#Brieferl No.104 – Mit dem Schwulen-Radar für mehr Regierungsspeck

Lieber Cousin Herbert,

du hast es wahrlich nicht leicht. Die renitente Opposition geht jetzt zum Verfassungsgericht, weil angeblich die Akten zur Causa BVT unvollständig oder zu Unrecht geschwärzt wurden.

Haben das die Mitarbeiter im Innenministerium eigentlich alleine hinbekommen oder hatten sie professionelle Hilfe? Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Udo Landbauer dank seiner Erfahrungen mit geschwärzten Liederbüchern diesbezüglich wertvoll wäre. Auch im Sinne einer Beschäftigungstherapie, bis er bald als „Spitze des Landtagsklubs“ in Niederösterreich wieder in Amt und Würden ist.

Die KHB (nicht zu verwechseln mit dem schönen KHG) hat mir auch wieder besonders gut gefallen. Endlich jemand, der ein “Fitnessprogramm gegen den Verwaltungsspeck“ erstellt hat und die AUVA zum Sparen zwingt.

430 Millionen sollen insgesamt eingespart werden. Wie genau ist zwar noch nicht geklärt, aber das macht ja nix. Hauptsache, es wird gespart!

Weil ich doch immer helfen möchte, habe ich auch ein paar klitzekleine Vorschläge zum Sparen. Also von der berittenen Polizei, den Sturmgewehren und dem neuen Fuhrpark mal abgesehen. Im Brieferl No. 70 hatte ich die Kosten für die Sonderbudgets und die persönlichen Berater aufgelistet.

Das sind übrigens insgesamt 63,4 Millionen – pro Jahr! Weiteres Einsparungspotenzial sehe ich auch noch bei den nicht ausgeschriebenen Posten der Generalsekretäre und diesem “Think Austria“.

Was man nicht alles (nicht nur an Geld) einsparen könnte, wenn man nur wollte!

Na macht ja nix. Pririotäten müssen gesetzt werden. Vor allem kann man die Leute relativ leicht einlullen, weil sie doch manche Sachen derart gewohnt sind, dass sie diese für selbstverständlich und unantastbar halten. Oder wie es Rainer Hawlicek, der Betriebsratsvorsitzende der AUVA formuliert hat:

“Ich habe festgestellt in letzter Zeit, dass die Menschen oft nicht wissen, was diese Sozialversicherung für sie leistet. Sie sind damit groß geworden, es ist selbstverständlich, dass die Leistungen die sind, die es heute gibt und das kann eigentlich auch nicht wegkommen. Und ich kann euch eines Besseren belehren. Es geht relativ einfach, dass das alles zumindest massiv verschlechtert wird. Und kein Mensch, der ein Herz für ein soziales Österreich hat, kann dem zustimmen.“

Auf der Internetseite deines Mininisteriums habe ich übrigens eine tolle Studienserie gefunden, die jetzt zur Ausschreibung steht: SUSI 5.
SUSI steht für “Subjektive Sicherheit in Österreich“ und da kann man sich bewerben, diese Studie durchzuführen.
https://www.auftrag.at/eTender.aspx?id=75E1F1F1-2248-4765-828A-C3EF56A2059B&action=show

Neugierig wie ich bin, habe ich mir die Leistungsbeschreibung näher angeschaut.

“Ausgewählte Städte, Bezirke und Stadtpolizeikommanden in Wien:
Wien: 14., 15. und 16. Bezirk und 22. Bezirk, Mödling, Güssing, Graz, Villach, Schärding, Innsbruck, Dornbirn, St. Johann/Pongau“

Warum werden denn vier Wiener Bezirke vorgegeben? Und warum gerade diese?

“Der Fragebogen wird vom AUFTRAGGEBER ausgearbeitet
und nach Zuschlag vorgelegt.“

Das finde ich ja sehr interessant. Wie hat man sich denn den Fragebogen seitens des AUFTRAGGEBERS vorzustellen?

  • Sind Sie eh auch der Ansicht, dass Sie dank der hervorragenden Arbeit des Innenministers jetzt besser schlafen können?
  •  Sind Sie eh auch der Ansicht, dass Polizeipferderln nicht nur Sympathieträger sind, sondern Ihnen auch mehr Sicherheit garantieren?
  • Sind Sie eh auch der Ansicht, dass nur Abschiebungen Ihnen ein erhöhtes Gefühl der Sicherheit geben?

Apropos Abschiebungen: wir dürfen alle wieder so richtig stolz sein, werden wir doch neuerdings gerne von unserem Lieblingsnachbarn in diversen Zeitungen erwähnt.

Zum einen berichten sie über die Charterfolge unseres Wolferl.
http://www.bento.de/today/oesterreicher-bringen-aus-protest-gegen-fpoe-alten-hit-schifoan-von-wolfgang-ambros-in-die-charts-2730897/
https://www.deutschlandfunkkultur.de/saenger-wolfgang-ambros-kritisiert-die-fpoe-schifoan-wird.2156.de.html?dram:article_id=425441

Noch besser finde ich aber den Bericht über einen negativen Asylbescheid im „Spiegel“.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/oesterreich-behoerde-stellt-homosexualitaet-eines-schwulen-afghanen-in-frage-a-1223199.html

Da hat sich ein Beamter wieder ausgezeichnet. Ein Experte für jede Lebenslage, vor allem für das unmittelbare Erkennen von Homosexualität.

„Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten.“

Der Schlussatz gefällt mir am besten:

„Sie sind nicht homosexuell und haben daher bei Ihrer Rückkehr nach Afghanistan nichts zu befürchten.“

Den Beamten könnte man vielleicht teuer nach Afghanistan vermieten, als Schwulen-Radar, meinst du nicht auch? Eine Kooperation mit der dortigen Regierung könnte die maroden Staatsfinanzen vielleicht ein wenig aufpeppen. Wenn schon gegen den Verwaltungsspeck vorgegangen wird, dann sollte man doch wenigstens den teuren Regierungsspeck ein bisschen auffetten.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

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