#EU28wks – Woche 27 – Kroatien

Kroatien ist das bisher jüngste Mitglied der Europäischen Union, und zwar seit dem 1. Juli 2013. In der Eurozone ist Kroatien noch nicht mit von der Partie, weil die Konvergenzkriterien noch nicht erreicht sind. Auch beim Schengener Abkommen, das die Reisefreiheit innerhalb zwischen den Ländern ohne Grenzkontrollen erleichtern soll, ist Kroatien noch nicht dabei.

Andererseits soll es gerüchteweise Länder geben, die zwar im Schengenraum sind, aber dennoch wieder Grenzkontrollen einführen. Was vermutlich daran liegt, dass so manche Routenschließung nicht so geklappt hat, wie deren Schutzheiliger das gerne erzählt.

Ich selbst war ein einziges Mal in Kroatien auf Urlaub, etwa 1981 oder 1982, als das Land noch Teil Jugoslawiens war. Die Autofahrt von Wien nach Pula war lang und aufregend gewesen und hatte mich mit einem Schriftzug konfrontiert, der mich zutiefst beeindruckt hat:

http://www.kroatien-netz.de/kroatien-foto-75819.htm?image_id=75819&mode=search

Ich stellte mir die Frage, was wohl an diesem Tito so besonders war, dass er dermaßen bedacht wurde. Eine äquivalente Ehrung am Schneeberg oder Großglockner für Bruno “Sonnenkönig“ Kreisky dachte ich an, verwarf die Idee jedoch mangels familiärer Zustimmung wieder. „#EU28wks – Woche 27 – Kroatien“ weiterlesen

#Brieferl No.137– Ein-Jahres-Jubiläum

Lieber Cousin Herbert,

jetzt ist es schon wieder genau ein Jahr her, dass ich dir das erste Brieferl geschrieben habe. Du hast eh alle gelesen, oder etwa nicht?

Lässt sich jedenfalls irgendwie schwer überprüfen. Genau wie diese “Am Schulhof ist nur noch deutsch zu sprechen, jawolllll“ – Initiative vom Manfred Haimbuchner. Ich verstehe ja, dass er gerne hätte, dass jeder alles verstehen kann. Wobei, wenn man konsequent ist, man dann auch Dialekte abschaffen müsste.

Ab sofort sollte es deshalb es keine mieselsüchtigen Grantscherben, sondern nur noch schlecht gelaunte, verdrießliche Menschen geben. Und der Bahöl kann auch gleich in Gatsch hupf‘n.

Ich frage mich, wie genau sich der Herr Haimbuchner die Kontrolle und auch die Strafmaßmaßnahmen bei Zuwiderhandeln vorgestellt hat. Gar nicht wahrscheinlich, weshalb ich wieder einmal helfend eingreife.

Für die Kontrolle schlage ich vor:

– Einrichtung eines freiwilligen (!) Spitzelwesens innerhalb der Schülergemeinschaft, Projektname “Blockwart 2.0“

– Herzige Miniponys mit Abhörgeräten auf Schulhofstreife. Die werden von allen gestreichelt, weil sie so herzig sind. Daher können sie sich den Verdächtigen gut annähern und mitlauschen.

– Bekanntmachung der Gratis-App “Troja Quest“, die wegen des herzigen Pferderls am Logo eh jeder freiwillig herunterlädt und die das hinterrückse Installieren des spionierenden Bundestrojaners obsolet werden lässt.

Auch für die Strafmaßnahmen habe ich Vorschläge für dich bzw. deinen Kollegen ausgearbeitet:

– Durchführen von Gehsteigreinigungen (die Gehsteige können ja doch nie sauber genug sein), Projektname “Reibpartie 2.0“

– Wöchentliche Singkurse mit Udo Landbauer. Damit der Umgang mit der deutschen Sprache gefestigt wird.

– 100 Mal “Das Land bekennt sich zur Heimatpflege durch das Bewahren der landestypischen Brauchtümer und Traditionen“ schreiben. Handschriftlich, versteht sich. „#Brieferl No.137– Ein-Jahres-Jubiläum“ weiterlesen

Haus der Verantwortung

Unlängst wurde ich gebeten, meine Stellungnahme zum Geburtshaus von Adolf Hitler abzugeben, das zum „Haus der Verantwortung“ gemacht werden soll.

