#Brieferl No.139– Das Bananenparlament

Lieber Cousin Herbert,

endlich kann ich nach einer Woche wieder ein Brieferl schreiben.
Ich hoffe, du freust dich, wenngleich ich den Eindruck habe, dass du mir nicht so wohlgesonnen bist wie ich dir. Sonst hättest du wohl nicht so schnell das Weite gesucht, als ich dich diesen Mittwoch in der Nähe der Cafeteria im Parlament ausgemacht hatte.
Das ist natürlich der Vorteil eines Triathleten. Da kann man schon flott und dringlich zur nächsten Anfrage tschörteln. Ist ja auch irgendwie suboptimal, einen sogar vom Bundesheer “entorderten“ Rechtsextremen aus dem Umfeld Gottfried Küssels zu beschäftigen, und das auch noch im BVT-Untersuchungsausschuß.

Es sind jedenfalls nicht alle so humorbefreit wie du. Wenngleich das Video mit dem Räderwechsel, der lediglich ein Reifenwechsel war, schon ausnehmend lustig gewesen ist. Und da hast du doch auch mitgemacht.

Vielleicht haben sie dir das Video vor der Veröffentlichung nicht gezeigt und es ist quasi durchgerutscht. So wie das Ali-missbraucht-die-ECard-Video, für das auch keiner verantwortlich sein wollte. Wenigstens war die SMS wirklich ein Irrläufer bzw. ein Vertippsler vom Witzekanzler, in der er hilfesuchend um Meinungen zu „Wie sollen wir einen 4. Direktor argumentieren, wenn dieser keine Arbeit mehr hat?“ gebeten hatte.

https://derstandard.at/2000091449332/Pechvogel-Strache

Zufälligerweise habe ich dazu eine witzige Studie aus dem Jahr 2002 gefunden.

Die Frage lautete: „Es wird ja den Parteien in unterschiedlichem Ausmaß zugetraut, dass sie sich beziehungsweise ihren Parteifreunden Posten zukommen lassen. Welche Parteien tun das intensiv, welche manchmal und welche eher weniger bis gar nicht?“

“39 Prozent trauen der FPÖ intensive Verwicklung
in Postenschacher zu“

Na bitte. Da sage noch einer, die Österreicherinnen und Österreicher hätten keine Visionen.

Ich durfte viele Abgeordnete letzten Freitag, 16. November und eben am Mittwoch, 21. November kennenlernen. Einige waren zu beschäftigt, als über einen Handschlag hinaus Zeit mit mir zu verplempern. Mit anderen wiederum habe ich zwar immer relativ kurze, aber dennoch sehr nette und interessante Unterhaltungen können.

Die Martha Bißmann hatte mich als Gast eingeladen (ich schreibe das, damit du den Schuldigen nicht selbst mühsam ausmachen musst) und mir den Einblick in ihre und die Parlamentsarbeit generell ermöglicht.

Mit dem Präsident Sobotka konnte ich die neuen, exemplarisch ausgestellten Bänke und Stühle austesten, Efgani Dönmez ist lustiger Kerl, mit dem ich seine Tweetcausa besprochen habe und die Herren Andreas Kollross, Mario Lindner und Philip Kucher von der SPÖ waren sowieso besonders nett und entzückend. Das sind Abgeordnete, wie man sich das als Staatsbürgerin vorstellt.

Mit Dr. Noll, meinem gebildeten Helden der Klugheit und Eloquenz, habe ich darüber diskutiert, ob es Leute in Nationalrat wie Regierung gibt, deren Qualifikation am ersten Blick nicht ganz so erkennbar ist.

Jedenfalls braucht man sich nicht zu wundern, wenn großartige Gesetze beispielsweise vom EuGH gekippt werden, wie es bei den Kürzungen der Mindestsicherung für befristete Asylberechtigte in Oberösterreich der Fall ist.

Wenn sich Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn, Bulgarien, Litauen und Slowenien bei der EU-Kommission wegen der Indexierung der Kinderbeihilfe beschweren, brauchen wir uns auch nicht wundern. Wundert sich der Basti eigentlich, dass die Freundschaft mit Ungarn wegen des schnöden Mammons doch nicht so flutscht, wie erhofft?

