#Brieferl No.42 – Ehrenzeichen, Cojones erster Güte und saure Äpfel

Lieber Cousin Herbert,

immer wieder stelle ich erstaunt fest, welche Politiker mit Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet wurden. Jedoch scheint es sich bei der Verleihung solcher Orden mehr um einen Automatismus zu handeln, als um wirkliche und wahrhafte Verdienste. Zumindest, wenn es um Politiker geht. Da scheint es auszureichen, lange genug einen Sessel im Parlament angewärmt zu haben.

So habe ich mir gedacht, ich führe jetzt auch ein Ehrenzeichen ein. Eine Art „Oscar für herausragende Leistungen“. Der Oscar ist nicht nur ausnehmend cool, er hat auch einen ungeliebten Gegenspieler, die Himbeere. Jedes gute Drama hat ja immer den Protagonisten und den Antagonisten. Ich muss mich an dieser Stelle beim Matthias Strolz bedanken, der mich mit seiner flammenden Rede inspiriert hat.

Wie auch beim Oscar werden hier die Gründe für die jeweilige Verleihung in Form von filmischen Ausschnitten präsentiert.

* Trommelwirbel * bumm bumm bumm *

Ich präsentiere hiermit die Liste Pilz zum ersten Preisträger des neuen Preises „Silberne Cojones erster Güte“ für ihren würdigen Auftritt im Parlament zum Thema „Überwachungspaket“. Dass der Nationalratspräsident (Liste Basti) ihren Auftritt zwecks „Wiederherstellung der Würde des hohen Hauses“ abgebrochen hat, macht selbigen umso würdevoller.
http://www.nachrichten.at/nachrichten/videos/Mit-Kickl-Masken-im-Nationalrat;sts11308,9116

Dem geistigen Mit-Vater des neuen Preises, Matthias Strolz werden hiermit die „Goldenen Cojones erster Güte“ verliehen:
https://www.facebook.com/matthias.strolz/videos/1083042225168094/

Ich hatte ich mir schon überlegt, ob ich deinem Chef für das genaue Beobachten vom Strolz nicht auch einen Preis verleihen soll. Aber nur Schauen ist halt doch ein bisschen wenig und wurde daher, nach intensiver Beratung mit mir selbst, wieder ad acta gelegt.

Das Gegenstück zu den „Cojones erster Güte“ ist der „saure Apfel“. Passt obsttechnisch gut zur Himbeere und wird dann verliehen, wenn der Apfel, in den die Bevölkerung beißen muss, besonders säuerlich ist.
Ich muss gestehen, dass die Auswahl der Preisträger für diese Kategorie sich als besonders schwierig gestaltete. Weil sich so viele von ÖVP und FPÖ dafür beworben hatten.

Wen sollte ich also nehmen? Den Josef Moser für die Abschaffung aller Gesetze und Verordnungen von vor 2000? Dich, für die konzentrierte Unterbringung von Flüchtlingen oder die berittene Polizei? Damit kein Verdacht von Nepotismus aufkommt, musste ich dich leider von der Liste nehmen.

* Trommelwirbel * bumm bumm bumm *

Für den „Sauren Apfel in Bronze“ habe ich folgenden Preisträger erkoren:
Sebastian „Basti“ Kurz für seine Performance in der gestrigen Fragestunde im Parlament und für seine Verdienste für die #AnswerLikeKurz Kampagne. So muss Reden halten!
https://derstandard.at/2000075316152/Antworten-wie-Kurz-Nutzer-machen-sich-ueber-Kanzler-lustig

Der „Saure Apfel in Silber“ ergeht an die Familienministerin Juliane Bogner-Strauß.
Sie hat beim Preisträger des „sauren Apfels in Bronze“ brav gelernt und durch Eloquenz nicht nur unglaubliche Sympathien gewonnen, sondern sie macht vor allem jenen Mut, die sich mangels rhetorischer Fähigkeiten bisher selbst von einer politischen Karriere abgehalten haben.
Meine Lieblingsstelle (min 7:25): „ … und wenn wir hier von Alleinerzieherinnen und Wenigverdienern sprechen, so sind die, wenn die wenig verdienen, EH (!) schon zur Gänze von der Steuer entlastet …“
http://tvthek.orf.at/profile/ZIB-2/1211/ZIB-2/13967883/Gespraech-mit-Familienministerin-Bogner-Strauss-OeVP/14255467