Als interessant und traurig zugleich empfinde ich, dass der Fragende zwar sehr institent auf meine Beantwortung gedrängt, jedoch diese dann seinerseits nicht mehr beantwortet hat. Vielleicht war meine Antwort nicht die, die er lesen wollte …

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Sehr geehrter Herr,

ich danke Ihnen für die Ehre, diese schwierige Frage auch beantworten zu dürfen. Ich musste erst in Ruhe darüber nachdenken, weshalb ich erst jetzt antworte. Hier meine persönliche Ansicht.

Die Idee vom „Haus der Verantwortung“ gefällt mir gut, die der „Stadt der Verantwortung“ nicht. Eine Stadt und damit deren Bewohner, die wirklich nichts dafür können, verantwortlich zu machen, sie Verantwortung tragen zu lassen, kann zu einer Last werden. Diese Last kann ins Gegenteil umschlagen, nämlich dass man entweder von der ganzen Angelegenheit gar nix mehr hören will oder noch schlimmer, nach dem Motto „wenn mich schon alle für einen Nazi halten, dann kann ich auch gleich einer sein“,
Man darf Menschen nicht beladen mit etwas, wofür sie nichts können. Weder in der einen noch in der anderen Richtung.

Beim Abendessen habe ich meinen 15-jährigen Sohn, der Adolf Hitler mit den Eckpunkten natürlich kennt, gefragt, was er denn tun würde, wenn er in Braunau spazieren ginge und plötzlich vor dem Geburtshaus stünde. Er hat gemeint: ich würde hineingehen und herausfinden wollen, wie er zu solch einem Monster geworden ist. „Haus der Verantwortung“ weiterlesen

#Brieferl No.136– Die Henne und das Ei

Lieber Cousin Herbert,

auch wenn, oder gerade weil du gestern in die USA gereist bist, sollst du nicht ohne Lesestoff in Form verwandtschaftlicher Korrespondenz auskommen müssen.

“Mir ist wichtig, den von Österreich eingeleiteten Paradigmenwechsel
in den Bereichen Schleppereibekämpfung, EU-Außengrenzschutz
und Asylpolitik weiter voranzutreiben”

Warum eigentlich? Hat es mit der Schließung der Balkanroute doch nicht so geklappt, wie sich der Basti das vorgestellt hatte? Wahrscheinlich, sonst müsstest du dich jetzt nicht so ins Zeug legen.

Weißt du, was ich mich grundsätzlich frage?
Wer von euch beiden, also dir und dem Basti, ist eigentlich die Henne und wer das Ei?
Ich erkläre dir auch gleich, warum mich diese Frage überhaupt beschäftigt.

Grundsätzlich könnte man doch annehmen, dass der Basti als Kanzler die Henne ist, die das ministeriale blaue Ei, also dich, gelegt hat. Nun ist mir aber folgendes aufgefallen: „#Brieferl No.136– Die Henne und das Ei“ weiterlesen

#EU28wks – Woche 28 – Das Vereinigte Königreich

Ist es Zufall oder Schicksal, dass die 28 Wochen bis zur Wahl des europäischen Parlaments am 5. November starten?
Und dass die Nummer 28, die es wohl bald nimmer in der EU geben wird, das Vereinigte Königreich ist?

Remember, remember!
The fifth of November,
The Gunpowder treason and plot;
I know of no reason
Why the Gunpowder treason
Should ever be forgot!

Den Mann hinter dem Gunpowder Plot ist Guy Fawkes.
Wegen seines Vorhabens, so sagt man sich, er ist der einzige Mann, der je mit ehrlichen Absichten ins Parlament ging.

Ich selbst habe vom Gunpowder Plot durch den Film “V wie Vendetta“ erfahren. Früher habe ich dieses Meisterwerk mit der Distanz einer in einem stabilen, demokratischen Staatsgefüge eingebetteten Bürgerin durchaus beklemmend empfunden.
Wenn ich ihn mir heute Abend, wie an jedem 5. November, wieder anschauen werde, dann mit dem Wissen, dass faschistische Dystopie auch wieder zur bitteren Realität werden kann.

