Lieber Cousin Herbert,
heute bin ich so richtig fuchsteufelswild. Und du kannst noch nicht mal einmal etwas dafür. Auch nicht der Basti oder der Bumsti oder die KHB, die sonst stets für ein hohes Blutdrucklevel sorgen.
Nein, heute sind es die, die meinen, Gutes zu tun und das aber so dermaßen schlecht machen, dass es noch nicht einmal einer Sau graust.
Unlängst habe ich mir wieder “American Crime Story – The People v. O. J. Simpson“ angeschaut. Ein tragisches wie reales Lehrstück, wie man positive Entwicklungen so dermaßen missbrauchen kann, dass Nachgeschmack und Konsequenzen mehr als bitter sind.
Ein kurzer Abriss: O.J. Simpson, ein schwarzer Schauspieler mit Football-Star-Vergangenheit wurde 1995 in seiner Heimat Kalifornien verdächtigt, seine Exfrau Nicole Brown Simpson und deren Freund Ronald Goldman ermordet zu haben.
Sämtliche Beweise legten nahe, dass O.J. Simpson tatsächlich der Mörder war und so kam es zum Strafprozess. Erinnerst du dich auch an die Live-Bilder im Fernsehen? Von der Jagd nach dem weißen Ford Bronco bis hin zum Prozess selbst?
Simpson hatte eine kleine Armada an Verteidigern, die von Robert Shapiro angeführt wurde. Solltest du dich übrigens auch jemals gefragt haben, warum diese Kardashians eigentlich so berühmt sind – Robert Kardashian, der Vater der heutigen “Stars“ war als O.J.s Freund und Anwalt ebenfalls mit von der Partie.

Ich stimme mit ihnen völlig überein, diese Sprachmorslisten sollten sich mit wichtigerem beschäftigen! Ich esse weiterhin den Moor im Hemd ohne das ich jemand diskriminiere!!! Diskriminierend ist nur wer schlecht denkt- Danke fürs Brieferl💕🌻
Liebe Daniela, das ist Ihnen wieder ein ganz hervorragender Artikel aus der Feder geflossen, beziehungsweise haben Sie die Tasten Ihres PC ganz virtuos bespielt. Ihn, diesen Artikel, grandios zu nennen, käme einer maßlosen Untertreibung gleich. Ihrem Blog sollte noch viel mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden. Gerade die von Ihrem Cousin, dem BIAZ so verfolgten Blätter, in erster Linie, Standard und Falter, würden sich aus meiner Sicht dafür ideal anbieten. Mit herzlichen Grüßen aus Prag Wolfgang
Der Duden ist, wie alle Wörterbücher, ein Produkt der Gesellschaft. Er ist nicht „neutral“. Wie alles andere wird er gemacht und kann auch Rassismus reproduzieren. Definitionen bleiben nicht über die Zeit gleich. In älteren Auflagen des Duden finden sich bestimmt auch Dinge, mit denen Sie auch nicht mitgehen. Andere Nachschlagewerke definieren Wörter auch unterschiedlich. So kommt das Cambridge Dictionary (ja, ich weiß, auf englisch) bei der Definition von „exotic“ ohne das Beispiel von „exotischen Menschen“ aus, obwohl die englische Sprache auch eine lange Geschichte dieser Verwendung hat.
Was ich sagen will: Das Wörterbuch hat nicht immer zu 100% recht. Außerdem ist es sehr, sehr verkürzt, bei komplexen Diskussionen ausschließlich eng auf die Wörterbuchdefinition hinzuweisen.
Ich erlaube mir in diesem Zusammenhang auf:
„Erwachsenensprache: Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur“ von Robert Pfaller zu verweisen.
Ja, den kenne ich. Ich hatte auf ihn in meinem Userkommentar verwiesen.Auf Twitter hatte ich dann von der anderen Seite zu lesen bekommen, dass der Herr Pfaller ein Trottel sei und das sowieso alles nicht stimmt.
https://derstandard.at/2000085791360/Eine-Fluchtmoeglichkeit-aus-der-Genervt-sein-Schleife
Mir gefällt Ihr Beitrag, wie immer, sehr gut, auch wenn ich diesmal nicht mit allem übereinstimme. Sprache schafft Realität. Somit ist es wichtig, was wir aussprechen, weil aus dem – oft genug wiederholt – Realität werden kann. Doch wie überall: Extreme tun nie gut und gehen nach hinten los! Ich genieße auch immer noch den Moor im Hemd, aber ich spreche sicher von Farbigen und – seit ich weiß woher das kommt – lasse nichts mehr „unter den Rost fallen“.
In jedem Fall: danke für die Brieferln. Sie sind unterhaltsam informativ und erleichternd kritisch.
Das einzig traurige ist eigentlich, dass die Linke es nicht schafft vereint aufzutreten und so eine starke Front gegen die aktuellen Misstände zu bilden. Protagonismus-Hascherei und „Wer ist politisch korrekter“ werden uns nicht dabei helfen die wirklich gefährlichen (oder gruseligen) Bumstis, Bastis und Co in die Schranken zu weisen.
Radikalisierung kann nie positiv sein, egal auf welcher Seite.
