#EU28wks – Woche 22 – Tschechien

Als eines von 10 Ländern trat Tschechien am 1. Mai 2004 der Europäischen Union bei.

Als Jahrgang 1970 kannte ich noch die Tschechoslowakei, die wie Ungarn hinter dem eisernen Vorhang von Österreich getrennt und Teil des Ostblocks war.

Die Hauptstadt Prag soll ausnehmend schön sein, jedoch durfte ich bisher nie so weit ins Landesinnere vordringen. Excalibur City, im “Niemandsland“ zwischen dem österreichischen Kleinhaugsdorf und dem tschechischen Znojmo gelegen, sowie Znojmo selbst, waren zu Einkaufszwecken meine einzige Berührung mit tschechischem Boden.

Viele Menschen, die dem tschechischen Boden entstammen, egal ob es damals noch Böhmen oder eben Tschechoslowakei hieß, haben mein Leben beeinflußt.
Ivan Lendl und Martina Navratilova haben mir schöne, passivsportliche Tennisstunden zukommen lassen, Smetanas “Moldau“ bezaubert mich bis heute und das biografische Meisterwerk “Amadeus“ von Milos Forman konnte Mozart in einer Art und Weise offenbaren, wie sie im Schulunterricht nicht annähernd möglich war.

Ich muss etwa 12 Jahre alt gewesen sein, als ich zufällig im ORF (damals brachte man noch richtig gute Filme) “Endstation Schafott“ (Originaltitel: “Deux hommes dans la ville“) mit Alain Delon und Jean Gabin gesehen habe.
Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass so etwas wie Todesstrafe existiert. Das Empfinden, dass diese Art der “Bestrafung“ grundfalsch ist, hat sich von da an festgesetzt und wurde letztlich auch bei meiner Matura in Philosophie behandelt.

Ich wollte dann unbedingt ein Referat in Deutsch zu diesem Thema halten, weshalb ich in der nächsten Buchhandlung nach entsprechender Literatur fragte. Mir wurde “Der Prozess“ vorgeschlagen, was mich zum großen Tschechen / Böhmen Franz Kafka bringt. So beklemmend seine Werke sind, so faszinierend und klug sind sie.

Hier der Trailer zur Verfilmung von Orson Welles mit Anthony Perkins aus dem Jahr 1962:

Und es gibt noch den einen, der Tschechien wie kein Anderer repräsentiert, der mich durch die Kindheit begleitet hat. Es war nicht nur dem Titellied der “Biene Maja“, sondern noch mehr der Verehrung meiner Mutter geschuldet, dass ich sämtliche Lieder der “goldenen Stimme von Prag“, Karel Gott, kannte und wegen der permanenten Beschallung sogar irgendwie mochte.

Als Preis gibt es diese Woche eine MAXI-CD „BE MY FRIEND“ von NO BROS zu gewinnen.

Viel Spaß beim Kramen in Tschechien-Erinnerungen 🙂

4 Replies to “#EU28wks – Woche 22 – Tschechien”

  1. Meine Erinnerungen sind durchwegs negativer Natur. Der Eiserne Vorhang, der mich bei jeder Grenzüberquerung geängstigt hat, die finster dreinschauenden Soldaten mit ihren grimmig ausschauenden Hunden, die penible Untersuchung des Autos, aus dem jede Zeitung oder sonstiges Druckwerk konfisziert wurde. Und eine Weiterfahrt trotzdem sehr oft nur mittels eines Geldscheins im Pass möglich war.
    Und weil dieser Rückblick nicht düster genug ist, waren wir just an jenem 21. August 1968 in Pilsen, als Russland den Prager Frühling niederschlug. Unglaublich, was einem durch den Kopf geht, wenn man in dieser Lage ist und das Kind bei der Schwägerin zu Hause in Wien. Da kommen Erzählungen aus dem Krieg zurück, getrennte Familien und Flucht. Gottseidank, alles gut gegangen. Trotzdem ist all das in meinem Gedächtnis so stark verankert, daß mich Tschechien als Reiseland bis heute nicht reizt.

  2. nun, ich habe dort weitschichtige Verwandtschaft. in der Kindheit öfters besucht, noch mit meinen Eltern. seit dem Tod meines Vaters riss der kontakt leider ab…
    als jugendlicher war ich noch ein paar mal dort. was mich zutiefst beeindruckte war die Gastfreundlichkeit, auf die wir auch außerhalb unserer kreise stießen. als Großstadtkind war ich von deren festen tief beeindruckt: da wurde gebacken, getrunken und gegessen, unglaublich!
    aber natürlich blieb die wirtschaftliche not der Leute nicht verborgen: ohne Nachbarschaftshilfe und zusammenhalt gab es z.b. keinen Hausbau. und wenn zwei oder mehrere Häuser die gleichen Außenfliesen hatten, dann wusste man, dass die zeitgleich errichtet wurden…
    heuer waren wir als oberflächliche Touristen ein bisschen über der grenze. natürlich hat sich in den Jahrzehnten einiges getan, aber spuren von damals sind natürlich noch vorhanden.

  3. Nachdem ich in meiner Kindheit in Grenznähe zur ehemaligen Tschechoslowakei lebte, erinnere ich mich noch gut an die Wachttürme und den Grenzzaun.
    Als 1968 russische, polnische….Soldaten einmarschierten, waren die Schüsse gut zu hören. Damals hatte ich zum ersten und letzten Mal Angst vor einem Krieg.
    Nach der Grenzöffnung 1989 kamen etliche BettlerInnen an die Tür.
    War zuvor ein Versperren der Haustür nicht üblich, so änderte sich dies zu der Zeit.
    Die erste Grenzüberschreitung führte mich nach Budweis.
    Zum einen Teil war ich fasziniert über die Architektur der Gebäude, zum anderen Teil entsetzt über die Verwahrlosung derer. Die Armut der Menschen war unübersehbar.
    Die Reise nach Prag war mit ähnlichen Gefühlen verbunden.
    Allerdings hat Prag das“ gewisse Etwas“. Keine anderen Stadt, mit Ausnahme von Wien, hat mich jemals so beeindruckt.

  4. Mein erster Besuch in der Tschechoslowakei war ein Wochenende in Prag in den frühen 90er Jahren, als erstes Ostblock-Land (das blockfreie Jugoslawien ausgenommen).
    Zu einer Zeit als Prag nur im innersten Zentrum schön renoviert war, aber auch nicht brechend voll mit Touristen aus aller Welt. Mit einem frei zugänglichen jüdischen Friedhof, nicht wie heute nur mit einer heillos überteuerten Kombikarte zu mehreren jüdischen Sehenswürdigkeiten. Und einem goldenen Gässchen, das man auch fotografieren konnte, ohne die Kamera hoch über die Köpfe hinweg zu halten.
    Dort haben wir einen alten Mann getroffen, der die Zerschlagung der Habsburger-Monarchie als das größte politische Unglück für Europa bezeichnet hat – nicht wegen des Kaiserhauses, sondern wegen der Trennung der Völker.
    Ob es zu einer Auflösung der EU kommen wird, wird die Geschichte zeigen, genauso wie sie beurteilen wird, ob es ein Unglück gewesen sein wird. Aus meiner Sicht wäre es ein Unglück und es sieht gerade nicht gut aus.

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