf „#EU28wks – Wir tragen Europa“

  1. Ich bin schon von meiner Familie her eine „Monarchiemischung“, also eine echte „Europäerin“ und ich möchte auch gar nichts anderes sein! Sie haben alle zu meinem „ich“ beigetragen, die Tschechen, katholischen Kroaten, Italiener und ungarischen Juden…..und alle haben sich irgendwann in Wien getroffen! Das bin ich!

  2. Coole Idee – dazu fällt mir eine Anekdote aus unserer Familiegeschichte ein: mein Urgroßvater – Lehrer, Messner und Organist in Innervillgraten – beantragte im Gemeinderat, eine Landkarte von Europa zu kaufen. Seine Begründung war, dass es in dieser schnelllebigen Zeit ( um 1890) gut sein könnte, dass irgendjemand mal dorthin kommen könnte.

  3. Ich kann nur hoffen, ja ich glaube es zu wissen, dass wir mehr sind als die stumpfsinnigen, ewig gestrigen nationalistischen Schrebergartenverteidiger. Auch wenn die rechten Medien nunmehr meinen, dass 80% und mehr für diese Regierung stehen. Wie nennt man das? „Alternatives Fakten“ ,also Fakes!
    „Mehr Luft“ täte der EU auch gut. Ich bin dabei!

  4. welcher ungeist zerreisst die union, herrscht in den usa, kriecht aus allen ritzen hervor…
    ohne geist, empathie, erkenntnis, logik und frei jeder vernunft taumelt die zukunft auf diesem planeten auf meine kinder zu. sry wegen diesem off-topic, ich mag ihre seite sehr, aber wenn ein licht nach dem anderen ausgeht, fällt mir die hoffnung recht schwer…

  5. Hoffe in 28 Wochen ein soziales Europa in dem Gleichberechtigung und friedvolles Miteinander, Rückbau der Waffenindustrie und Gerechtigkeit vorherrscht, zu erleben. Die Mehrheit der Europäer wird mir zustimmen.

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