#EU28wks – Woche 28 – Das Vereinigte Königreich

Ist es Zufall oder Schicksal, dass die 28 Wochen bis zur Wahl des europäischen Parlaments am 5. November starten?
Und dass die Nummer 28, die es wohl bald nimmer in der EU geben wird, das Vereinigte Königreich ist?

Remember, remember!
The fifth of November,
The Gunpowder treason and plot;
I know of no reason
Why the Gunpowder treason
Should ever be forgot!

Den Mann hinter dem Gunpowder Plot ist Guy Fawkes.
Wegen seines Vorhabens, so sagt man sich, er ist der einzige Mann, der je mit ehrlichen Absichten ins Parlament ging.

Ich selbst habe vom Gunpowder Plot durch den Film “V wie Vendetta“ erfahren. Früher habe ich dieses Meisterwerk mit der Distanz einer in einem stabilen, demokratischen Staatsgefüge eingebetteten Bürgerin durchaus beklemmend empfunden.
Wenn ich ihn mir heute Abend, wie an jedem 5. November, wieder anschauen werde, dann mit dem Wissen, dass faschistische Dystopie auch wieder zur bitteren Realität werden kann.

Das Vereinigte Königreich trat am 1. Jänner 1973 gemeinsam mit der Republik Irland der Europäischen Union bei. Sie waren damit Nummer 8 und 9 seit Gründung der EU, auch wenn sie damals noch die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft war.

Prime Minister war damals Edward Heath, den ich, dem Jahrgang 1970 entsprungen, noch nicht wahrgenommen hatte.
Jedoch kann ich mich lebhaft an Margret Thatcher und den Falklandkrieg erinnern. Der war bei uns im Gymnasium ein großes Thema. Nicht zuletzt deshalb, weil unsere Mathe-Professorin mit einem Argentinier verheiratet war.

Auch die kreative Idee mit der Kopfsteuer ist mir noch gewahr. Es hat schon was, dass ausgerechnet diese Steuer der guten Margret letztlich den politischen Kopf gekostet hat.

Ich oute mich hier und jetzt und es ist mir kein bisschen peinlich.
Ich bin Fan der englischen Königsfamilie. Bei jeder Hochzeit, die im Fernsehen übertragen wird, bin ich live dabei. Dabei bin ich gar keine Monarchistin. Aber das englische Königshaus wirkt irgendwie magnetisch.
Vielleicht liegt die Ursache für diese Begeisterung in dem einen kurzen Blick, den ich im Jahr 1986 auf die in Wien weilenden Charles und Diana erhaschen konnte. So etwas prägt.

Einer meiner Lieblingsautoren des Königreichs ist Roald Dahl, der Sohn norwegischer Einwanderer.
Zu Schulzeiten war es “Genesis and catastrophe: a true story“, die es mir besonders angetan hatte. Als Mutter versorge ich meine Kinder ebenfalls mit seinen Geschichten und so durfte ich im Zuge meiner Vorlese-Nachmittage eine besonders köstliche Variante von “Snow White and the seven Dwarfs“ kennenlernen. Hier ein kleiner Ausschnitt:

And there she’d got a job, unpaid
As general cook and parlour-maid
With seven funny little men
Each one not more than three foot ten
Ex horse-race jockeys, all of them
These seven dwarfs, though awfully nice
Were guilty of one shocking vice
They squandered all of their resources
At the race-track backing horses

Ich war einige Male im Vereinigten Königreich, in London sowie in Dover. Letzteres gibt nicht allzu viel her, wenngleich es eine entzückende Stadt mit einem beeindruckenden Castle ist.
Die Anreise mit der Fähre über den Ärmelkanal war dank der imposanten Kreidefelsen stets das Beste an einem Dover-Besuch. Einmal war es mir sogar vergönnt, die Überfahrt mit dem mittlerweile eingestellten Hovercraft zu machen. Mir wird nicht leicht schlecht, wirklich nicht. Aber das ewige Gehüpfe dieses Gefährts könnte vielleicht den Ausschlag gegeben haben, dass man die Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen hat.

Meine erste Reise nach London fand im Jahr 1989 statt und ich erinnere mich noch lebhaft, dass mich die Ansammlung von Müllsäcken auf den Straßen, die auf ihren Abtransport warteten, ein wenig irritiert hatte. So etwas würde es in Wien nämlich nicht geben.

Madame Tussauds hat mich immens begeistert, alleine schon deshalb, weil man an der tube station Baker Street aussteigt. Immer wie unweigerlich spazierte ich dort mit dem Lied im Ohr.

Auch der London Dungeon und der (mittlerweile geschlossene) Rock Circus haben mir ausnehmend gut gefallen.
Im Imperial War Museum war es die V2, die bleibenden Eindruck hinterließ.
Den Buckingham-Palast habe ich bisher nur von außen bewundert, weil ich noch immer auf eine explizite Einladung warte. Als Touristin mag ich in nicht in fremder Leute Häuser herumlatschen.

Ich finde es ja schade, dass sich unsere “Inseläffchen“ dazu entschlossen haben, die EU zu verlassen. Wobei es fraglich ist, ob sie das denn wirklich haben. Zumindest scheinen große Teile der Bevölkerung nicht mehr ganz von der Richtigkeit des Vorhabens überzeugt sein. 700.000 auf den Strassen Londons sind ein kräftiges Zeichen.

Ich könnte noch seitenweise über den Einfluss der Briten auf Weltgeschichte, Europa, Wissenschaft, Kultur und damit auf uns alle schreiben.
Was den Brexit betrifft, ist es auch die Nordirland-Frage, die noch gelöst werden muss. In diesem Kontext möchte ich den auf Tatsachen beruhenden Film “Im Namen des Vaters“ empfehlen, der veranschaulicht, was auch in einer Demokratie alles möglich ist, wenn die falschen Leute an der Macht sind.
Damit wir uns nicht wundern ….

