#Brieferl No.57 – Denkangriff der monochromen Jungäpfel

Lieber Cousin Herbert,

es gibt unter Cineasten einige beliebte Filme, die so dermaßen grottenschlecht sind, dass sie fast schon wieder genial sind. Oder zumindest Kultstatus genießen.
„Angriff der Killertomaten“ und „Barbarella“ sind typische Exemplare. Der Bösewicht in Barbarella ist übrigens „Dr. Durand Durand“ und somit Namenspate für die englische Band. Das kann für Fans von Quizduell und Millionenshow von Wichtigkeit sein!

Ich frage mich, ob den Machern solcher Machwerke das Resultat bewusst war. Entweder wollten sie das Publikum bewusst und großflächig veräppeln oder aber es ist ihnen nur passiert und sie dachten wirklich, einen großen Wurf zu landen.

Ähnliches geht mir seit Tagen bezüglich der im Bundeskanzleramt installierten Stabstelle „Think Austria“ durch den Kopf. Stabstellen werden grundsätzlich dafür eingerichtet, Organisationen abseits der hierarchisch im Tagesgeschäft operierenden Linien Arbeit abzunehmen und zu beraten.

Wenn es nun die Stabstelle „Think Austria“ gibt, bedeutet das dann, dass eben dort „gedacht“ werden sollte, weil das dem Basti selbst nicht so liegt? Oder aber hat er keine Zeit für lästiges Denken, weil er doch so mit anderen Dingen beschäftigt ist?

Mir wollen und wollen drei Begriffe nicht aus dem Kopf gehen, die in mir den Verdacht der groß angelegten Volksveräppelung nähren.
Zukunftsradar, Wirksamkeitsbarometer und Evidence-based Policymaking (Evidenzbasierte Politikgestaltung).

Was genau bitte soll ein Zukunftsradar darstellen? Ist das eine technische Form der Glaskugel, wie sie von Wahrsagerinnen verwendet werden? Was genau wird damit detektiert?
„Damit schaffen wir eine bestmögliche Unterstützung der Regierungsarbeit, aber auch der Arbeit danach, also der langfristigen Orientierung des politischen Denkens, des politischen Handelns.“ sagt Antonella Mei-Pochtler in dem schicken Video.

Ich bin verwirrt! Hatte es nicht immer geheißen, dass das, was im Regierungsprogramm steht, für die nächsten (hoffentlich eh nicht) fünf Jahre gilt? Als Beate Klein-Hartinger im Jänner gemeint hatte, dass es Hartz IV mit ihr in Österreich nicht geben werde, wurde sie rasch zurückgepfiffen und auf Regierungsprogramm-Linie gebracht.

Was soll es bedeuten, wenn Mei-Pochtler von „der Arbeit danach“ und „der langfristigen Orientierung des politischen Denkens“ spricht?
„Think Austria“ hat also zum Ziel, über die Regierungsperiode hinaus die Orientierung des politischen Denkens zu unterstützen oder gar vorzugeben? Ist eigentlich gar nicht so unpraktisch, wenn dort gedacht wird, weil dann braucht das dumme Volk dies nicht mehr zu tun!

Das „Wirksamkeitsbarometer“ ist ja noch toller! Wird damit, wie für ein Barometer eben üblich, der Druck gemessen, der wegen der unsozialen Maßnahmen der Basti&Bumsti-Allianz auf das Wahlvolk wirkt? Je mehr Druck, desto besser?

„Evidenzbasierte Politikgestaltung“ ist für mich der Schönste aller Begriffe, gleichsam der Karl-Heinz von „Think Austria“. Wenn etwas „evident“ ist, dann ist es offenkundig, keines weiteren Beweises bedürfend.
Im Wienerischen nennt man das „No na ned“.

Bedeutet das also, dass man „No na ned“-Angelegenheiten zur Basis für Politik macht? Wer bestimmt dann, was „No na ned“ ist? Ah, das könnten die sozialen Medien sein, die bereits deiner Staatssekretärin flüstern, welche Gesetze in Zukunft strenger gemacht werden sollen.
Und die erscheinen dann vermutlich am Zukunftsradar und lassen sich mit dem Wirksamkeitsbarometer drucktechnisch gut messen, oder?

Ich habe mir mal kurz die Mitarbeiter von „Think Austria“ angesehen. Auf der Homepage selbst sind diese nicht gleich zu finden. Da erscheinen nur die schicken, sinnentleerten Worte und das fesche Video.
Aber wer suchet, der findet.

