#Brieferl No.174 – Deppen, Beidln und ein Gummirückgrat de Luxe

Lieber Cousin Herbert,

immer wieder frage ich mich, welche Qualifikationen man genau und konkret braucht, um einer der 183 Auserwählten zu werden, die uns, das Volk, im Nationalrat vertreten.

Spontan würden mit ein paar Dinge in den Sinn kommen: gute (Aus)Bildung, keine Vorstrafen oder Verurteilungen, gute Umgangsformen und wenn möglich einen halbwegs festen Charakter. Das wären irgendwie die Mindestanforderungen. Ist eigentlich nicht zu viel verlangt, oder?

Dass die Ausbildung irrelevant ist, wissen wir dank seiner Kürzlichkeit. Vorstrafen oder Verurteilungen stellen offensichtlich auch kein Hindernis dar und gute Umgangsformen sind lieb, aber sicher nicht notwendig.

„Jetzt siehst wenigstens amoi, was das für Beidln san.“

Mit “Beidln“ sind laut FPÖ-NR-Abgeordneten Wolfgang Zanger übrigens “Betriebsräte“ gemeint.
Auch der Dominik Nepp, seines Zeichens Wiener Vizebürgermeister, hat sich niveauvoll hervorgetan und von Demo-Deppen auf Twitter geschrieben.

 

 

Vielen herzlichen Dank an die beiden Herren!

Sie sorgen dafür, dass die “Zentralanstalt für Niveau und Kasperliaden“ ZANK ihren Auftrag, den Marianengraben zwecks Erreichung FPÖ-Niveaus auszuheben, weiter legitimieren kann. Du kannst dich sicher an Brieferl No.52 erinnern, in dem ich dir von diesem Vorhaben erzählt hatte.

Der grundsätzliche Hang zu besonderen Fähigkeiten zieht ja weite Kreise und macht auch vor Regierungsmitgliedern nicht halt. Wissen wir eh alle.

Ein Schmankerl der besonderen Art ist dem Gerald Loacker (NEOS) gelungen, der sich nun, dank der innovativen App der Ministerin für Digitalisierung Margarete Schramböck, über einen neuen Wohnsitz freuen darf.
Nur am Papier bzw. elektronisch, versteht sich.
Dafür ist seine Adresse umso exklusiver: das Ministerium von Frau Schramböck. Fein, dass die Gute über zumindest über Expertise mit Wünschelruten verfügt. Vielleicht kann sie ihn irgendwie hinaus wünscheln oder pendeln.

Du hattest ja gestern auch einen supertollen Auftritt im Parlament. Als freundliche Verwandte habe ich auszugsweise sogar zugeschaut.

Blöde Sache, dass du 2016 bei diesem “Verteidigern Europas“ Kongress und dort gar so begeistert vom anwesenden Publikum warst. Weil doch dort auch die Identitären waren, die jetzt, weil deren “Co-Leiter“ Martin Sellner eine Spende in der Höhe von 1.500 Euro vom Christchurch-Attentäter erhalten hat, verboten werden sollen.

Weißt du, was ich gar nicht mag? Was ich regelrecht verachte?
Das ist Falschheit. Dieser Opportunismus, dieses ewige “immer sein Fähnlein nach dem Wind richten“. So wie du es jetzt machst. Und dein Bumsti-Chef.

Insofern mochte ich den Ewald “Dobermann“ Stadler immer schon. Ich war zwar so gut wie nie einer Ansicht mit ihm, aber er vertritt seine Ansichten konsequent. Bei ihm weiß man, woran man ist. Da werden keine Haken geschlagen, da wird nicht herumlaviert.

Deshalb habe ich mir auch die Diskussion zwischen ihm und dem Rechtsextremismus-Experten Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) am Standard angeschaut.

https://derstandard.at/jetzt/livebericht/2000100376459/fpoe-und-identitaere-wie-eng-sind-die-verbindungen-wirklich

Stadler hat erzählt:

“Das ist erstunken und erlogen, dass die FPÖ mit den Identitären nichts zu tun hat und die Identitären nichts mit der FPÖ“

Das G‘schichtl über den Bumsti aus dem Jahre 1990 hat mir auch sehr gut gefallen. Dieser soll nämlich mit dem Holocaustleugner Gerd Honsik im Auto herumkutschiert sein und dieses dann aber fluchtartig verlassen, haben als er eine Polizeistreife auf sie zukommen sah. Das nenne ich Gummirückgrat de Luxe, wirklich wahr.

