#Brieferl No.119 – Zeugin der Anklage

Lieber Cousin Herbert,

du weißt ja, ich bin Cineastin, und als solche liebe ich natürlich “Zeugin der Anklage“ Das Remake mit Diana Rigg ist wirklich nicht schlecht, aber das Original mit Marlene Dietrich ist und bleibt ein unschlagbarer Klassiker.

Stell dir nur vor, ich bin jetzt auch so etwas wie eine “Zeugin der Anklage“. Ich werde zwar nicht in einem Gerichtssaal sein, bin aber dennoch pfitschipfeilmäßig gespannt.

Du kennst doch deinen Parteifreund und Ministerialkollegen Norbert “wir werden uns noch alle wundern“ Hofer, nicht wahr?
Kannst du dich auch erinnern, dass er bei einer Pressekonferenz zur Causa BVT ein wenig abgeglitten ist ob der kritischen Nachfrage eines Journalisten?

„Ich weiß nicht, was Sie heute in der Früh getrunken haben,
ich weiß nicht, ob der Kaffee zu stark war.“

Bitte, ist zwar nicht die feine englische Art, wie man so sagt, aber es sei ihm verziehen. Er ist auch nur ein Mensch und keiner ist unfehlbar.

Ein anderes Beispiel seiner Art mit meinem seinen Mitmenschen umzugehen, zeigte sich bei einer Diskussion mit Alexander Van der Bellen auf ATV. So hatte er diesem nahegelegt:

„Reden Sie mit einer Flasche, die redet nicht zurück“.

Auch irgendwie nicht ausgesprochen höflich.

Warum erzähle ich dir davon? Am 21. Juni 2018 wurde auf heute.at mit der Schlagzeile “Kollaps! Drama um Minister Norbert Hofer“ über den Kreislaufkollaps des Ministers berichtet.
Dieser wurde von aufmerksamen Passanten dadurch bemerkt, dass Hofers Handy aus dem vierten Stock des Wohnhauses auf der Straße gelandet war. Gerüchte, wonach der Kollaps weniger auf zu hohe Temperaturen denn auf zu viel Alkohol zurückzuführen war, konnte der ministeriale Sprecher freilich nicht bestätigen.

Der Artikel wurde auch auf der Facebookseite von heute.at geteilt.

Die Kommentare waren sowohl beim Artikel als auch auf Facebook durchwachsen. Manche ergaben sich in devoten Genesungswünschen, andere diskutierten mögliche Kollaps-Ursachen abseits der Hitze.

Einer der Kommentare lautete:

“Na das erklärt alles, auf derart vertrottelte Ideen
kannst ja nur im Vollsuff kommen …“

Okay, auch nicht die feine englische Art, aber ziemlich ähnlich dem „Ich weiß nicht, was Sie heute in der Früh getrunken haben …“

Nun ist aber ein Minister eben kein ordinärer Staatsbürger, weshalb er nicht nur mehr sagen, sondern vor allem schneller beleidigt sein darf.

Und so kam es, dass besagter “Na das erklärt alles, auf derart vertrottelte Ideen kannst ja nur im Vollsuff kommen …“ Kommentator eine Klage erhalten hat, deren Zeugin ich bin. Ist doch Stefan, der das geschrieben hatte, ein lieber Freund von mir.

Der Kläger ist Bundesminister für Verkehr, lnnovation und Technologie.
Ja, Herbert, du hast richtig gelesen. Es ist nicht der private Norbert Hofer, der fidele Pinkafelder, der klagt. Es ist der Bundesminister.