Der „Saure Apfel in Gold“ ergeht nicht an eine Einzelperson, sondern an die Gruppe aller Finanzminister seit 4. Februar 2000. Begonnen hat alles mit dem feschen Karl-Heinz Grasser und endet aktuell mit dem Mann aus dem Versicherungswesen, Hartwig Löger. Allesamt waren sie entweder kurz bei der FPÖ (KHG), bei der ÖVP oder „parteilos“. Obwohl jeweils für die Finanzen zuständig, schieben sie den schwarzen Peter allen möglichen Ursachen zu, nur sich selbst nicht. Seit 18 Jahren könnten sie also durchgehend die Finanzen in Ordnung halten und allen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Tun sie aber nicht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_%C3%B6sterreichischen_Finanzminister
Als besondere Verdienste für den Preis gilt die aktuelle Ablehnung der Regelungen zur Steuervermeidung durch Großkonzerne sowie das Sparen bei den Ärmsten der Armen (Hartz IV, AMS-Kürzungen, Streichung der Notstandhilfe etc.).

Ich hoffe, du bist mit meiner Auswahl der Preisträger so weit einverstanden und vor allem nicht allzu traurig, dass ich dich nicht berücksichtigen kann!

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

P.S.: Tagesaktuell wird der „Saure Apfel honoris causa“ an Eva Glawischnig übergeben. Für Konsequenz und Rückgrat .
https://derstandard.at/2000075324397/Ex-Gruenen-Chefin-Glawischnig-bei-Novomatic

11 Antworten auf „#Brieferl No.42 – Ehrenzeichen, Cojones erster Güte und saure Äpfel“

  1. Ich bin enttäuscht, dass es Beate Hartinger-Klein für ihre grandiosen Pirouetten bezüglich Rauchverbot und Notstandshilfe gar nicht in die Liste der Preisträger des sauren Apfels geschafft hat.

    Aber bei der riesigen Auswahl an möglichen Preisträgern wundert mich das dann doch nur ein wenig.

  2. Dass die Eva Glawischnig für einen Sauren Apfel h.c. nominiert wurde finde ich aber schon ziemlich unfair.
    In Wirklichkeit beabsichtigt sie ja mit ihrem Engagement bei Novomatik die Firma zu unterwandern und diese dann von innen zu sprengen^^

  3. Aah, ich kann den glamourösen Auftritt vom Basti schon vor meinem geistigen Auge abspielen … in 3D und THX Sound … „And the aplle goes to … Sebastian Kurz.“
    Und dann der Augenblick kompletter ehrfuchtsvoller Stille, in der man ein Lesezeichen aus eunem Liedeebüchl fallen hören könnte, DIE Dankesreden schlechthin… „Das ist ein interessanter Preis, ich bin froh, dass er mir verliehen wurde. Endlich wird mein minutenlanger Einsatz zur Schliessung der Westbalkanroute gewürdigt“…

  4. Fritzcat meint, dass diese Regierung in Bausch und Bogen einen Sonderpreis verdiente, würde es denn so etwas wie einen Oscar für den Mangel an Intellektualität, fachliche Kompetenz und Bildung geben. Für eine Partei, die sich zu einer christlichen Grundhaltung und Tradition bekennt, sieht die Basti-Truppe aber blass aus mit ihren Kürzungen bei denen, die am wenigsten haben. Von christlicher Nächstenliebe keine Spur, statt dessen wird den Reichen und den Großkonzernen das Steuerhinterziehen fast schon nahegelegt. Aber Basti und Konsorten brauchen ja nach der nächsten Wahl gut dotierte Versorgungsposten in der Wirtschaft, also muss man ein bisschen anfüttern,…

    Die von der ÖVP stets für sich reklamierte Wirtschaftskompetenz muss sich irgendwo hartnäckig verstecken, denn wenn man das Budget und seine Entwicklung in den letzten 18 Jahren betrachtet, dann hat sie sich einfach nie gezeigt und die Staatsverschuldung hat bedenkliche Ausmaße angenommen.

