#Brieferl No.49 – Fette Katzen, Radfahrer und arme Hunde

Lieber Cousin Herbert,

tut mir sehr leid, dass ich erst jetzt wieder ein Brieferl schreibe. Sie haben dir sicherlich schon gefehlt, aber ich war in wichtigen Missionen unterwegs. Zum Beispiel für das Frauenvolksbegehren, weil sich doch weder Männer noch Frauen der Basti&Bumsti-Allianz für Frauenanliegen interessieren.

Andererseits müssen wir es realistisch sehen. Für die Anliegen welcher Menschen interessiert ihr euch denn überhaupt? Also außer für die Anliegen der Großkonzerne, deren Steuervermeidung durch das Country-by-Country-Reporting eingedämmt werden könnte, was der Finanzminister aber nicht will. Aber Großkonzerne gelten halt nicht als Menschen.

Hast du das mit dem Energetiker und dem Krankenhaus Nord gelesen? Auch nicht schlecht, oder? Ich finde es auch gut, dass das jetzt herauskommt, so ist das dumme Wahlvolk wieder einmal abgelenkt von Geheimdienstaffären und Sozialabbau. Das ist immerhin skurril und irgendwie witzig. Wenngleich 95.000 Euro auch kein Lercherlschaß sind, wie man in Wien so sagt. Ich habe übrigens auf diesem Gebiet auch außergewöhnliche Fähigkeiten. Ich bin total gut im Tischerlrücken! Ich habe sogar mein eigenes Ouija Brett! Also wenn es Bedarf gibt, du weißt ja, wo du mich findest!

Tischerlrücken ist ja mehr ein Hobby, so wie Voodoo. Aber zum Energetiker kann man sich sogar am Wifi ausbilden lassen! Was es nicht alles gibt.
http://www.wifiwien.at/eshop/bildungsbausteine.aspx?bbnr=61180x&ubb=j

Seit dem Brieferl #7 geht mir die Frage nicht aus dem Kopf, was genau eigentlich das Ziel der Basti&Bumsti-Allianz sein soll? Ich glaube, dabei habe ich einen fundamentalen Denkfehler begangen. Ich war nämlich davon ausgegangen, dass ihr alle in dem Bewusstsein handelt, wirklich und wahrhaftig „Volksvertreter“ im Sinne der repräsentativen Demokratie zu sein. Das ist auch eine wunderbare Idee, an der Umsetzung hapert es halt leider ein wenig. Ich kann verstehen, dass ein Viertel der Österreicher mittlerweile dermaßen angepapperlt sind, so dass sie mit einem „starken Führer“ liebäugeln, der sich nicht um Wahlen und Parlament kümmern muss. Dann hätte man endlich seine Ruhe und wäre wenigstens nicht so frustriert, wenn die gewählten „Volksvertreter“ eh wieder nix von dem machen, was sie eigentlich tun sollten. Und noch weniger von dem, was sie im Wahlkampf versprochen haben.
https://www.sn.at/politik/innenpolitik/demokratie-ist-in-oesterreich-unumstritten-25381591

Es muss gerade für die FPÖ-Wähler besonders niederschmetternd sein, wenn die „soziale“ Heimatpartei nichts anderes tut, als Jobs für die eigenen Leute zu finden und sich keinen Deut um die aktuellen sozialen Probleme schert.

Aber ihr macht das schon gut, man möchte fast sagen perfide. Schnell schnell die eigenen Interessen durchsetzen, in der Hoffnung, dass das dumme Wahlvolk alles bis zur nächsten Wahl schon wieder verdrängt hat. Und natürlich einen Sündenbock ausmachen, auf den es sich leicht hinhacken lässt. Und das sind dann pauschal „.die Ausländer“. Und dann noch einen Sündenbock ausmachen, die „Sozialschmarotzer“ und „Durchschummler“. Ist ja immer gut, wenn man mehrere hat, die herhalten können. Auch wenn es „die Ausländer“ nicht gibt und „Sozialschmarotzer“ und „Durchschummler“ bei einem Verhältnis von 1 freien Arbeitsplatz zu 6 Arbeitssuchenden noch nicht einmal möglich sind.

Aber ich verstehe den Grant der Leute, die wenig verdienen, auf jene, die Sozialleistungen bekommen, die vielleicht gleich hoch sind wie ihr eigenes, schwer erarbeitetes Gehalt. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben: nicht die Sozialleistungen müssen gekürzt werden, sondern man müsste ein ordentliches (Mindest-)Gehalt bekommen, von dem man auch gut leben kann. Egal, welcher Arbeit man nachgeht!

Es gibt ja alle möglichen „Feiertage“. Erst kürzlich hatten wir den Weltfrauentag, du erinnerst dich vielleicht. Aber kennst du auch den „Fat Cat Day“?
Das ist jener Tag im Jahr, an welchem ein Topmanager brutto so viel verdient hat wie ein durchschnittlicher (!!!!) Arbeitnehmer im ganzem Jahr. Von denen, die wirklich wenig verdienen, reden wir hier gar nicht!