Die Vorteile eines solchen Vorgehens lägen auf der Hand bzw. im Geldbörsel.
Als Privatmann müsste er für Unkosten selbst aufkommen, als Minister könnte er dafür in die Staatskasse greifen. Also einen Prozess auf Kosten des “kleinen Mannes“ führen und da wäre es dann auch schnuppe, wie lange das Verfahren dauert.
Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung!!!!! Nicht, dass ich auch noch verklagt werde …

Natürlich braucht der Minister einen Anwalt. Und wer könnte da besser geeignet als jener Mann, den nun auch die breite Öffentlichkeit kennt, weil er doch zum Richter am Verfassungsgerichtshof ernannt wurde. Und Michael Rami ist eben auch der Anwalt für FPÖ-Angelegenheiten jedweder Art.
https://www.vfgh.gv.at/medien/Angelobung_Michael_Rami.de.php

Es bleiben also einige Fragen offen, deren sich nun die Liste Pilz in einer parlamentarischen Anfrage annimmt.
1) Werden die Kosten des Verfahrens aus dem Budget des Verkehrsministeriums oder von Hofer als Privatperson getragen werden?
1) Wurden bereits in der Vergangenheit Klagen mit öffentlichen Geldern beglichen?
2) Wenn ja, wie viel für solche ausgegeben wurde

Mir gruselt jedenfalls vor dem Gedanken, dass ein Minister mit Steuergeld gegen Staatsbürger vorgehen könnte. So grundsätzlich einfach.

Oder ist das eher dazu gedacht, eine abschreckende Wirkung für andere zu haben, die sich dann dreimal überlegen, ob sie überhaupt irgend etwas “gegen“ die Regierung oder eines deren Mitglieder schreibt?

Was meinst du?
Weil wenn dem so wäre, dann sind wir tatsächlich schon in Schasklappersdorf angelangt.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

14 Antworten auf „#Brieferl No.119 – Zeugin der Anklage“

  1. ja, ja – für einen „normal sterblichen“ gilt ja folgendes: wer austeilt muss auch einstecken können.

    das gilt nicht für rechte politiker – weil’s alle „wunderknaben“ sind?

  2. In diesem Sinne könnte das Geklagte unter einem Äquivalent zur „milieubedingten Unmutsäußerung“ abgeschmettert werden – als ein „ortsüblichen Umgangston“…

  3. Hallo Dani,
    Machen wir Crowdfunding für Stefan. Da muss doch was zu machen sein. Es kann nicht sein, dass Steuergelder zum Mundtotmachen von SteuerzahlerInnen hergenommen werden können.
    See you in Klagenfurt.
    😘

  4. Der Ingenieur Hofer ist ja wahrlich nicht hellste Leuchte.

    Da muss Österreich nun durch, nur damit dem Buberl einer abgeht, weil er Bundeskanzler spielen darf.

    Das wird in 5-7 Jahren teuer, wenn alles aufgearbeitet wird. Aber zu der Zeit wird der Herr Ingenieur bei einer Telekommunikation Firma untergebracht sein.

  5. Schließe mich den vorhergehenden Kommendaren voll an und hoffe es wird wegen der Bezahlung nach gebohrt! Hofer Verdient eh schon vielzuviel , da wird er wohl selber zählen können, die beleidigte Leberwurst!!!! 😡😡🤮

  6. Nur so am Rande: ein Pfitschipfeil kann nicht gespannt sein, es ist der Bogen der gespannt wird. Der Pfeil hingegen, soll er gut sein, wird locker aufgelegt um dann sein Ziel zu treffen ohne zu verziehen. In diesem Sinne also: bleiben Sie locker, dann wird’s schon klappen.

  7. Nur so am Rande: ein Pfitschipfeil kann nicht gespannt sein, es ist der Bogen der gespannt wird. Der Pfeil hingegen, soll er gut sein, wird locker aufgelegt um dann sein Ziel zu treffen ohne zu verziehen. In diesem Sinne also: bleiben Sie locker, dann wird’s schon klappen.

  8. Gehört nicht ganz zum Thema aber – wir sind im RechtSstaat angelangt: Polizei 3 Mann und 1 Frau hoch kontrollieren fremdländisch aussehende Personen in einem ÖBB Zug in einer Art und Weise, die in meinem Österreich nicht statt finden sollte.
    Absolut gruselig und beängstigend.
    Da kommt noch mehr.

  9. Geehrte Frau Kickl, ich habe Ihren Blog erst heute durch den Standard/Hofer entdeckt…
    Ich finde grundvernünftig, was Sie publizieren…

    mit freundlichen Grüßen
    -mw- 1190 Wien

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