#Brieferl No.150 – Brösel im harmonischen Paradies

Lieber Cousin Herbert,

es scheint, leider leider, die eine oder andere Unstimmigkeit zu geben. “Wickl“ würden die Einen sagen, “Brösel“ es die Anderen nennen.

Da Österreich auch das Land der Bröselteppichverzehrer = Schnitzelesser ist, bevorzuge ich die Brösel.

Brösel No.1 – Eine Klarstellung für Herbie K.

Hast du dich in Wahrheit recht gegiftet, als der BMVRDJ (der Bundesminister für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz) eine Pressemitteilung verschickt hat, in der steht, dass das mit der “Kündigung der Verträge mit den Hilfsorganisationen“ so nix wird?

Die (fast bin ich versucht “ehemalige“ sagen, lasse es aber noch) Basti&Bumsti –Prawda, also Kronenzeitung, titelte “Fetzen fliegen zwischen Innen- und Justizressort“.

Das hat mir sehr gut gefallen, weshalb ich ihnen vielleicht die “Prawda“ irgendwann wieder aberkennen muss. Aber dazu braucht es freilich noch mehr und vor allem über einen längeren Zeitraum.

Ja, ich weiß. Du hast bei der Pressekonferenz gestern gesagt, ihr beiden Minister wärt “weder in der Textil- noch in der Reinigungsbranche“, weshalb es keine Fetzen geben könne. Diese Stellungnahme ist an Kreativität kaum zu überbieten.

Es ist schon blöd, dass sich die ganze Hetzerei gegen die Caritas nun doch nicht ausgezahlt hat. Noch nicht zumindest.

Brösel No.2 – Die Geschäfte des Gottfried W.

Wir kennen ihn ja eher wegen der migrantischen Hunde oder von der Stacheldrahtcausa. Aber der Landesrat ist fast so ein Tausendsassa wie Harald Mahrer und ein Gottfried-Dampf-in-vielen-Gassen.

Ich finde es ja schade, dass er die Anfragen seitens des Profil wegen der “fragwürdigen Geschäfte“ nicht beantwortet hat.

Aber ich glaube dem Profil freilich sofort, kann ich doch aus eigener, leidvoller Erfahrung berichten, dass mein Mail betreffend des migrantischen Pferdevorfalls vom 29. Juli 2018 (!) bis heute ebenfalls unbeantwortet geblieben ist.

Brösel No.3 – Die völlige Verachtung des Basti K.

Endlich musste Österreich die EU-Ratspräsidentschaft wieder abgeben. Mir hat die Analyse der Süddeutschen Zeitung besonders gut gefallen:

“Als Tiefpunkt der EU-Präsidentschaft darf aber die Absage Österreichs an den UN-Migrationspakt gelten. Denn die Regierung in Wien, die noch an der Ausarbeitung des Pakts konstruktiv beteiligt war, hat hier ihre EU-Rolle vom innenpolitischen Populismus überwuchern lassen.“

“Sie (Anm: die Regierung) hat sich damit nicht als Brückenbauer gezeigt, wie das Kanzler Kurz stets gern verspricht, sondern im Gegenteil: als Spalter.“

Man möchat sich genieren, wenn‘s nicht so peinlich wäre.

Nun hat Rumänien die Ratspräsidentschaft übernommen. Danke danke an die neue Basti&Bumsti-Iswestija, also den Kurier, die uns über eine Stadt in Rumänien als “Schweinestall Europas“ informiert hat!

Da betrachtet man doch die Aussage der rumänischen EU-Abgeordneten Maria Grapini gleich in einem ganz anderen Licht. Frau Grapini hat vermutlich nichts als “Brösel streuen“ im Sinn gehabt, als sie erzählte, Kurz habe es bei seinem Besuch in Bukarest

„in völliger Verachtung vorgezogen, uns zu drohen, dass österreichische Unternehmen Rumänien verlassen werden, wenn der Regierungserlass umgesetzt wird.“

Um die Bankensteuer ging es dabei.

Vielleicht war unser Basti auch nur ein wenig angepapperlt ob der drohenden Bröselwelle, die möglicherweise seitens der EU auf Österreich zukommt. Wegen der indexierten Familienbeihilfe und den daraus resultierenden Streitigkeiten, die womöglich vor dem EuGH enden werden.

 

Übrigens wurde heute vor 2 Jahren “Fat Cat Day“ gefeiert. Leider weiß ich nicht, ob die Feierlichkeiten auch dieses Jahr wieder auf den 8. Jänner fallen oder wir ihn gar verpasst haben.

Du weißt schon, das ist jener Tag, an dem die Topmanager eines Landes so viel verdienen wie der durchschnittliche (!) Arbeitnehmer pro jahr.

Na ja, Feiertag bleibt Feiertag. Wenngleich ich das Gefühl habe, dass die unterstützenden Maßnahmen der Regierung zur Vorverlegung des Feiertages noch jede Menge Brösel einbringen werden.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

9 Antworten auf „#Brieferl No.150 – Brösel im harmonischen Paradies“

  1. Liebe Daniela! Sie sprechen mir aus der Seele! Ich hoffe diese Alptraumregierung ist bald Geschichte! Egal wer sie zu Sturz bringt- ich ziehe meinen Hut 🎩 und rede mit dem Mund fusselig in meinem Umfeld!! Danke

  2. Liebe Frau Kikl,
    gespannt hab‘ ich auf’s neue Brieferl gewartet und es soeben miit Vergnügen visuell inhaliert.
    Unser zukünftiger Ex-Innenminister hat sich schon zu Haider’s Zeiten als wahrer Meister des Bröselreibens (Adamovic & Co) ausgezeichnet.
    Enttäuschend finde ich die inszenierte Pseudoharmonie mit dem Justizresort, schließlich wäre im Geiste seiner Gesinnungsgenossen doch Mensur und Schmiss die adäquaten Mittel zur Konfliktregelung mit seinem Antagonisten. Falls demnächst ein Medienauftritt mit Gesichtsverband stattfinden sollte, wäre ihm tosender Applaus seiner Gefolgschaft sicher. Zudem würde der Verbandsfetzenkopf für ein rundes Gesamterscheinungsbild sorgen.

  3. Danke, liebe Daniela
    (Verzeihung, muss Sie mit dem Vornamen anreden, auch wenn wir uns nicht persönlich kennen, aber ich kann wirklich nicht schreiben „Liebe Frau Ki …“ – nö, geht nicht.)
    Das Brieferl ist wieder erstklassig, jetzt werde ich mich durch die Links „beißen“.
    Bitte bitte, bleiben Sie am Ball. Wir brauchen Ihre Satire zum Überleben 😉

  4. Wieder ein fantastisches Brieferl und punktgenaue Analyse! Ich muss ja zugeben, dass ich auf Ihren Herrn Cousin schön langsam richtig sauer werde. Stellte sich doch gestern bei einer Diskussion heraus, dass ihn ein mir sehr nahestehenden Mensch verteidigt, weil Herbie wenigstens mit dem Saustall aufräumt! Also wer meinen Lieben das Hirn vergiftet, kriegt mit mir massive Probleme! Mein Beileid Frau Kickl, zu dieser Verwandtschaft. Machen Sie bitte so weiter.

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