Liebe Dani,
Der OJ hat niemals wieder einen Job als Schauspieler bekommen, auch sonst keinen. Er wurde gesackt. Und als er dann auch noch ein berufsmäßiger Verbrecher wurde und einen seiner Kontrahenten beraubte, wurde er endgültig weggesperrt. In den USA kriegt man für Raub gleich mal 30 Jahre oder so. Ich hab zwar die Quellen nicht genau recherchiert, aber diese Meldung habe ich gelesen. Die Gerichte haben ihn erwischt, wenn auch nicht für den Mord. Al Capone haben sie auch wegen Steuerhinterziehung erwischt, nicht wegen Massenmordes. Die Welt ist so ungerecht.
Deine Freundin Brix
Liebe Daniela K !
Danke für dieses ebenso wie die vielen anderen Brieferln. Dieses ist anders. Natürlich ist die Verwendung von „exotisch“ nicht rassistisch! Wenn da KHB-BHK und Freunde den exotischen Namen von Ali verwendet haben, dann ist diese _Verwendung_ rassistisch, nicht aber unbedingt die Tatsache, dass der Name für uns exotisch klingen möge.
Hier können die Moralapostel leider nicht mit der mathematischen Logik umgehen. Beides kann nebeneinander in verschiedener Verbindung (exotisches Fremdwort: in verschiedenem Kontext) auftreten.
Drehen wir die Sache einmal um:
wenn ein Angehöriger des Volkes der Shuar aus dem Regenwald in Ecuador mich Österreicher, meinen Namen und meine Verhaltensweisen als exotisch betrachtet,
werde ich das völlig verstehen und natürlich nicht als umgekehrt rassistisch sehen.
Wenn ein Bewohner des US-Midwestens nicht genau weiß, wo Österreich liegt und es als exotisches Land sieht, so werde ich dies seiner (landesüblichen… :
ist das jetzt von mir rassistisch gedacht?) Borniertheit zuschreiben.
Wenn ein Herr aus Flensburg findet, diese niedlichen Ösis hätten so einen exotischen Dialekt den man kaum noch als Deutsch erkennt, dann werde ich genervt sein,
ihn aber nicht als Rassisten betrachten (und vielleicht ist es von _mir_ rassistisch, wenn ich denke „schon wieder so ein Piefke“).
Jetzt hab ich aber noch ein anderes Beispiel, wo leider leider „exotisch“ mit „rassistisch“ überlagert ist, und dieses Beispiel soll man auch nicht aus
pro-DK-Korrektheit verschweigen: Lumumba.
Seit Jahrzehnten heißt in vielen österreichischen Gaststätten ein Kakao mit Rum so (in anderen heißt er „Mozart“). Woher kommt der Name ? In den 1960er
Jahren , als der Nachrichtenfluss noch viel eingeschränkter war, hörte man von der Kongokrise und dem Namen Lumumba – so wohlklingend _exotisch_ und bestens geeignet für ein Getränk mit brauner _Negerfarbe_
Ohne Reflexion wurde das in die Speisekarten eingebaut.
Wer war Patrice Lumumba ?
https://de.wikipedia.org/wiki/Patrice_Lumumba
Der erste und einzige demokratisch gewählte Ministerpräsident des Kongo. Bei der Unabhängigkeitsfeier seines Landes hatte er dem belgischen König widersprochen, was die „zivilsatorischen Leistungen“ der scheidenden
Kolonialmacht betraf. Zu diesen „Leistungen“ siehe
https://en.wikipedia.org/wiki/King_Leopold's_Ghost
In der Folge wurde Lumumba im Zusammenspiel des belgischen Geheimdienstes mit dem CIA den Schergen des späteren Diktators Mobutu überlassen und von diesen ermordet.
Aber damals klang der _exotische_ Name in österreichischen Ohren so schön.
Dass die Bezeichnung des Kakaogetränks bis heute ihren Namen beibehalten hat, ist ein Fall wo bornierte Unwissenheit, Exotik und Rassismus fast deckungsgleich sind.
Und noch schlimmer: bis heute gibt es die Lumumba Faschingsgilde Gröbming.
http://www.lumumba.at/chronik
Denen habe ich vor mehreren Jahren geschrieben und eine „betroffene“ Antwort erhalten, Folgen: keine. Dort sind leider die 3 obigen Dinge ganz deckungsgleich!
(Was zu wünschen wäre: nicht eine Umbenennung des Getränks, sondern ein Hinweis auf jeder solchen Speisekarte, ebenso einer auf der Webseite der Gilde.)
Jedenfalls: vielen Dank für das Nachdenk-Brieferl zum Thema „exotisch“, und ich freue mich auf viele weitere Brieferln.
Ich war übrigens mal auf Rhodos und habe liebend gerne den Lumumba dort getrunken 🙂 Die herkunft kannte ich nicht – vielen Dank!
Also, „negro“ ist spanisch und bedeutet „schwarz“. Da liegt die Bedeutung von Neger = Schwarzer doch nahe….
Ich liebe Ihre Brieferln!
Dankeschön
Mir gefällt vor allem, dass die hier anwesenden Sprachexperten (egal aus welchem Lager) allesamt „Torferde im Hemd“ fressen (es heißt Mohr, nicht Moor) und dabei nichts „UNTER den Rost“ fallen lassen…..heiliger Bimbam, dein Tiergarten ist unermesslich!