#Brieferl No.202 – Goaschtig




Lieber Cousin Herbert,

du weißt es selbst sicherlich am besten: die Goaschtigen (garstig: unfreundlich, ungezogen) sind, ebenso wie die Depperten, immer und überall. Was ich diese Woche an Goaschtigkeiten erleben musste, war nicht mehr feierlich.

Die goaschtige Reporterin

Da war der Basti am Dienstag im “Report“ bei Susanne Schnabl zu Gast. Meine Güte, die Frau Schnabl ist vielleicht eine goaschtige Person. Sie hatte es doch tatsächlich gewagt, seine Kürzlichkeit genauer wegen der nicht so ganz akkurat ausgewiesenen Spenden zu befragen.

Dass der arme Basti naturgemäß eine derartige Goaschtigkeit nicht auf sich sitzen lassen kann, war klar.

“Was mich nur wundert. Warum ist das ein Thema, dass für Sie so problematisch wirkt? … Sobald Spenden an die ÖVP gehen, ist das ein Problem. Ich glaub, Sie sollten nicht den Fehler machen zu unterscheiden zwischen guten Spenden an Van der Bellen, Irmgard Griss oder die Neos und bösen Spenden, sobald sie an die ÖVP gehen.“

Der goaschtige Basti

Der Basti selbst war aber auch ziemlich goaschtig! Na wirklich und ernsthaft! Da holt er dich zuerst in seine Regierung, was eh schon jeden zumindest wundert. Dann lässt er dich schalten und walten, ohne dich auch nur ein einziges Mal irgendwie zu kritisieren. Also zumindest nicht öffentlich.

Nur das eine Mal hatte er den Du-Du-Finger gegen dich erhoben. Sicherheitshalber telefonisch. Du erinnerst dich sicher, als du im Jänner „Ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht“ von dir gegeben hattest.

Ha! Das war auch im “Report“! Auch bei der Susanne Schnabl! Diese goaschtige Person hatte sicherlich auch dich in eine Falle gelockt mit ihrer penetranten Fragerei!

Aber zurück zu seiner Kürzlichkeit. Er hat jetzt explizit gesagt, dass er DICH NICHT mehr als INNENMINISTER haben will! Warum? Weil er dich plötzlich für diese Aufgabe als nicht geeignet erachtet!

Geht‘s noch goaschtiger? Ich glaube nicht! Zuerst Eitel, Wonne, Sonnenschein und Harmonie, dann hat‘s nach dem Ibiza-Video geheißen, du musst auch gehen, obwohl doch nur Bumsti und Joschi gehen sollten. Und jetzt will dich auch nimmer in der nächsten (Minderheits-)Regierung haben, von der er phantasiert!

Der goaschtige Anwalt

Am Mittwoch hat seine Kürzlichkeit bei Corinna Milborn auf Puls4 fröhlich vor sich hin geplappert. Auch zur Herkunft des Ibiza-Videos. Hier ein Auszug:

Kürzlichkeit: “Wenn Sie die Indizien zusammenfügen, die da im Moment ja mittlerweile bekannt sind … Man weiß, welcher Rechtsanwalt dieses Video anscheinend koordiniert hat, man weiß, in welcher Kanzlei der früher gearbeitet hat …“

Milborn: “Und zwar?“

Kürzlichkeit: “Der war früher tätig in der Rechtsanwaltskanzlei Lansky, die auch die SPÖ-nahe Kanzlei ist. Man weiß, für welche Personen die Detektive und andere da früher mal tätig waren. [….] Die Kanzlei, die es angeblich verkauft hat, die Kanzlei Lansky, ist eine sehr SPÖ-nahe Kanzlei, wie wir wissen, also ich glaube, wenn man da alle Puzzleteile zusammenführt, dann weiß man schon, aus welcher Ecke dieses Video kommt.“

Milborn: “Und zwar?“

Kürzlichkeit: “Na ja, das sind lauter Personen, die irgendwie im Umfeld der SPÖ sind, oder?“

Der Anwalt Gabriel Lansky sieht die Aussagen seiner Kürzlichkeit ein wenig unlocker.

“Lansky selbst hatte die Vorwürfe am Mittwoch als ‘völlig absurd‘ und ‘frei erfunden‘ bezeichnet. Wer die Kanzlei in Verbindung mit dem Video bringe, werde geklagt, sagte der Anwalt der APA. Laut ‘Tiroler Tageszeitung‘ plant Lansky nun tatsächlich eine Klage gegen Kurz.“

Schon goaschtig, dieser Anwalt, findest du nicht. Es macht den Eindruck, als sei er noch nicht ganz davon überzeugt, dass einzig der Basti-Heiland der wahre Erlöser ist.

Aber du selbst scheinst ja auch nicht besser zu sein.

Der goaschtige Herbert

Anstatt dem armen Basti den Rücken zu stärken, moralisch und später vielleicht auch in der von ihm präferierten Minderheitsregierung, bist auch du auf der renitenten Seite (zumindest jetzt gerade, wer weiß, was nach den Wahlen sein wird). Und sagst auch noch explizit, dass du NICHT im “Sebastian-Kurz-Anbetungsverein“ bist.

Ich bin mir nicht sicher, ob das mittlerweile nicht meldewürdig ist. Immerhin hatte doch der Karl Nehammer, seines Zeichens Generalsekretär der ÖVP, am 18. Juni auf Facebook dazu aufgerufen, verdächtige Inhalte im Internet, die die Volkspartei oder Sebastian Kurz diskreditieren, unverzüglich zu melden.

Hmmmmm? Nicht im Sebastian-Kurz-Anbetungsverein sein zu wollen, fällt vermutlich unter Insubordination. Zumindest ist es total goaschtig.

Die Gaoschtigen vom BVT

Am allerallerallergoaschtigsten sind eigentlich alle, ausgenommen die FPÖ. Weil nämlich alle Parlamentsfraktionen (eben ausgenommen der blauen Deinigen) nur Einen sehen, der für das ganze Gfrett mit dem BVT verantwortlich ist: DICH!

Wie goaschtig kann man sein, frag ich dich!? Anstatt deine Verdienste als Kurzzeit-Innenminister hinsichtlich konzentrierter Lager, der längst überfälligen Diskussion hinsichtlich des Verhältnisses von Recht und Politik und für die endlich vielen Abschiebungen zu sehen, sind sie so goaschtig zu dir!

Ja, so ist sie, diese Welt. Die Goaschtigen sind immer und überall. So wie jene, die wegen jeder kleinen Goaschtigkeit beleidigt sind und sich zu Opfern der Goaschtigkeit stilisieren. Das wird uns noch auf den Kopf fallen, dieses Opfer-Getue, das prophezeie ich dir.

Apropos Prophezeiung: Kannst du dich an das “Brieferl No.108 – Läuft alles wie geschmiert“ erinnern?

“Ich glaube, die gesamte FPÖ muss aufpassen, wenn ich dich da mal warnen darf. Der Basti wird vor nix zurückschrecken und euch alle wie heiße Kartoffeln fallen lassen, wenn es ihm in den Kram passt, das prophezeie ich dir.“

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

2 Antworten auf „#Brieferl No.202 – Goaschtig“

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