Als Preis für alle Teilnehmer gibt es diese Woche das allseits beliebte Populisten-Quartett zu gewinnen.

Viel Spaß beim Kramen in UK-Erinnerungen 🙂

11 Antworten auf „#EU28wks – Woche 28 – Das Vereinigte Königreich“

  1. Den Satz verstehe ich nicht. Fehlt da ein „er“?

    „Wegen seines Vorhabens, so sagt man sich, ist der einzige Mann, der je mit ehrlichen Absichten ins Parlament ging.“

  2. Edward Heath war auch ein begabter Musiker. Ich habe ihn mal als Dirigent erlebt, bei einem Freiluftkonzert auf der Hampstead Heath am Kenwood Lake.
    Unvergessen seine Interpretation von Tschaikovskys Overtüre 1812 mit perfekt choreographiertem Feuerwerk dazu.
    Ach ja, und der Müll auf den Straßen Londons war immer ein Problem. Da hat einfach jeder alles fallen lassen wo er grad stand, Mistkübel gabs zwar, aber keiner benutzte sie.
    Highlight für mich war immer das Konzert des Malcom Sargent Choir in der Royal Albert Hall: Den Messiah mit einem Chor von 850 – 1000 Sängern (ich mitten drin) – da kommt die Gänsehaut noch in der Erinnerung nach über 30 Jahren

  3. EU 28 wks

    Leben … lernen … wachsen!

    Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich 1994 noch gegen einen Beitritt zur EU war.
    Aber warum?
    Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen und meine Eltern haben im Sommer Zimmer mit Frühstück, hauptsächlich an Deutsche vermietet, was bedeutet hat, dass die ganze Familie 3 Monate im Keller gewohnt hat und ich nach der Schule meist das Zimmermädchen war.
    Also kein so glücklicher Anfang um Fremdes zu akzeptieren! Kurz danach als Jugendliche habe ich erkannt, dass ich selbst „Außenseiterin“ in meinem Heimatort war, weil ich Dinge hinterfragt habe und mich nicht untergeordnet habe.
    Jahre später bin ich dann wie viele andere wöchentlich über die Grenze gefahren, um in Deutschland Zigaretten, Alkohol und Medikamente zu kaufen oder einen Einkaufsbummel zu machen. Damals war der Preisunterschied extrem und als dann die Debatte wegen dem Beitritt zur EU anfing, dachte ich, wie soll das gehen, da können wir nur verlieren. Ich habe begonnen mich für politische und wirtschafte Geschehnisse zu interessieren und wurde offener für viele zwischenmenschliche Probleme und Sorgen.
    Dann sind wir der EU beigetreten, die Preise haben sich angepasst und der Wirtschaftsaufschwung war spürbar. Ich habe einen neune Job angenommen, der viel durch die Öffnung profitiert hat und war auch in meinem Heimatort dadurch gerne gesehen. Der Tourismus begann zu florieren, die Urlaubsreisen wurden immer erschwinglicher und es gehörte plötzlich zu meinem Alltag, dass ich mit Menschen aus der ganzen Welt zu tun hatte und es hat mir gefallen was ich gehört, gesehen und erlebt habe. Ich habe mich nicht nur als Europäerin, sondern als Weltbürgerin gesehen. Alle Grenzen waren für mich verschwunden und ich fühlte mich frei und „dazugehörend“.
    Jetzt, 20 Jahre später, als wir alle Vorteile der EU genutzt haben, werden wieder „nationale“ Stimmen laut, die glauben wir seien ohne EU besser dran. Ich frage mich wirklich, haben sich diese Leute 20 Jahre im Wald versteckt.
    Die Welt hat sich weitergedreht und weiterentwickelt. Wie sollen wir uns gebietsmäßig abriegeln, wenn wir die internationalen Kontakte nur durch die Stärke der EU halten können und die globale Öffnung via Internet keine „Abschottung“ mehr möglich macht und auch nicht nötig ist.
    Viel wichtiger ist es zu erkennen, dass ein starkes gesundes Europa die größten und besten Chancen hat sich wirtschaftlich und am Arbeitsmarkt zu behaupten. Wir müssen verantwortungsbewusste Politiker unterstützen, die dafür Sorge tragen, dass Bildung, Weiterentwicklung, Umweltschutz und Freiheit nicht nur leere Worte sind.
    Wir müssen diese Dinge leben können und dazu müssen wir gemeinsam stark sein, um uns für die Probleme Schwächerer stark machen zu können und eine Gemeinschaft mit gleichen Rechten und Pflichten werden!
    So funktioniert „Freiheit“! So sollte die EU funktionieren!

    lg Andrea

    1. Vorzugsweise lese ich dem Kleinen vor, er ist 8. Er verschlingt aber auch alleine seine Bücher. Gemeinsam haben wir die Biografie und eben das Buch mit den Märchen gelesen. Ich bin gelegen vor Lachen, wegen der Idee mit den sieben abgehalfterten Jockeys 🙂

    1. Ja schade, nicht wahr? Ich bin zwar nicht gerne damit gefahren, aber zugeschaut habe ich ihnen umso lieber. Es war irgendwie faszinierend, wie sie vom Wasser an Land oder umgekehrt geglitten sind.

  4. Ich bin eine Österreicherin, die einen Teil des Jahres auf Mallorca lebt. Da sitzen wir immer als mindestens 5 oder 6 Nationen rund um den Tisch. Vor einigen Jahrzehnten wären wir Feinde gewesen! Deshalb gibt es die Europäische Union. Deshalb muss sie immer weiter verbessert werden, aber nicht verlassen oder aufgegeben!

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