#Brieferl No.43 – Und hysterisch dämmert der Basti …

Lieber Cousin Herbert,

gestern habe ich wieder einmal etwas für‘s Leben gelernt. Zum einen habe ich als agnostische Atheistin (oder wahlweise auch umgekehrt) gelernt, dass zumindest der Papst irgendeine Macht zu haben scheint. Oder war es purer Zufall, dass die ÖVP ein Mandat in Kärnten verloren hat, just, als der Basti beim Papst war? Ich glaube nicht. Bemerke an dieser Stelle bitte unbedingt das Wort „glaube“!

Und dann habe ich noch etwas herausgefunden, was mich leider dazu bewegt, dem Basti den „Sauren Apfel in Bronze“ aus dem letzten Brief für seine Verdienste im Rahmen der #AnswerLikeKurz Kampagne wieder abzuerkennen. Weil er den Preis krankheitshalber nicht verdient!

Ich muss jetzt wieder ein wenig ausholen: So wie viele Menschen verwende ich mein Smartphone nur selten zum telefonieren. Manchmal spiele ich auch gerne, zum Beispiel Quizduell. Und da habe ich gestern etwas gelernt, was ich nicht für möglich gehalten und deshalb auch falsch beantwortet hatte. Eine Frage aus der Kategorie „Körper & Geist“ lautete: Was ist das Ganser-Syndrom?
Ich muss gestehen, ich hatte keinen Schimmer. Die vier Antwortmöglichkeiten waren:
– Der Betroffene ist farbenblind
– Der Betroffene gibt falsche Antworten
– Der Betroffene wiederholt seine Aussagen zwanghaft
– Der Betroffene hat Angst vor weiten Plätzen

Man hat beim Quizduell nur 30 Sekunden Zeit für die Antwort. Eh klar, weil mit Hilfe von Google wäre es ja fad. Ich konnte also die erste Antwort wegen Achromatopsie und die letzte wegen Agoraphobie ausschließen. Dass jemand krankhaft falsche Antworten gibt, erschien mir absurd, also wählte ich den Zwang zum wiederholten Antworten. Falsch!

Das Ganser-Syndrom ist tatsächlich ein Krankheitsbild aus der Psychiatrie, „bei dem die meist jüngeren männlichen Patienten falsch antworten. Es wird auch als ‚Pseudodemenz‘, ‚Pseudodebilität‘ oder ‚hysterischer Dämmerzustand‘ bezeichnet.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Ganser-Syndrom

Unter „Symptome und Beschwerden“ steht folgendes geschrieben: „Typisch ist das Vorbeiantworten auch auf einfachste Fragen, etwa ‚3 + 4 = 8‘ oder ‚Farbe der Sonne = grün‘. Die Frage wird also anscheinend verstanden, da in der richtigen Kategorie geantwortet wird, aber bewusst oder unbewusst antwortet der Patient falsch. Betroffen sind vor allem Männer jüngeren bis mittleren Alters.“

Ich musste sofort an den Basti denken! An andere auch, aber er scheint ein besonders schwerer Fall zu sein. Darf ich dich um etwas bitten? Frag ihn doch bei der nächsten Fragestunde, wieviel 3 + 4 ist, bitte! Zum Austesten, verstehst du? Wenn er da auch „vorbeiantwortet“, dann sollte jemand rasch agieren. Es gibt nämlich die Chance auf Heilung mittels Verhaltenstherapie. Die sollte man ihm nicht vorenthalten. Auch nicht, wenn er Kanzler ist. Oder gerade deshalb nicht!

Noch ein kurzes Wort an dich direkt, lieber Cousin. Wir hatten doch Ende der 1980er beide an der Uni Wien unter anderem Publizistik studiert. Ich weiß schon, dass das lange her ist, aber zumindest ein paar grundsätzliche Dinge hätten dir schon in Erinnerung bleiben können. Außer, du hast damals nicht brav aufgepasst.

Du hast heute auf deiner Facebookseite von dem respektvollen und menschlichen Klima bei Abschiebungen gesprochen. Also beinahe von Vergnügungsreisen. Mir ist dabei aufgefallen, dass wieder auf die „Basti&Bumsti-Prawda“ als Medium zurückgegriffen wurde. Wollten seriösere Medien deine Ausführungen nicht bringen?

Außerdem hast du geschrieben, dass „ein Journalist aus der Online-Redaktion des BM.I – Bundesministerium für Inneres“ eine Luftabschiebung begleitet hat. Ein Journalist?

Ich war so nett und habe extra für dich einen schönen Artikel herausgesucht:
http://www.kommunikationsblog.de/beziehung-von-journalismus-und-pr/

„Während beim Journalismus die Öffentlichkeit, also die allgemeinen Interessen, dargestellt werden und damit eine Fremddarstellung herrscht, ist bei PR das Unternehmen im Mittelpunkt, welches nur eine geringe Masse an Interessen vertritt und deshalb nur zur Selbstdarstellung dient.“

Wenn irgendwie möglich, darf ich dich bitten künftig ein bisschen seriöser und korrekter zu sein? Ich mag mich nicht immer für die Verwandtschaft entschuldigen müssen.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

P.S.: Wer hat sich eigentlich den Namen „Austria Escort“ ausgedacht? Ich konnte das leider nicht herausfinden, weil Google nur Seiten gefunden hat, die mit einer anderen Branche zu tun haben. Aber vielleicht soll ja damit auch nur das „respektvolle und menschliche Klima“ betont werden.

12 Antworten auf „#Brieferl No.43 – Und hysterisch dämmert der Basti …“

  1. Sie sind ihrem Cousin in jeder Hinsicht überlegen. Ist er wirklichIhr Cousin ? Fordern sie ihn doch zu einem DNA-Test auf. Brillant, was Sie schreiben! Machen Sie so weiter.

  2. Das sind schwerwiegende Vorwürfe, die da gegen einen ranghohen Politiker vorgebracht werden. Aber die Symptome sprechen eine deutliche Sprache!

  3. Einfach grandios, sg fr. Kickl. Welch fein geschliffene journalistische Klinge Sie führen, bewundernswert. Ich folge Ihren Ausführungen mit Begeisterung. Danke!

  4. Liebe Frau Kickl!
    Sie sind ein wahrer Lichtblick in dieser Zeit, in der Nachrichten und Kommentare zur gegenwärtigen Regierung zwischen Propaganda und Lobhudelei einerseits und verbissener Kritik bis lamorianter Bösartigkeit oszillieren und einem die Laune verderben, soweit sie nicht sowieso wegen der Beobachtung des täglichen Agierens dieser Regierung im Keller ist. Vielen Dank!

  5. Wenigstens haben wir jetzt einen Namen für dieBasti Krankheit…Gander Syndrom. Wie schön dass es ihre Brieferl gibt…sie versüßen mir den Tag. Wie immer gut recherchiert und auf den Punkt gebracht, mit der Prise Ironie die ich so an ihnen liebe….vielen Dank!

  6. Sie schreiben sehr gut, nur dass Sie Ihren Cousin und seine Bekanntheit dafür ausnutzen müssen, finde ich traurig. Anscheinend kommt es woanders nicht so gut an. (Vorausgesetzt Sie als Cousine existieren überhaupt). Wenn doch, hat er Ihnen offenbar immer das Schauferl in der Sandkiste weggenommen. Vielleicht klären Sie das besser mal familienintern.

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