In der Parlaments-Cafeteria habe ich übrigens Parteikollegen von dir getroffen, die nicht zufällig dringend irgendwohin mussten. Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, den Johann Gudenus persönlich zu begrüßen. Und sieh an, er war freundlich und höflich, sogar irgendwie witzig. Ein kurze persönliche Begegnung der erfreulichen Art, weil man doch auch über alle vorhandenen Differenzen einfach normal agieren kann. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob der überraschend positive Eindruck auf mich auch gehalten hätte, wenn wir annähernd in ein richtiges Gespräch gekommen wären.

Mit dem Christian Höbart konnte ich länger diskutieren. Wir sind zwar auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen (hätte mich auch gewundert), aber dennoch haben wir uns gut verstanden.
So wie ich mich auch mit dem Gerald Loacker persönlich gut verstanden habe, wenngleich ich oftmals mit ihm auf Twitter ob unserer divergierenden Ansichten regelrecht streite.

Man kann also, wenn man will, zwischenmenschlich durchaus normal agieren. Wobei selbst mein gewisses Harmoniebedürfnis, das kombiniert ist mit einer schier unendlichen Gier nach Neuem betreffend Leben, Universum und Allem, in Walter Rosenkranz seine Grenze gefunden hat. Dieser hatte auf mich eine dermaßen unsympathische, ungute Ausstrahlung, dass ich trotz mehrerer Begegnungen nicht auf ihn zugegangen bin.

Der Basti wirkt in Natura übrigens noch aalglatter als im Fernsehen. Da braucht man sich wirklich und wahrhaftig nicht mehr zu wundern, was alles geht.

Wie zum Beispiel, dass Österreich im Zivilgesellschaftsrating herabgestuft wurde, und zwar konkret von “offen“ auf “eingeengt“. Diese Gefühl der Einengung ist also nicht mehr rein subjektive Wahrnehmung, sondern manifest.

Da passt auch die Einengung der Demokratie an sich gut dazu. “Koalition beginnt Reform der Sozialversicherung ohne Gesetz umzusetzen“ wurde berichtet. Eh wurscht. Was braucht es schon Gesetze, wenn es durch ein Hintertürl auch geht.

Na schau ma mal, wie lange der Nationalrat und das Parlament in dieser Form noch bestehen werden. Gut, dass ich dort war, als das noch möglich war. Ob irgendwer schon dabei ist, die Regelungen für Besucher zu ändern?
Soweit ich weiß, sind nämlich Besucher im Bananenparlament von Schasklappersdorf eher unerwünscht. Ob Bananenrepubliken eigentlich ihre Bezeichnung wirklich wegen der entsprechenden Exporte bekommen haben oder doch eher, weil dann Affenartige im Parlament regieren?

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

4 Antworten auf „#Brieferl No.139– Das Bananenparlament“

    1. liebe daniela kickl. sie sprechen mir aus der seele. ich hab scho so an zorn auf diese nichtsnutzige regierung. zum kotzen. dreist dumm und unverschämt. mein 3. pensionsverfahren wird nun von der AK eingeklagt. ich bin krank. das is denen egal. für nix und wieder nix werde ich von versicherungsanstalten gedemütigt, nicht angehört, gefoppt. obwohl ich immer gearbeitet, 2 kinder alleine großgezogen habe bekomme ich irgendwann 870 euro pension… teilzeit bringt halt ned viel. und die 18 vollen jährchen rechnen sich nicht. kinderbetreuung gab es am land sowieso nicht. damit bin ich eine frau von vielen.. das ist dem bundesstudienabbrecher sowas von egal. von den blauen red i erst gar ned. den wirtschaftsbonzen und konzernen wird das geld nachgeschmissen. hauptsache die regierung nimmt den kleinen alles weg was die sich mühsamst erarbeitet haben. die gebens ja her. das ist menschenunwürdig um nicht zu sagen kriminell.

  1. Der Rosenkranz – so Anfangs der 70er hätten ihn meine Freunde und ich als „UNGUTEN BUTLER“ eingestuft!
    Das war so eine lokale Sprache im Ybbstal, speziell in der Schulstadt Waidhofen/Ybbs. Sogar der Herr Parlamentspräsident müsste diesen Ausdruck kennen !

  2. Der Herr Rosenkranz! So in den 70ern hätten meine Freunde und ich ihn in die Kategorie „UNGUTER BUTLER“ eingestuft. Das war so die Sprache in der Schulstadt Waidhofen/Ybbs. Dem Herrn Parlamentspräsidenten dürfte dieser Ausdruck auch noch geläufig sein….

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