#Brieferl No.107 – Strategie für Kriminelle

Lieber Cousin Herbert,

endlich geht ihr die ganze Diskussion ob der Abschiebungen von Asylwerbern, die gerade eine Lehre machen, richtig (und) konsequent an. Gratulation an Bumsti, der hier mutig voran schreitet!

https://www.oe24.at/oesterreich/politik/Strache-will-Asylwerbern-Zugang-zur-Lehre-wieder-verbieten/346312700

Nicht ewig darüber diskutieren, ob und wie man einen Lehrling abschiebt, sondern erst gar nicht Lehrling sein lassen! Das nenne ich durchdacht! Die Vorteile liegen wie immer, wenn sich Basti oder Bumsti etwas ausdenken, auf der Hand.
Wer eine Lehre macht, ist beschäftigt und wer beschäftigt ist und auch noch Geld verdient, wird nicht so leicht kriminell. Das geht nicht!

Wir brauchen dringend Kriminelle, am besten kriminelle Asylwerber und kriminelle Ausländer jedweder Couleur sowieso. Sonst kommen die Österreicherinnen und Österreicher vielleicht noch auf die Idee, dass die berittene Polizei und sonstige Sicherheitsmaßnahmen etwas mit ihnen zu tun haben und nicht mit den Ausländern.

“Mehr Polizei auf den Straßen bedeutet mehr Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger Österreichs“ hast du die “Bereitschaftseinheiten der Polizei“ argumentiert.
https://www.krone.at/1760063

Eben! Und deshalb ist alles dafür zu tun, dass es auch wirklich etwas zu tun gibt!

Die NEOS meinen zwar, dass diese Forderung „völlig realitätsfremd und zynisch sei und die geringe Wirtschaftskenntnis des Herrn Vizekanzler bloßlegt“, aber das braucht niemanden zu jucken. Weil sie eben nicht zu Ende gedacht haben.

Außerdem darf man auch nicht die zwischenmenschliche Komponente aus den Augen verlieren! Da könnte doch ein Arbeitskollege auf den infamen Gedanken kommen “hey, dieser Bursche ist zwar aus Afghanistan, aber der ist richtig nett.“ Das gilt es striktest zu vermeiden! Sonst könnte doch euer gesamtes Feindbild ins Wanken geraten.

Es ist also durchdachte Strategie und nicht bloß eine blaue Nebelgranate. Ich habe übrigens noch eine weitere, total geniale Strategie der Basti & Bumsti – Allianz entdeckt, die mich ein bisschen an Kindererziehung erinnert.

Kinder “brauchen“ ja häufig die kuriosesten Sachen und das zum unglaublichsten Zeitpunkt. Irgendwann habe ich mir als Mutter folgende Strategie zurecht gelegt:

Phase 1: Die Antwort ist grundsätzlich “Nein“
Phase 2: Ich höre mir die Begründung für die Anfrage an
Phase 3: Die Antwort bleibt “Nein“
Phase 4: Die Anfrage wird seitens des Kindes überarbeitet, also inhaltlich reduziert
Phase 5: Die Antwort lautet “ausnahmsweise“
Phase 6: Kind ist happy

Das gleiche gilt für die frohlockenden Jubelmeldungen, dass ja eh alles gar nicht so schlimm ist, wie es die bösen Medien dem armen Basti und noch ärmeren Bumsti unterstellen.

Am 17.8. gab es folgendes zu lesen: AUVA: Privatisierung befürchtet
https://wien.orf.at/news/stories/2930528/

Seit 24.8. wissen wir “Zwar ist die Auflösung der AUVA vorläufig kein Thema mehr und auch die Kürzungen sind um die Spur geringer ausgefallen als von der schwarz-blauen Regierung eingefordert ..“
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180824_OTS0117/koenigsberger-ludwig-auswirkungen-der-auva-kuerzungen-weiterhin-grossteils-unklar

Und schon ist der (mittlerweile gram-)geneigte Türkis-Blau-Wähler wieder happy und kann sogar noch auf die Medien hinhacken, die ganz sicher wieder böswillig etwas berichtet haben, um den heiligen Basti anzupatzen.