Herzliche Gratulation Österreich: im Jahr 2016 war der Fat Cat Day bereits am 8. Jänner (deshalb so spät, weil 1. und 6. Jänner Feiertage sind). Und der Spitzenreiter, Andritz-CEO Wolfgang Leitner, braucht gerade einmal 3 Arbeitstage, um eine fette Katze zu werden. Für ihn, Voest-Chef Wolfgang Eder und Erste-Group-Chef Andreas Treichl war 2018 bereits am 4.Jänner Fat Cat Day.
https://derstandard.at/2000073180358/Vorstandschefs-verdienen-in-sechs-Tagen-das-Jahresgehalt-von-mittleren-Angestellten

Schon irgendwie komisch, dieses Wirtschaftssystem, meinst du nicht auch? Da gibt‘s welche, die Unmengen verdienen und andere, die auch arbeiten und dennoch in die Kategorie „working poor“ fallen. Mir kommt das Grausen!

Aber das wollt ihr nicht überdenken. Vermutlich deshalb, weil so mancher „Volks(ver)treter“ doch eher ein „Radfahrer“ ist, der nach oben hin buckelt und nach unten hin tritt. Und je mehr man andere dazu animiert, beim nach-unten-Treten mitzumachen, desto weniger Zeit und Lust haben diese dann, das Buckeln-nach-oben zu überdenken.

Und so werden lieber die „Österreicher“ gegen die „Nicht-Österreicher“, die „Fleißigen und Anständigen“ gegen die „Sozialschmarotzer und Durchschummler“ ausgespielt. Erinnert mich fast an grausliche Hundekämpfe, bei denen diese armen Geschöpfe aufeinander losgelassen werden, um die Geldgier ihrer Herren zu befriedigen.

Apropos Hunde: warum war gestern die Polizei mit Hunden bei der Demo unterwegs? Ist das jetzt seit Neuestem so üblich?

Warum müssen die Hunde mitkommen? Für die Demonstranten, damit sie wen zum Streicheln haben? Für die Polizisten, damit sie sich beim Anblick der @OMASGEGENRECHTS sicherer fühlen? Oder sollen die armen Hunde gar Schrecken und Angst verbreiten?

Zu guter Letzt möchte ich noch meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass du nicht allzu traurig sein wirst, wenn die @ListePilz morgen einen Misstrauensantrag gegen dich einbringen wird.
https://kurier.at/politik/inland/bvt-affaere-misstrauensantrag-gegen-kickl/314.190.779

Ich habe sicherheitshalber dem @KolbaPeter geschrieben, er möge dem @sebastiankurz ausrichten, dass ich notfalls einspringen würde. Als Innenministerin. Nur für den Fall, dass dem Basti „Kickl“ im Ministerium ausreicht und du das vielleicht nicht mehr sein darfst. Ich habe gleich dazu gesagt, dass ich mich halt nicht ans Regierungsprogramm halten tät. Nur damit es im Vorfeld zu keinen Missverständnissen kommt.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

16 Antworten auf „#Brieferl No.49 – Fette Katzen, Radfahrer und arme Hunde“

  1. Liebe Daniela,

    ich habe mich heute im Bekanntenkreis über Ihren Couseng unterhalten, als gewissenhafter Staatsbürger bin ich naturgemäß sehr an unseren neuen Regierungsmitgliedern interessiert.

    Die Diskussion hat sich dann ins Optische verlagert und wir haben uns angesichts des Höhenunterschiedes Faßmann/Kickl gefragt, wie groß denn nun Ihr Couseng ist. Leider ist jedoch zur Größenangabe von Herbert Kickl im ganzen www keine Auskunft zu erhalten.

    Deshalb meine Bitte an Sie: Wissen Sie, wie groß Ihr Couseng (ungefähr) ist? (Angabe gerne auch in Millimeter.) Für eine grobe Schätzung wäre alternativ auch eine Gewichtsangabe zweckmäßig.

    Vielen Dank im Voraus,
    Markus

    1. Leider kann ich dazu nix beitragen. Bei unserem einzigen bisherigen persönlichen Treffen sind wir beide gesessen, in einem Hörsaal der Uni Wien. Das einzige, was ich als sicher erachte ist, dass ich selbst mit meinen 178,5 Zentimetern wohl größer bin als er. Sollte sich mein Wissensstand ändern, melde ich mich 🙂

        1. Das Leben kann mitunter sehr hart sein, denn die Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen. Und manchmal ist es direkt wohltuend, die unerträglichen Teile der Verwandtschaft kontaktmäßig zu vernachlässigen. Das verhindert in manchen Fällen eine engere Bekanntschaft mit dem Strafrecht weil man dem X oder der Y am liebsten eine reinhauen möchte, mangels persönlichem Kontakt dieser Versuchung kaum anheim fällt.

