#Brieferl No.133– Süßes oder Saures

Lieber Cousin Herbert,

heute wird Halloween gefeiert und die Kinder werden mit dem Sprücherl “Süßes oder Saures“ die Straßen unsicher machen. Mir gefällt das sehr gut.
In unserer Kindheit gab es Halloween genauso wenig wie einen halbwegs entspannten Umgang mit dem Tod. Da wurden alle am 1. November auf den Friedhof geschleppt, wo dann Trauerstimmung angesagt war.

Es ist doch so, dass wir nicht viel über unser eigenes, zukünftiges Leben wissen, auch wenn wir manchmal vermeinen, alles im Griff zu haben und deshalb vorhersehen zu können.
Allerdings ist und bleibt das Einzige, was wir definitiv wissen, dass wir alle irgendwann sterben werden. Zum Glück, denn sonst wäre es erstens zu eng und zweitens ist es doch immer die Begrenztheit und Endlichkeit, die etwas wertvoll macht. Ich finde, man sollte sich gerade zu Halloween besonders des Lebens erfreuen sowie mit Freude an jene zurückdenken, die nicht mehr unter uns weilen und unser Leben einst bereichert haben.

Ob der Basti auch herumgehen und Süßigkeiten schnorren wird? Man kann das durchaus auch als Erwachsener machen. Überhaupt, wenn man auf Jugendlichkeit sehr viel Wert legt und deshalb als Maturant locker durchgeht.

Andererseits wäre es beinahe ein bisschen unfair, weil der Basti doch schon so viele Süßigkeiten erhascht hat.

Süßigkeit Nummer 1: Das Wahlkampf-Zuckerl

Doppelt wird nicht nur gerne gemoppelt, sondern auch verschleudert. Oder besser gesagt “investiert“.

Da gibt es ein Gesetz, das besagt, dass jede Partei nur 7 Millionen Euro für den Wahlkampf ausgeben darf. So weit so gut. Hat dem Basti auch immer gut gefallen.

Und jetzt – surprise surprise – stellt sich heraus, dass die “türkise Buberl- und Mäderlpartie“ (diese Bezeichnung für euren Koalitionspartner habe ich mir bei dir ausgeliehen, lieber Herbert, als du noch in der Opposition warst) das Budget fast um das doppelte überzogen hat.

Na wen wundert es da, dass sie gewonnen haben, bei einem derartig fetten Wahlkampf-Zuckerl. Konsequenzen hat das freilich kaum, sie müssen lediglich eine Strafe zahlen, die vermutlich, wie auch schon das Extra-Wahlkampf-Geld, aus den Steuertöpfen genommen wird. Insofern völlig schnurz.

Im Gegenteil schmeckt ein Zuckerl mit “das haben wir wieder fein hinbekommen“-Beigeschmack sicherlich besonders gut.

Süßigkeit No.2: Der FTS-Lolly

Ach wie schön muss es sein, wenn man nicht nur als Partei schon doppelt so viel verjuxen kann, sondern auch Freunde hat, denen man schon mal den Rücken stärken kann.

Da gab es doch bereits im Jahr 2011 die Arbeitsgruppe zur Finanztransaktionssteuer (FTS), die der Ansicht war, dass man mit Besteuerung von Finanztransaktionen jedweder Art ein bisschen mehr an Steuereinnahmen lukrieren könnte. Damit würde das beliebte “wie mache ich aus Geld noch mehr Geld“-Spielchen des Finanzkapitalismus auch etwas zu den Staatseinnahmen beitragen.

Unser Finanzminister, der rein zufällig doch früher Versicherungsmanager war, scheint sich seiner früheren Branche mehr verbunden zu fühlen als den Österreichern. Weil sich doch Banken und Versicherungen recht wenig für eine derartige Steuer begeistern können.

Zum Glück gibt es eben den Hartwig Löger, der wie geschmiert gegen die FTS läuft.

Und der Basti kann genüsslich an dem FTS-Lolly nuckeln, der ihn in seinem Plan “Gebe den Reichen, nimm bei den Armen“ einen weiteren Schritt näher bringt.

Süßigkeit No.3: Das Experten-Gelee

Der Basti hat nicht nur einen umsichtigen Finanzminister, der nach irgendwelchen Pfeifen zu tanzen scheint, er darf sich auch über Experten freuen.

Im Gelee der Kompetenzen tummelt sich einer, der sich mit Demografie und Geografie besonders gut auskennt. Ist ja auch gar nix dagegen einzuwenden, Experten sind immer wichtig. Blöd nur (oder gar gewollt?), wenn der Experte zwar ein selbiger ist, jedoch als Aufgabe einen anderen Bereich zugewiesen bekam.

Und so antwortete der Experte Heinz Faßmann, der im Übrigen den ministerialen Sessel der Bildung warm hält, auf die vom Falter gestellte Frage “Halten Sie die gemeinsame Schule der zehn- bis 14-jährigen also für sinnvoll oder nicht?“ eloquent und ehrlich:

“Ich bin kein Bildungswissenschaftler. Meine Expertise ist die Demografie, die Geografie, daher entziehe mich der Frage.“

Bravo Basti, möge das Experten-Gelee gut schmecken.

Süßigkeit No4: Die Migrations-Schoki

Seit Jahr und Tag schmeckt dem Basti ja die Migrations-Schoki am besten. Selbst am Nationalfeiertag hat er genau 36 Sekunden gebraucht, um übers Lieblingsthema “Kampf gegen illegale Migration“ zu fabulieren.

Aus dieser Sicht muss jeder verstehen, dass er den UNO-Migrationspakt nicht unterschreiben kann. Das geht einfach nicht. Man stelle sich nur vor, dieser erste Schritt zur gemeinschaftlichen Lösung würde funktionieren!

Was würde der arme Basti denn machen, wenn er seine Migrations-Schoki nimmer hat? Es ist ja nicht leicht, eine Süßigkeit zu finden, die einerseits schön braun glänzt und andererseits populistisch-geschmacklich so viel hergibt.

Und so kommt es, dass der Basti genüsslich seine Süßigkeiten vertilgt, während die Österreichischer die sauren Drops zu lutschen bekommen.

Oder, wie es Peter Turrini treffend formuliert:

“Was uns bedroht, sind nicht die Ozonlöcher,
sondern die Arschlöcher“

https://www.sn.at/politik/innenpolitik/scharfe-turrini-kritik-an-moralloser-regierung-59664514

Happy Halloween!

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

3 Antworten auf „#Brieferl No.133– Süßes oder Saures“

  1. Super wieder auf den Punkt gebracht…

    Kärnten: Und nach der Wahl des Parteivorsitzenden Gruber in ..brauchte Kurz 30 Sekunden bis er das Thema Migration in den Mund nahm…

    Wenns nicht so traurig wär….
    Danke

  2. Ihr Cousin ist der beste Innenminister aller Zeiten, richten sie ihm viele liebe Grüße aus, wenn ihr fürs nächste Jahr noch einmal 42% auf die Abschiebungen drauf legt hat er meine Stimme wieder.

    LG

    Ihre Helena.

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