#Brieferl No.145– Die Ruinen von Schasklappersdorf

Lieber Cousin Herbert,

heute habe ich dir etwas besonders Aufregendes mitgebracht.

Auf mir nicht näher bekanntem Wege wurde mir das historische Dokument “Die Ruinen von Schasklappersdorf“ aus dem Jahr 2200 zugespielt. Es ist eigentlich ein Museumsführer, der an die Zeit der “Ruhmlosen Bastarde“ erinnern soll.
Der angloamerikanische Raum hatte offenbar die “Inglorious Basterds“ von Quentin Tarantino zum Vorbild für die Namensgebung herangezogen, um den Herrschern von Schasklappersdorf eine würdige Bezeichnung zu verleihen.

Hier habe ich die wichtigsten Passagen dieses Führers für dich exklusiv zusammengefasst.

Der Medienraum

Im ersten Raum des Museums darf sich die Besucher*in an Informationen zur Schasklappersdorfer Medienlandschaft erfreuen.

Sie finden hier Ausgaben der Zeitschriften “Wochenblick“, die als “Desinformationsprojekt am rechten Rand“ dem Schasklappersdorfer Innen- und Pferdeminister gerade genug war, um neues Personal für die damalige Polizei, später “Ordnungspolizei“, zu rekrutieren.

Daneben erwartet die Besucher*in das Monatsmagazin “Alles Roger?“, das wegen der “antisemitischen Tendenzen“ auch zu den bevorzugten Rekrutierungsmedien zählte.

Eine in bunten Candy-Crush-Farben gehaltene Vitrine präsentiert eindrucksvoll Ausgaben der Kronenzeitung, die in Schasklappersdorf als “Basti&Bumsti-Prawda“ zu besonderen Ehren kam.
Auch der Kurier ist vertreten, hat es dieser doch geschafft, der Prawda als Basti&Bumsti-Iswestija im Schleimen um die Herrschaft um nichts nachzustehen.

https://kurier.at/meinung/jammern-auf-hohem-niveau/400354345

Der Reichenraum

Im Raum der Reichen wird eindrucksvoll präsentiert, wie es die Schasklappersdorfer Regierung geschafft hat, den Reichtum der Reichen nicht nur zu schützen, sondern auch noch auszubauen und vor allem komfortabler zu machen. Über dem Eingang glitzert ein Schild “Sponsored by Uniqa“, getragen von der berühmten Goldmarie.

Eindrucksvoll reihen sich Bilder von Privatkliniken und Sonderklasseabteilungen in Ambulanzen aneinander, deren Förderung das Leben in Saus, Braus und Reichtum auch im Falle von Krankheit oder Unfall luxuriöser werden ließen.
Über diesen Bildern strahlt SIE. Sie, die alles ermöglicht hat und zur Ikone des Schasklappersdorfer Gesundheits- und Sozialwesens wurde: Beate “Augenbraue“ Hartinger-Klein, auch bekannt als KHB, die niemals mit dem schönen KHG verwechselt werden darf.

Gegenüberliegend ist der Schrein des Schasklappersdorfer Finanzministers zu finden. Als besondere Hommage an sein Wirken, das unter

“In dieser historisch einmaligen Phase mit brummender Konjunktur, sinkender Arbeitslosigkeit und niedrigen Zinszahlungen hätte auch ein Hydrant als Finanzminister ein ausgeglichenes Budget hinbekommen.“

subsumiert wurde, hat man bei der Auswahl eines passendes Bildes weder Kosten noch Mühen gescheut.

Quelle: https://www.flickr.com/photos/lb-fotos/15652769485/

Damit wurde auch der nahtlose Übergang zu jenem geschafft, dessen Wirken im historischen Rückblick zwar nicht direkt zu Gunsten der Reichen auszulegen ist, jedoch als “Nebelgranate“ unentbehrlich war.

Bild aus: https://www.hna.de/lokales/northeim/granatenfund-ertinghaeuser-wald-959264.html

Die Hall of Fame

Umgeben von Tischen mit Sahara-Kornweckerln und Grönlandwein zur Stärkung der Besucher*innen erstrahlt der Schasklappersdorfer Klimaexperte HC “Bumsti“ Strache. Seine Verdienste um die “Fleißigen und Anständigen“, die für die Reichen 12 Stunden schuften durften und ihren Beitrag mit noblem Verzicht auf Mindestsicherung leisteten, wird mit diesem Bild besonderer Ausdruck verliehen.

Die Geschichte zum Bild: https://www.vice.com/de/article/ppwwvm/strache-karikatur-urteil-032

Der König von Schasklappersdorf, der Heiland, “Systemfehler der Partei“, die türkise Ausgeburt des schwarzen Geilomobils, der Schasklapperdorfer Maturant – Sebastian “Basti“ Kurz ist der Star.

Er war beliebt bei alt und jung, vermittelte Unverfrorenheit mit Schwung. Stolz blickte er auf Berichte über ihn aus fernen Landen, auch wenn man den Eindruck bekam, er hätte sie nicht ganz verstanden.

http://time.com/5466497/sebastian-kurz/

Aber er ließ nicht entmutigen und kürzte bei den Armen, um den Reichen zu geben. Die frierenden Kinder waren sein Antrieb für die hässlichen Bilder, ohne die es nicht gehen würde.

(c) Kronenzeitung

Der wehende Gegenwind war ihm nicht egal, sondern im Gegenteil – er war dafür angetreten.

Den unbotmäßigen Stimmen, die vom Ende des Sozialstaates fabulierten, ließ er in NS-Sprech ausrichten, es handle sich um “Gräuelpropaganda“.

Seine Interpretation von “sozialer Politik“ schaffte es, dafür zu sorgen, dass “Menschen … in einer Familie leben, wo nicht die Kinder die Einzigen sind, die in der Früh aufstehen“.

Der Ausgang

Nach der Hall of Fame geht es zum Ausgang, der zweigeteilt ist. Am rechten Ausgang glitzert der Candy-Crush-Highscore des Heilands.

Wer diesen Ausgang wählt, wird entlassen in eine dystopische Diktatur der Klimakatastrophe.

Am linken Ausgang ragt Oscar Wilde.

Wer diesen Ausgang wählt, wird entlassen in eine andere Welt, eine, die heute zu errichten ist und den Ruin von Schasklappersdorf bedingt.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

3 Antworten auf „#Brieferl No.145– Die Ruinen von Schasklappersdorf“

  1. Liebe Daniela Kickl…. ich hoffe innigst das wir sehr bald über diese Schasklapersdorfer Bagage lachen können, denn ich weiß ja nicht wielange ich noch warten kann um das zu erleben….. und erleben möchte ich es unbedingt noch. Es ist zumindest gut das man mit den Brieferln noch schmunzeln kann…. dashilft gegen polirische Depressionen. Danke. Alkes liebe Angela Holzinger

  2. Liebe Daniela Kickl !
    Auch ich finde sie wie immer einfach genial , und ich kann mich dem Posting von Angela Holzinger nur anschließen ! Ich würde es auch noch gerne erleben , wie dieses Gruselkabinett sang und klanglos wieder verschwindet !

  3. Wow. Ihren blog erst jetzt gesehen. Sie sind großartig. Toller schreibstil und so unglaublich gut formuliert das ich mich sogleich entschuldigen muss. Dachte alles was kickel heißt kann nicht gut sein. Ich würd mir wünschen das sie etwas abfärben auf ihren cousine.

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