Apropos Medien: der Presserat hat in einer „Grundsatzerklärung empfohlen, den Message-Control-Versuchen der Regierung mit tiefgehender Recherche entgegenzutreten“.
https://derstandard.at/2000085888006/Presserat-Re-Check-von-Regierungsinfos-noetig

Was vielleicht ein bissi sperrig klingt, heißt auf gut deutsch nix anderes als “nicht einlullen lassen, sondern nachprüfen“.

Ich frage mich, wie lange es dem Presserat noch erlaubt sein wird, derartige Erklärungen abzugeben. Weil die doch auch sagen, es sei ein „Problem für die demokratische Gesellschaft im Allgemeinen“, wenn die Regierung immer mehr PR-Leute anstellt und gleichzeitig „Redaktionen ausgedünnt werden“.

Ich würde da schon irgendwie eingreifen. Vielleicht könnte man sich das neue “Gesetz zur Standortentwicklung“ zum Vorbild nehmen. Da sollen doch Großprojekte „im besonderen Interesse der Republik“ rascher genehmigt werden – auch wenn das zugehörige Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nicht abgeschlossen ist.

https://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5483401/Richter-lehnen-geplantes-Gesetz-zur-Standortentwicklung-ab

Ein Gesetz zur “Informationsentwicklung“ könnte ich mir da vorstellen. Wo dann drinnen steht, was wahr ist und was nicht – auch wenn Recherchen seitens der Medien noch nicht abgeschlossen sind.

Das würde sich gut ins gesamte Ortsbild von Schasklappersdorf an der Banane einfügen.

Ich bin übrigens sehr traurig, um nicht zu sagen niedergeschmettert, dass die Basti & Bumsti – Allianz erste Harmonie-Risse bekommt.

Warum ist denn der Herr Schrott zurückgetreten? Wegen des dubiosen Gewinnspiels mit der Karin K. als Gewinnerin?  Oder doch wegen der Homepage? Es gilt freilich die Unschuldsvermutung! Und ich hatte mir schon Hoffnungen auf einen Gewinn beim nächsten ÖVP-Gewinnspiel gemacht. Wegen „K.“. Aus der Traum, wieder nix.

https://tirol.orf.at/news/stories/2932310/

Ich bin zuversichtlich, dass er nicht lange wegbleiben wird. Auf den Udo Landbauer freuen sich ja schon wieder manche. Auch wenn es da heißt
„FPÖ und ÖVP über Comeback uneins“.

Tja, so ist es eben. Aber zumindest auf dich können wir uns verlassen. Denn solange es Pferderln gibt, auf die der Österreicher aufschauen kann, ist ohnehin alles gut.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

8 Antworten auf „#Brieferl No.107 – Strategie für Kriminelle“

  1. Wie immer gescheit und pointiert und mit Vergnügen zu lesen. Ich hoffe, dass der Wespenstich in nächster Zeit keine Briefleins verhindert.

    Liebe Grüße

  2. „Rückkehrer“ mit fertiger Lehre wären ja auch so etwas wie Entwicklungshilfe und die wurde ja gekürzt! Also in diesem Sinne, weisen wir halt gleich alle Lehrlinge in der Hälfte der Zeit aus.

  3. Ich freu mich jedes Mal auf das neue Brieferl. Es spricht mir nicht nur aus der Seele, sondern ist auch amüsant zu lesen, wo doch rundherum alles ziemlich traurig ist. Vielen Dank!

  4. wie immer toll,nur dieses Mal bleibt mir irgendwie das Lachen im Hals stecken. Hat es nicht damals auch so angefangen, mit ein paar „harmlosen“ Verboten fr Juden? Muss ich Angst haben, dass ich als Naechste dran bin? Weil ich Tattoos habe oder gefaerbte Haare? Ein beruehmter ehemaliger Finanzminister hat Basti folgendermaßen charakterisiert: „er ist ein eiskalter, machthungriger Narziss“ . Wie lange lassen wir uns das noch gefallen? Gibt’s eigentlich in Oesterreich keine Amtsenthebung?!

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