    Die FPÖ wiederum ergeht sich in Rabiatsicherheitsideen, weil sie hofft, dass man ihr wenigstens dort so etwas wie Fachkompetenz zutraut. Aber selbst da sind sie Realitätsverweigerer und hängen stur an ihren braunen Wahnvorstellungen als wären die Jahrzehnte seit 1945 nur eine Art Erholungsphase für die Wiedererweckung des ihnen innewohnenden Ungeistes gewesen.

    So gesehen dürfen wir uns auf weitere Spitzenmeldungen von Daniela Kickl freuen, für die diese Regierung noch mehr als reichlich Stoff liefern wird.

  5. Wieder einmal ein treffendes Brieflein, warte jeden Tag mit Spannung auf Ihre amüsanten, jedoch wahren Bosheiten!
    Heute jedoch habe ich eine Rüge anzubringen zum Apfel honoris causa: „zeitlose Schönheit“ ist mir zu sehr unter der Gürtellinie und total daneben.
    Freue mich trotzdem wieder auf Neues!

    1. Ja, ich habe insofern ein schlechtes Gewissen, weil ich ihr Äußeres wohl falsch interpretiert habe. Für mich schien und scheint es, als wäre sie beim Schönheitschirurgen gewesen, was ja oftmals nicht so ausgeht, wie man sich das eventuell vorgestellt hat. Jedoch habe ich nun gelesen, dass sie krank wäre. Wenn dem so ist und ich das vor allem gewusst hätte – ich hätte das nicht geschrieben. Wenn es doch eine Schönheits-OP war, dann stehe ich dazu.

      1. Danke jedenfalls für’s Reagieren auf meine Rüge! Bin jedoch noch immer nicht ganz einverstanden: vielleicht sollte man, frau besser vorher recherchieren, was nun wirklich stimmt….
        Wie jedoch schon oben gesagt, ich freue mich auf jeden Ihrer Brieferl!!

  6. Liebe Frau Kickl,
    Vielen Dank! Ich lese Ihren Blog mit Begeisterung und wünsche mir persönlich auch ein Brieferl und vor allem einen Extrapreis (es gibt ja z.B. noch extrasaure Stachelbeeren) für Frau Mag. Hartinger-Klein deren Rede zum Rauchverbot besonders interessant war. Rund 20 Argumente gegen das Rauchen vorzubringen und dann über die Gastfreundschaft für die Beibehaltung zu argumentieren ist nahezu genial, wenn es nicht so traurig wäre. Und sehr charmant auch die Aussage, eine Volksabstimmung zu machen, bei der die Minderheit (Raucher) dann verlieren könnte wäre, das sei quasi unfair und schadet dem sozialen Frieden. Das ist dann sogar grenzgenial. Und gibt es einen Preis für Medienopfer? Schlage HC vor, sein Social Media Management sperrt User sobald sie sich nur kritisch äußern, ganz ohne schimpfen und so. Habe es übrigens selbst getestet und kritische Kommentare auf der Bumsti FB Seite gepostet (mit Verlinkungen zu seriösen Quellen, z.B. Petition für Rauchen mit angeblich 500.000 Unterschriften und am Originalschriftstück, abgerufen über die Parlamentshomepage, sind nur 300.000 genannt usw.) Nach nur einer Woche wurde ich blockiert. Ich finde das braucht einen Spezialpreis für besonderes Engagement, können Sie hier denn gar nix machen? Haben Sie doch ein Herz, die sind ja sonst ganz traurig!

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