          Nachdem erwiesen ist, dass man Dummheit nicht aus den Menschen rausprügeln kann, muss die Konflikthygiene durch Zynismus, Ironie und Humor als Ersatz betrieben werden.

          Ich halte es mit Stephane Hessel, der uns alle ermuntert, uns zu empören, wenn wir sehen, was da an der Demokratie gesündigt wird, wie Intrigen auf höchsten Ebenen laufen, wie jeglicher Anstand und Integrität mit Füssen getreten werden, eben alle Fehlentwicklungen, die unsere Regierung uns als den großen Wurf zu verkaufen versucht.

          Empören wir uns, erheben wir uns! Wenn wir es nicht tun, tut es niemand anderer für uns. Oder wollen wir den Dumpfbacken auf der Regierungsbank und deren Günstlingen wirklich unsere Zukunft kampflos überlassen?

  2. Welch eine Freude solche Zeilen zu lesen. Gerade nachdem ich das Buch Populismus für Anfänger gelesen habe. Wir sind gefordert Stellung zu beziehen, auch im Kaffeehaus mit Freunden. Ich freue mich auf das nächste Brieferl!

  3. Wie toll wäre es, wenn Ihre Briefleins die FPÖ Wähler erreichen könnten. Vielleicht tun sie das ja schon, aber in der Krone wird man sie ja leider nicht finden- keine neue Einsicht, trotzdem bedauerlich. Ich wünsche Ihnen viel Publikum.

  4. Ich hab heute den Livestream zur BVT Anfragebeantwortung aus dem Parlament angeschaut.
    Die Antwort von Bundescousin Kickl auf die Rede Kerns hat mir die Zornesadern schwellen lassen. Nicht nur dass er auf Fragen nicht eingegangen ist, hat er in unglaublich angriffiger FP Manier Schuldumkehr betrieben und letztlich diejenigen die Aufklärung in der Sache verlangen, in seiner bekannt polemischen Art beschimpft. Nach Generationen unterirdischer Innenminister von Strasser über Mikl-Leitner bis zu Sobotka dachte ich, dass es eigentlich jetzt besser werden müsste. Wie man sich doch täuschen kann.
    Aber wie schon der Volksmund sagt: Es kommt selten was Besseres nach….

  5. Liebe Daniela!
    vielen Dank für ihre klaren Worte. ich lese ihre Briefe mit vollster Begeisterung, weil sie so offen darstellen, wie es nicht nur das KLEINE-MANN-SYNDROM unseres Hrn. Innenministers beschreibt, sondern auch aufzeigt, wie schlecht es eigentlich um den Hausverstand der Österreicher bestellt ist. Ich freue mich auf das kommende Brieferl.

  6. Alle Achtung,
    Ihre Brieflein fallen für mich unter Zivilcourage. Zu Ihrem Cousin fällt mir nur ein, dass es oft ein übersteigerter Minderwertigkeitskomplex ist, der diese Menschen antreibt.

    Das ist gefährlich, wie man weiß.

  7. Liebe Dani,
    Super, dein Brieferl. Wie immer exzellent.
    Noch so ein Fakt zum Nachdenken: Gestern habe ich beim Durchstöbrn eines QIBB-Berichtes (Schulqualitätssicherungsprogramm) eine Statistik gesehen, in der alle Bundesländer aufgezählt waren und da genauer die BerufsschullehrerInnen mit gesamt, weiblich und männlich. Und nur Zahlen. Ich hab mir die Arbeit angetan, die Ratio von M:W auszurechnen für alle diese Zahlen – einmal nur für Kärnten! Obwohl die Zahlen leicht schwankten, waren es in den Schuljahren 2011/12 bis 15/16 konstant 70:30 Prozent, in anderen Worten: von 10 LehrerInnen waren 7! Männer und nur 3! Frauen. Und das für alle Berufsschullehrerinnen in Kärnten, querbeet. Also auch die Friseurinnen, Einzelhandelskaufleute, MechanikerInnen, TischlerInnen, MaurerInnen, FliesenlegerInnen, MasseurInnen usw. Es kann doch nicht sein, dass es in einer Menge von Gewerblichen und sonstigen Berufen überall mehr Männer als Frauen gibt. Das ist die gendergerechte Aufteilung der guten und lukrativen Jobs im Lande, von denen man dezent gut leben kann.
    PS: Es gibt MechanikermeisterInnen, ich hab eine gesehen beim ÖAMTC letztens.
    LG Brix (vor allem ist der LehrerInnenberuf ein Beruf, der sich gut mit Familie für Alleinerzieherinnen vereinbaren lässt – wegen der Ferien und der Entlohnung warats gwesn.)

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