#Brieferl No.299 – Wenn du nicht mehr weiter weißt …





Lieber Cousin Herbert,
auch du kennst sicherlich die alte Weisheit

Wenn du nicht mehr weiter weißt,
bilde einen Arbeitskreis!

So ein Arbeitskreis hat viele Vorteile!

Fragt dich dein Chef, ob du dich eines Themas bereits angenommen hast, verweist du auf den AK.

Will die Chefin wissen, ob du eine Angelegenheit bereits erledigt hast, verweist du auf den noch laufenden Prozess der Evaluierung innerhalb des AK. Dass der dauert, leuchtet jedem ein!

Regt sich irgendwer auf, weil das Ergebnis des AK (wie üblich) ein Blödsinn ist, dann stehen dir die Mitglieder des AK als Verantwortliche zur Verfügung, unter deren Druck du leider zu keinem besseren Ergebnis kommen konntest!

Die Gruppe als Kreis

Du siehst, es gibt nichts Besseres! In der Politik gibt es etwas ähnliches, das nennt sich “Arbeitsgruppe“. Die AG ist mit sämtlichen Vorteilen ausgestattet wie der AK, klingt nur noch besser.

Die parlamentarische Arbeitsgruppe ist nicht neu. 2010 gab es eine Anfrage seitens der Ursula Haubner (du weißt, die Schwester von Jörg Haider) zu diesem Thema.
Tatsächlich gab es 14 Arbeitsgruppen, unter anderem eine zum Thema „Kriminalpolizeiliche Leichenbeschau“.

Diese 14 Arbeitsgruppen waren aber nur diejenigen, die im Bereich des Innenministeriums der damaligen Ministerin Maria „Schottermizzi“ Fekter angesiedelt waren!

Die Crème de la Crème, der Arbeitskreis aller Arbeitskreise ist wahrscheinlich das „Demokratikum“. Dort werden alle parlamentarische Arbeitsgruppen koordiniert und gemanagt.

Aktuell gibt es eine „Taskforce Pflege“, die alleine natürlich völlig hilflos wäre, weshalb sie 5 Arbeitsgruppen hat. Damit die Taskforce nicht machen kann, was sie will, gibt es für sie auch noch eine Steuerungsgruppe.

Auf meiner Suche nach Arbeitsgruppen bin ich übrigens auf die „Arbeitsgruppe der IOTC für tropischen Thunfisch“ gestoßen und habe den verheißungsvollen Satz

„Wir scheuen nicht davor zurück, einige dieser Themen, die schon von vielerlei Arbeitsgruppen und Task Forces bearbeitet worden sind, noch einmal anzupacken und voranzubringen“

gefunden.

Dabei habe ich auch erfahren, dass der Sportminister sein Hauptaugenmerk auf Frauen-Förderung legt, weshalb ab 2021 acht Millionen Euro in ein Gender-Traineeprogramm gesteckt werden.

Vielleicht fragst du dich jetzt schön langsam, weshalb ich mich eigentlich so für Arbeitsgruppen interessiere!

Die Nachfrage zur Abstimmung

Auf Twitter habe ich erfahren, dass der Antrag von NEOS bzw. Yannick Shetty zur „Umsetzung der diskriminierungsfreien Blutspende“ von den Grünen in braver Koalitionstreue mit der Volkspartei abgelehnt worden war, dafür aber die FPÖ gemeinsam mit NEOS und SPÖ dafür gestimmt hat.

Du kannst dir mein Erstaunen sicherlich vorstellen, was mich dazu veranlasst hat, meine Erkenntnis auf Facebook und Twitter zu teilen.

Der engagierte und ungläubige Bürger Marko Zink hat sich daraufhin gedacht, er fragt mal bei den Grünen nach, was das denn solle, und bekam nachstehende Antwort, die er mir zukommen ließ:

Hmmmmm?!?!

Freundlicherweise hatte man einen Link mitgeschickt und in den habe ich reingeschaut.

Tatsächlich! Am 28. April 2020 wurde ein Antrag eingebracht. Allerdings nicht zur Umsetzung des angeblich Geforderten, sondern zur Installation einer ….. naaaaa …. kannst du es erraten? Genau, einer Arbeitsgruppe!

„Der Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz wird aufgefordert, eine Arbeitsgruppe […] einzurichten […]“.

Ob diese Arbeitsgruppe bereits ihre Gründung hinter sich gebracht hat, kann ich nicht zweifelsfrei beurteilen.

In einer Anfragebeantwortung vom 13. Oktober 2020 schwurbelt der Rudi Anschober ein bisserl herum, weshalb ich eher davon ausgehe, das zu diesem Zeitpunkt besagte Arbeitsgruppe eher visionärer denn realer Natur war.

Dafür spricht auch, dass am 6. November (!) 2020 „NEOS für eine rasche Einsetzung einer Arbeitsgruppe zum Thema diskriminierungsfreie Blutspende“ eintreten.

Der Sesselkreis zum Arbeitskreis

Ich möchte mich natürlich nicht beschweren, sondern einen – wie eh immer – konstruktiven Beitrag leisten!

Ich biete ab sofort (freilich virtuelle) Sesselkreise zum Thema „Arbeitskreis“ an. Da können wir dann gemeinsam die Herausforderungen derartiger Unternehmen besprechen.

Ich habe bereits eine Liste mit Themenvorschlägen für meine jeweils zweistündigen Veranstaltungen ausgearbeitet:

– Der Arbeitskreis – Gelegenheit zur Selbstverwirklichung oder Zeitvertreib?
– Die 10 besten Methoden, sich in einem Arbeitskreis zu profilieren
– Die 10 besten Methoden, an einem Arbeitskreis teilzunehmen ohne teilzuhaben
– Der Arbeitskreis als Karrieresprungbrett – Chancen und Risiken

Die Gebühr beträgt € 50,- pro Stunde und Teilnehmer, der Sesselkreis wird ab einer Mindestteilnehmerzahl von fünf Person*innen durchgeführt.

Anmeldungen bitte an blunze@danielakickl.com

Liebe Grüße,
Cousine Daniela



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