Das Vereinigte Königreich trat am 1. Jänner 1973 gemeinsam mit der Republik Irland der Europäischen Union bei. Sie waren damit Nummer 8 und 9 seit Gründung der EU, auch wenn sie damals noch die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft war. „#EU28wks – Woche 28 – Das Vereinigte Königreich“ weiterlesen

#Brieferl No.135– Der Polit-Algorithmus

Lieber Cousin Herbert,

wegen der vielen anderen Arbeiten, die zu tun waren, komme ich erst jetzt dazu, mit dir dein Interview mit dem Kurier zu besprechen.

Wirst du eigentlich dem Standard oder dem Falter auch ein Interview geben? Weil doch damals in der Elektropost eines deiner Mitarbeiter gestanden ist, dass die Kommunikation mit “kritischen Medien“ wie eben Kurier, Standard und Falter “auf das nötigste Maß“ zu beschränken seien.

Das Kurier-Interview finde ich nicht wirklich erquickend, dafür jedoch die Tatsache, dass die Reporterin das Handy abgeben musste, bevor sie mit dir sprechen durfte. Diese Abgabe-Regelung soll ja sogar für deine Mitarbeiter gelten.

Warum denn? Angst vor dem eigenen Überwachungspaket?
Oder heimlichen Aufnahmen im Büro?
Hast du gar auch irgendeinen Reichsadler hängen, der nicht der aktuelle ist?
Oder tönen fidele Oldies aus der ministerialen Stereoanlage? „#Brieferl No.135– Der Polit-Algorithmus“ weiterlesen

#EU28wks – Wir tragen Europa

Sommer 2015. Ich stehe in kurzen Hosen und leichtem T-Shirt vor dem Haus und reinige das Auto. Mit dem Hochdruckreiniger funktioniert das nicht nur gut, das Spritzwasser kühlt sogar ein bisschen.

Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass ein Nachbar, der alte Johnnie, wie ihn hier alle nennen, Besuch hat. Ein Freund oder Bekannter von ihm, der ebenfalls jenseits der siebzig, wenn nicht der achtzig ist, kommt auf mich zu. Er geht für sein Alter erstaunlich schnell. Ich schalte den Reiniger aus und erwarte mit Spannung, was er von mir will, schließlich habe ich ihn noch nie gesehen und Johnnie selbst kenne ich auch nur vom Grüßen her. Da steht er auch schon vor mir, der herzige kleine alte Mann und bringt nur einen einzigen Satz über die Lippen, ein wenig zitternd, dafür mit glitzernden Augen:
“Are you from Sweden?“

Aha. So ist das also. Kaum hat man blonde Haare, ordnet einen der gemeine Ire der schwedischen Gemeinschaft zu. Allerdings hatte der eine Schwede, den ich einst in einem gemütlichen Lokal in Wien kennengelernt hatte, auch richtig schöne blonde Haare. „#EU28wks – Wir tragen Europa“ weiterlesen

#Brieferl No.134– Visionen für den BIMZWIREP

Lieber Cousin Herbert,

gestern hatten wir es auf Twitter so unglaublich lustig. Danke danke für dein tolles Statement betreffend des auch von der FPÖ überzogenen Wahlkampfbudgets.

“Es ist ja nicht so, dass dieses Geld nicht auch irgendwo ankommen würde, wo dann auch wieder ein Nutzen in Österreich entsteht.
Das sollten wir nicht vergessen. Da hängen also auch Jobs dran …
Also dieses Geld wird nicht irgendwo sozusagen verheizt,
sondern es fließt in einen wirtschaftlichen Kreislauf“

Jetzt mal ehrlich Herbert, wir sind ja unter uns – kommst du immer selbst und alleine auf solche Antworten? Und meinst du das ernst oder kannst du in Wahrheit das Lachen kaum unterdrücken?
Ich könnte so was nicht sagen. Echt nicht. Mir würde die ganze Zeit “bist du deppert, so verarscht habe ich die alle noch nie“ im Kopf herumgeistern, was einer ernsten Darbietung des Textes im Wege stünde. „#Brieferl No.134– Visionen für den BIMZWIREP“ weiterlesen

#Brieferl No.133– Süßes oder Saures

Lieber Cousin Herbert,

heute wird Halloween gefeiert und die Kinder werden mit dem Sprücherl “Süßes oder Saures“ die Straßen unsicher machen. Mir gefällt das sehr gut.
In unserer Kindheit gab es Halloween genauso wenig wie einen halbwegs entspannten Umgang mit dem Tod. Da wurden alle am 1. November auf den Friedhof geschleppt, wo dann Trauerstimmung angesagt war.