“Er ist einfach feig, das ist mein Hauptvorwurf“

sagte Stadler über deinen Bumsti-Chef. Von dir ist er übrigens auch nicht angetan.

Zur Frage, ob die Identitären verboten werden sollen, meinte Stadler:

“Nein, verbieten nicht. … Wenn ein liberaler Rechtsstaat so weit geht, dass er politisch nicht gewollte oder abgelehnte Weltanschauungen, solange sie die Grenze des Strafrechts nicht überschreiten, deswegen verbietet, weil man‘s nicht haben will oder weil‘s parteitaktisch ins Kalkül passt, wie es derzeit der FPÖ ins Kalkül passen würde. Dann hört sich die Demokratie auf. … Eine Demokratie muss auch Positionen aushalten, die Minderheitenpositionen sind.
Die Demokratie muss einen scharfen Diskurs führen können, ohne dass man schreit ‘das Abendland ist in Gefahr‘ oder die andere Seite sagt ‘Die Freiheit ist in Gefahr‘“.

Dem hat auch Andreas Peham zugestimmt. Ich möchte mich anschließen, jedoch das Toleranz-Paradoxon nach Karl Popper nicht außer Acht lassen.

“Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren“

Der arme Martin Sellner kann jetzt nicht einmal mehr in die USA einreisen, um seine Freundin im Sommer zu heiraten.
Wobei es mich irgendwie wundert, dass ausgerechnet er seine Zukünftige im Ausland ausgemacht hat. Ist schon ein wenig unpatriotisch, auch wenn die Glückliche den „Neuen Rechten“ in den USA zugerechnet wird.

Andererseits dämmert mir jetzt, warum er mir letztes Jahr via Twitter ein Bussi geschickt und mich in Folge auf ein Kaffeetscherl eingeladen hat. Klar. Er war schon damals auf der Suche nach einer Alternative zu seiner weit entfernten Verlobten.

Ich bin zwar ein sehr sozialer Mensch, aber um jeden kann ich mich halt auch nicht kümmern.

Um dem Martin dennoch aus der Bredouille zu helfen, nehme ich ab sofort auch Spenden an.

Da kann er dann die 1.500 Euro, die er ohnehin nimmer haben mag, gleich sinnvoll investieren und muss nicht Bussis schicken. Du darfst auch gerne spenden. Ich weiß ja, dass du heimlich total gerne meine Brieferln liest und unter keinen Umständen mehr darauf verzichten willst.

Jede(r) kann übrigens spenden. Was durchaus sinnvoll ist, damit ich meine Unabhängigkeit bewahren kann. Weil meine spitze Feder nicht nur echtes Geld, sondern vor allem viel Zeit kostet und ich ausschließlich Zuwendungen von den mich liebenden Massen annehmen will.




Auf geht‘s Herbert, du schaffst es!

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

5 Antworten auf „#Brieferl No.174 – Deppen, Beidln und ein Gummirückgrat de Luxe“

  1. Liebe Daniela, bitte nicht aufhören solche Zeilen zu verfassen. Warum gibt es so wenige Menschen, wie Sie? Irgendwie kommt mir die ganze Welt völlig verückt vor.

  2. Unabhängig von innerösterreichischen Gegebenheiten: Auch mir gefallen sich um jeden Preis Anpassende nicht. Zur Sache stehen kann sowohl nationalpatriotische als auch eine Liebe zu EUROPA beinhalten und zugleich beides rücksichtsvoll erhalten. Das widerspricht sich allerdings in allen Fällen gewaltsamen Vorgehens und natürlich auch Machtmißbrauchs unter genüsslich eingeheimsten Mehrheiten.
    Herzliche Grüße aus Polen.
    Jordan Sokol

  3. Liebe Daniela!
    Danke für die tollen Brieferl!

    Was kann sich ein „Betriebsrat“ Schöneres wünschen, als von Rechtsradikalen FPÖ-ler „Wolfgang Zanger“ beschimpf zu werden!! Es Ist nahezu eine „Heiligsprechung“!!! „Die FPÖ stimmte gegen den Mindestlohn“!!! … Ist ja eine Forderung für die Arbeitnehmer von ihrer Arbeitnehmervertretung, den „Betriebsrats Beidln“!!
    Willst
    du wie dein Betriebsrat sein? Sei ein:
    „BEIDL“ (B)esonnen, (E)ngagiert, (I)nformiert, (D)urchgsetzungsfähig, (L)ösungsorientiert!

    Liebe Grüße! Markus

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