#Brieferl No.105 – Abgelenkt vom ministerialen Hochzeitsevent

Lieber Cousin Herbert,

leider habe ich heute die Hochzeit der Aussenministerin verpasst. Na macht ja nix, ich werde das sicher alles irgendwo nachlesen können, sofern es mich interessieren sollte.

Kannst du dich an das Brieferl No.69 erinnern? Das, in dem ich das Original-Rezept für den Schasklappersdorfer Reichenauflauf veröffentlichen konnte?

„Der Schasklappersdorfer Reichenauflauf ist dann zu genießen,
wenn sich die Minderheit der Reichen ihres Reichtums
nicht mehr dauerhaft sicher sein kann.“

Zutat No.1: Man nehme einen möglichst jungen und/oder ungebildeten Protagonisten und lasse ihn in der ersten Reihe stehen
Zutat No.2: Man ziehe den Protagonisten an den Fäden und lasse ihn alles beseitigen, was dem Erhalt oder Ausbau des Reichtums im Wege stehen könne
Zutat No.3: Man nehme eine ordentliche Prise der Schasklappersdorfer Geheimzutat, die da lautet: Ablenkung um jeden Preis!

Gut, die ersten zwei Zutaten konnten wir angesichts von Basti und KTM Parteispenden als gesichert annehmen. Zutat No.3 war angesichts von blauen Nebelgranaten und ministerialen Hochzeitsevents zwar logisch, aber noch nicht gesichert.

Das hat sich jetzt geändert – juchu!

Wer immer es war, der dem Falter die nachstehende E-Mail-Korrespodenz zukommen ließ, wir können jedenfalls dankbar sein.

Und weil wir jetzt wissen, dass Zutat No.3 wirklich genau nach dem Motto „Ablenkung um jeden Preis!“ funktioniert, können wir uns jetzt beruhigt den aktuellen Nachrichten zuwenden.

Ich persönlich freue mich ja immer besonders, wenn nicht nur die heimische Presse Neuigkeiten zu berichten hat, sondern Österreich in internationalen Medien vertreten ist. Das macht irgendwie viel mehr her, findest du nicht auch?

https://www.washingtonpost.com/world/national-security/austrias-far-right-government-ordered-a-raid-on-its-own-intelligence-service-now-allies-are-freezing-the-country-out/2018/08/17/d20090fc-9985-11e8-b55e-5002300ef004_story.html?utm_term=.4c00d190290a
(Um den Artikel zu lesen, „Free / browse now“ klicken)

Die Washington Post hat jetzt zur Causa BVT berichtet, dass sich die Nachrichtendienste im Westen nimmer trauen, irgendwelche sensiblen Daten auszutauschen. Weil sie nicht wissen, in welche falschen Hände die vielleicht kommen.
Interessant daran ist ja, dass sie von den “Intelligence services across the West“ schreiben. Wobei mir da jetzt einfällt, dass ich ja nicht nur die Hochzeit, sondern auch den Herrn Putin verpasst habe. Verdammt.

“Intelligence services across the West, meanwhile, have looked on in dismay — and have chosen to protect their own secrets by freezing Austria out. ‘We used to have very deep and good cooperation,‘ said a top European intelligence official, who, like others, spoke on the condition of anonymity to speak frankly. ‘But since the raids, we have stopped sharing highly sensitive information. We’re worried it might get into the wrong hands.‘“

Ich bin ja keine Expertin in Geheimdienstangelegenheiten, aber mir dünkt, dass dies irgendwie suboptimal ist. Du scheinst meine Begeisterung wegen der ausländischen Berichterstattung nicht ganz zu teilen. Oder gab es andere Gründe, warum du die Interviewanfrage nicht angenommen hast?

“The Interior Ministry declined an interview request.“

Gibt‘s gar neue Pferderln für die Ponyzei? Da hat man auch schon wieder länger nix gelesen. Gottfried Waldhäusl hat sich leider immer noch nicht bei mir gemeldet. Und ich hatte doch wirklich gehofft, dass wenigstens er meine Sorgen wegen der Orbán-Pferderln teilen würde. So kann man sich täuschen.

Eine besonders tolle Nachricht habe ich noch auf orf.at gelesen. Dabei geht es um den Automatismus zur Umweltverträglichkeit von Großprojekten.
https://orf.at/stories/2451304/2451305/

“Bei ‘standortrelevanten‘ Projekten solle die
Wirtschaft gegenüber der Umwelt bevorzugt werden.
In diesem Sinne ist auch die Gesetzesvorlage zu verstehen.“

Genau so soll es sein! Wirtschaft vor Umwelt! Ist eh besser, wenn die Umwelt nimmer so gut beisammen ist, dann wollen vielleicht nimmer so viele Flüchtlinge nach Österreich. Weil die ja nicht nur von den sozialen Hängematten angezogen werden, sondern auch von der schönen Natur und dem guten Hochquellwasser.

Und zum SCHIFOAN natürlich, auch wenn sich das eh kaum noch jemand leisten kann. Aber dafür haben wir ja das schöne Lied vom Wolferl Ambros, das jetzt übrigens als Neueinstieg in den Austria Top 40 zu finden ist.

Ich finde das wunderbar. Erstens, weil ihr euch sicherlich alle giftet‘s. Und zweitens, weil es endlich ein Lied und einen Interpreten in den Charts gibt, den ich auch kenne.

In diesem Sinne, solange die Täler und die sonstige unnötige Umwelt noch intakt sind, lass uns singen:

Und wann der Schnee staubt und wann die Sunn‘ scheint,
dann hob‘ i ollas Glück in mir vereint.
I steh‘ am Gipfel schau‘ obe ins Tal.
A jeder is glücklich, a jeder fühlt sich wohl.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

4 Antworten auf „#Brieferl No.105 – Abgelenkt vom ministerialen Hochzeitsevent“

  1. Immer wieder ein Vergnügen – wenn auch aus dem traurigen Anlass der türkis-blaunen Machtübernahme – diese treffsicher formulierten und pointierten Brieferln zu lesen.

  2. Danke, danke, besonders für Skifoaren! Immer wieder brilliant in der Formulierung und Themen finden. Und das alles trotz der Hitze! Alles Liebe, mslG., Agnes Wagenhofer

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