Ein wenig monochrom erscheint die Palette der Mitarbeiter, die überdies dem Motto „nur Jugend hat Tugend“ zu folgen scheint.
Das fasziniert mich ja auch sehr!
Die implizite Annahme, dass man quasi ab Erreichen des Erwachsenenalters eben als er-wachsen gilt und es damit keine Unterschiede mehr gibt zwischen einem 20-jährigen und einer 60-jährigen. Als wäre die Spanne, die man ab sofort in Volljährigkeit verbringt, lediglich ein Absitzen von Lebenszeit. In der man nichts mehr dazu lernt, sich nicht mehr weiterentwickelt und schon gar nichts mehr zu reden hat.

Stellvertretender Leiter ist der junger ÖVP-ler Christoph Robinson, der mit dem Basti gut befreundet zu sein scheint, wurde er doch mit an dessen Seite 2012 in den Bundesvorstand der Jungen ÖVP gewählt.
Ein Mitarbeiter ist Stephan Mlczoch, sein Zeichens junger ÖVP-Bezirksrat in Wien.
Der dritte Mitarbeiter, Michael Schmickel, scheint früher zufälligerweise Mitarbeiter im Außenministerium gewesen zu sein.
Und das Sekretariat wird von Nadja Herscovici geführt, die früher im Vorstand der Jüdischen HochschülerInnenschaft – JÖH tätig war.

Das beruhigt ungemein! Wir können also sicher sein, dass die Mitarbeiter von „Think Austria“ ganz sicher Bastis Vorstellungen von „No na ned“ Zukunft und Druck anständig in „der langfristigen Orientierung des politischen Denkens“ verfestigen werden. Und das mit jungendlichem, frischem Elan!
„Denkangriff der Jungäpfel“ wäre vielleicht ein passender (Film-)Titel für das (grottenschlechte oder doch geniale?) Machwerk.

Dafür möchte, nein muss ich sogar, unserem Noch-Bundeskanzler Basti den „Sauren Apfel in Gold“ verleihen! Für permanente Veräppelung des steuerzahlenden Wahlvolkes auf nie dagewesenem Niveau!

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

19 Antworten auf „#Brieferl No.57 – Denkangriff der monochromen Jungäpfel“

  1. Liebe Frau Kickl,
    Was für ein Genuss, Ihre Beiträge zu lesen.
    Es ist stets eine best-recherchierte und -formulierte Präsentation der (traurigen) Fakten. Ihr Basti+Bumsti-Spiegel zeigt die Realität leider in erschreckender Weise.
    Danke dafür!

  2. Vielen Dank für ihren beissenden Humor! Freue mich immer schon auf ihre so gut dokumentierten und recherchierten Brieferl. Bis zur nächsten Korrespondenz!

  3. Sie begleiten diesen Wahn, der sich Regierung nennt, auf tröstlich kluge, analytische Art. Vielen Dank, auch ganz besonders für den Humor, den Sie in dieses Trauerspiel einbringen können…

      1. bitte sehr! Ich habe damals diese apotheose der hanebücherei mit einer mischung aus erstaunen und erschrecken gelesen – bald jedoch habe ich mich nur noch auf das lesen der kommentare zur kolumne verlegt, ein heiden-spaß! Als ich dann vernahm, dass just diese verkörperung der selbstverliebten phrasendrescherei zur „vordenkerin“ des herrn BK gemacht wird, waren die letzten zweifel beseitigt: ein ahnungsloser blender hat seine meisterin gefunden. der schaden für dieses land wird immens sein.

  4. Gut das wir Vordenker haben. Mit jugendlichen Elan, Kurz treu und voller Tatentrang. Ich hoffe nur, dass die aus ihrer Jungscharzeit und katholischen Spielwiese rausgewachsen sind. Weil sonst wird das nichts mit den Vordenken. Kurz hätte nachsitzen sollen dann wären wir nicht dort und hätten nur einen schlechten Juristen oder Rechtsanwalt mehr. Manchmal hat man Pech oder auch Glück. Ich sehe es als Glücksfall, diese Regierung müsste man eigentlich erfinden. So wissen wir wo unser Bildungsniveau steht und das wir dringends eine Bildungsreform brauchen die sich gewaschen hat.
    Und vor allem wachen kritische Geister auf. Ich hoffe diese Geister wird dies Buberlpartie 2.0 nicht mehr los. Denn die Dumpfbacken trauen sich jetzt aus ihren Löchern, sie habe ja jetzt Vorbilder und Vorturner. Auch diese Geister besser gesagt Dumpfbacken Zombies werden sich gegen das Plagiat richten.
    Weiter so Frau Kickl

  5. So jung und schon Fallobst. Fallobstpartie 1.0

    Zu Popel:
    Popel steht für: angetrocknetes und verklumptes Nasensekret; Butzen, Fremdkörper im Druckverfahren

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