#EU28wks – Woche 23 – Ungarn

Als eines von 10 Ländern trat Ungarn am 1. Mai 2004 der Europäischen Union bei. Seit kurzem (ich verwende ja neuerdings lieber “unlängst“, aber in diesem Fall passt es) darf der amtierende Ministerpräsident Viktor Orbán sogar Pate für die “Orbanisierung“ sein.

Da freut sich das Österreicherherz besonders, wenn die deutschen Nachbarn über “Die Orbanisierung Österreichs“ betreffend Druck auf die liberale Demokratie berichten.

Wo sind die Zeiten aus Kindertagen, als ich den ungarischen Grafen Andrássy in den Sissi-Filmen anhimmeln konnte? Wahrscheinlich war Andrássy der erste Mensch aus Ungarn, den ich “kannte“.

Meine erste Reise nach Ungarn durfte ich irgendwann in den 1970ern mit meiner Familie nach Sopron unternehmen. Der Vorhang zwischen Ungarn und Österreich war zwar nicht wirklich “eisern“, wie mir die Nachrichten immer weiß machen wollten, der Grenzübertritt mit dem Auto war dennoch besonders spannend.

Sopron erwies sich für mich überraschend “normal“. Ich hatte ja die skurrilsten Bilder über das Leben hinter jenem Vorhang im Kopf, die sich jedoch in keinster Weise bestätigten.

Ebenfalls in den 1970ern waren wir einmal für ein paar Tage in der Hauptstadt Budapest, und zwar im Hotel Budapest. Ich war zutiefst beeindruckt, dass wir in einem Hotel wohnen durften, das rund (!) war.
Noch beeindruckender fand ich die aufregende Fahrt mit der U-Bahn zwischen den Stadtteilen Buda und Pest. In Wien war die U-Bahn erst in Bau begriffen und so war es für Klein-Daniela ein Abenteuer allererster Güte, mit der schier endlosen Rolltreppe in den tiefen Schacht hinabzufahren, um dann auch noch unter (!) der Donau fahren zu dürfen. Oder zu müssen. Ich war doch skeptisch, ob nicht irgendwo Wasser eindringen würde.

Auch der Ausflug zum Plattensee, während eines Sommer in den 1980ern, war noch mit der aufregenden Überwindung der Grenze verbunden. Der Balaton war schön gelegen und angenehm zum Baden. Die ansässigen Gelsen waren genauso penetrant wie die österreichischen, was in mir die Hoffnung stiegen ließ, dass die Menschen irgendwann genauso unbeschwert die Grenzen zwischen den Ländern überwinden könnten wie dieses lästige Gelsen-Gesocks.

Im Jahr 1989 wurde der eiserne Vorhang zwischen Österreich und Ungarn symbolisch wie endgültig von Außenminister Alois Mock durchschnitten. Das war eine aufregende Zeit, denn täglich gab es Meldungen über DDR-Bürger, die über Ungarn in den “freien“ Westen, also Österreich gelangten. Letztlich kam es 9. November 1989 zum Fall der Berliner Mauer und das Gefühl, dass die Menschheit letztlich doch weiß, was richtig ist und was eben nicht, machte sich nicht nur bei mir breit.

https://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/1420861/Der-Mann-der-den-Eisernen-Vorhang-durchschnitt

Viele Jahre lang bin ich regelmäßig nach Ungarn gefahren, zum Shopping oder für schöne Wochenendtrips. Seitdem ich in Irland lebe, hat sich das leider erübrigt.

Jeder wird hiermit wieder herzlich eingeladen, sich mit lustigen, berührenden oder skurrilen Geschichten zu beteiligen. Entweder direkt auf meiner Homepage unter dem Artikel, auf Facebook in den Kommentaren oder auf Twitter mit dem Hashtag #EU28wks.

Diesmal konnte ich wieder 2 Karten für das Programm „HOMO IDIOTICUS – eine Kulturgeschichte des Trottels“ von und mit Michael Niavarani ergattern.

Und zwar für Mittwoch, 16. Jänner 2019 um 19:30 Uhr im Globe Wien Theater, Marx Halle, Karl-Farkas-Gasse 19, 1030 Wien.