Es ist doch so, dass wir nicht viel über unser eigenes, zukünftiges Leben wissen, auch wenn wir manchmal vermeinen, alles im Griff zu haben und deshalb vorhersehen zu können.
Allerdings ist und bleibt das Einzige, was wir definitiv wissen, dass wir alle irgendwann sterben werden. Zum Glück, denn sonst wäre es erstens zu eng und zweitens ist es doch immer die Begrenztheit und Endlichkeit, die etwas wertvoll macht. Ich finde, man sollte sich gerade zu Halloween besonders des Lebens erfreuen sowie mit Freude an jene zurückdenken, die nicht mehr unter uns weilen und unser Leben einst bereichert haben.

Ob der Basti auch herumgehen und Süßigkeiten schnorren wird? Man kann das durchaus auch als Erwachsener machen. Überhaupt, wenn man auf Jugendlichkeit sehr viel Wert legt und deshalb als Maturant locker durchgeht.

Andererseits wäre es beinahe ein bisschen unfair, weil der Basti doch schon so viele Süßigkeiten erhascht hat.

Süßigkeit Nummer 1: Das Wahlkampf-Zuckerl

Doppelt wird nicht nur gerne gemoppelt, sondern auch verschleudert. Oder besser gesagt “investiert“.

Da gibt es ein Gesetz, das besagt, dass jede Partei nur 7 Millionen Euro für den Wahlkampf ausgeben darf. So weit so gut. Hat dem Basti auch immer gut gefallen.

Und jetzt – surprise surprise – stellt sich heraus, dass die “türkise Buberl- und Mäderlpartie“ (diese Bezeichnung für euren Koalitionspartner habe ich mir bei dir ausgeliehen, lieber Herbert, als du noch in der Opposition warst) das Budget fast um das doppelte überzogen hat. „#Brieferl No.133– Süßes oder Saures“ weiterlesen

#Brieferl No.132– Thomas Midgley und die institutionalisierte Bösartigkeit

Lieber Cousin Herbert,

obwohl ich mir bewusst bin, dass du ja Philosophie studiert hast (wie lange eigentlich genau?) und vermutlich nicht so der Techniker bist, möchte ich dir heute einen Wunderwuzzi der Chemiegeschichte präsentieren.

Thomas Midgley, ein Amerikaner des angehenden 20. Jahrhunderts, konnte zwei fundamentale Probleme der Industrie lösen, was ihm nicht nur diverse Auszeichnungen einbrachte, sondern ihn auch als Geschäftsmann erfolgreich machte.

Das erste Problem, das er souverän löste, war das unbeliebte “Klopfen“ bei Verbrennungsmotoren. Als Angestellter von General Motors kam er auf die Idee, dem Benzin schlicht Blei hinzuzufügen.
Tatsächlich, das Klopfen war weg, dafür einige Mitarbeiter, die den Bleizusatz produzierten, tot. Insgesamt verursachte das freigesetzte Blei in der Atmosphäre Gesundheitsschäden rund um den Globus.

Das zweite Problem, dem er sich mit vollem Einsatz widmete, waren die Kühlschränke. Er entdeckte das FCKW als Ersatz für die bis dahin eingesetzten giftigen oder explosiven Substanzen. Lief auch alles pipifein, bis man leider feststellen musste, dass FCKW die Ozonschicht zerstört.

So kam es, dass Thomas Midgley vom gefeierten Helden zu jener Person mutierte, die “mehr Auswirkung auf die Atmosphäre hatte als jeder andere Organismus in der Erdgeschichte“.

Der Arme kann einem ja fast leid tun, denn die globalen wie negativen Auswirkungen waren ihm wohl weder in der Tragweite bekannt noch waren sie Ziel seiner Erfindungen. Immer, wenn ich an Thomas Midgley denke, muss ich auch an den Basti denken. „#Brieferl No.132– Thomas Midgley und die institutionalisierte Bösartigkeit“ weiterlesen