Viel Spaß beim Kramen in Ungarn-Erinnerungen 🙂

3 Replies to “#EU28wks – Woche 23 – Ungarn”

  1. Meine erste Reise nach Ungarn erfolgte 1977 mit einer Freundin zum Balaton.
    Abends an der Bar lernten wir ein junges Pärchen aus Ostdeutschland kennen.
    Ich erinnere mich, wie überrascht ich war, weil diese 2 Menschen so glücklich wirkten.
    Meine Meinung war nämlich, Menschen, welche in ihrer Freiheit dermaßen eingeschränkt sind, wie solche aus der DDR, Tschechien und auch Ungarn, können nicht glücklich sein.

  2. Auch ich bin das erste Mal mit meinen Eltern und Freunden meiner Eltern in den siebziger Jahren nach Sopron gefahren und es war ein sehr komisches Gefühl die Grenze zu passieren ,denn man musste ein Formular ausfüllen den Kofferraum kontrollieren lassen- ob man nicht doch etwas Mitschmuggeln würde – weiters wurde der Boden des Autos mit einem Spiegel kontrolliert was mich als Kind doch sehr irritierte, hatte man uns Kindern doch gesagt wir würden einen netten Ausflug machen . Die Pässe wurden eingesammelt, jeder wurde mit einem starren Gesichtausdruck mit dem Passfoto verglichen und mit einem kurzen nicht sehr einladendem Nicken durfte man einreisen. Dort angekommen sind wir in ein Restaurant gegangen und hatten ganz gut gegessen ich fand aber auch sehr witzig , dass der Zander den mein Vater dort gegessen hatte Fogosch hieß. Meine Schwester und ich fanden das so lustig, dass wir unseren Goldfisch von nun an Fogosch nannten.
    Und nach langen Recherchen ( ohne google) wussten wir auch das MÜMLEK Denkmalschutz heisst, denn das stand auf fast allen älteren Häusern drauf.
    Als der Vorhang viel sind wir auch ein paar mal nach Sopron gefahren fand es aber immer sehr lustig, dass viele Österreicher dorthin gefahren sind um kiloweise Käse, Wurst und sonstige Lebensmittel einzukaufen nur . Diese waren zwar ein wenig billiger, aber was sie nicht bedacht hatten war,dass das Benzin das sie dafür brauchten um hinzukommen die Lebensmittel eigentlich wieder viel teurer gemacht hatten als wenn sie sie zu Hause gekauft hätten . Außerdem dauerte die Überfahrt aufgrund der kauflustigen Menschen fast länger als zu Zeiten des eisernen Vorhangs.

    Budapest habe ich als es eine sehr junge pulsierende Stadt kennen lernen dürfen und ich werde sicher wieder mal hinfahren .

    In der Nähe von Budapest dürfte ich mal ein traditionelles Weinfest miterleben Das hat mich sehr an die Filme von ich denke oft an Piroschka erinnert die ich als Kind mit meiner Oma Samstag nachmittag angesehen habe. Lilo Pulver hatte den Ungarischen Akzent zur Perfektion beherrscht..

    https://youtu.be/LQbkTIUr3mg

    In diesem Sinne liebe Grüsse aus PECS (wien)

  3. ‚Mein‘ erster Ungar war Zsupán – der aus der Wojwodina, der Schweine züchtet und es mit dem Schreiben und dem Lesen nicht so hat. Andrássy kam erst, als ich schon ein Teenager war. 1956 haben meine Eltern, wie tausende andere auch, ein Paket für Ungarn geschnürt. Kleider, Kaffee, Zucker, Dosen, eine Decke und ich gab Spiele ab und eine Puppe. Und meine Mutti schrieb einen ganz lieben Brief und legt ihn ganz unten ins Paket. Und etwa ein halbes Jahr später kam ein Brief aus Budapest, wo sich ein fast mit mir gleichaltriges Mädchen im Namen seiner Eltern für das Paket bedankte und im besonderen für die Puppe. Wir schrieben einander mehr als 25 Jahre, ehe sie ihren Wien-Besuch ankündigte. Wir trafen uns und obwohl ihr Mann wenig deutsch sprach, konnten wir uns alle vier verständigen. Der Briefverkehr riß erst vor ein paar Jahren ab – nach fast fünfzig Jahren.

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