#Brieferl No.204 – Spaghetti im schwarzen Loch





Lieber Cousin Herbert,

irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Large Hadron Collider vom Cern in Genf noch besser funktioniert, als die Physiker dort glauben.

“If micro black holes do appear in the collisions created by the LHC, they would disintegrate rapidly, in around 10^-27 seconds.“

Papperlapp. Das erzählen uns die sicher nur, damit wir nicht dahinterkommen, dass wir uns längst in einem abstrusen Paralleluniversum befinden. Zumindest wäre das eine mögliche Erklärung, warum alles irgendwie, sagen wir es mal vorsichtig, zumindest eigentümlich erscheint.

Schwarzes Loch à la Türkis

Tausende, eigentlich Abertausende waren am 1. Mai 2019 in den Schönbrunner Schlosspark gekommen, um zusammen mit seiner Kürzlichkeit samt türkis-ministerialer Entourage das “Familienfest“ zu feiern. 15 bis 20.000 sollten es gar laut ÖVP gewesen sein.

Ich habe mir dieses hübsche Video dazu angeschaut:

Familienfest 1. Mai 2019 Schloßgarten Schönbrunn

Mir dünkt, dass die “Tausenden“ sich maximal auf die Kosten, jedoch nicht auf die Anzahl der Gäste bezogen.

Macht ja nix. Man ist türkis-großzügig. Neben den XXL-Spendierhosen werden auch schon mal die Teilnehmerzahlen bei diversen Veranstaltungen ein bisserl vergrößert. So auch zuletzt offenbar beim Wahlkampfauftakt in Form einer gemeinsamen Wanderung.

“‘Großzügig geschätzt waren vielleicht 350 Leute vor Ort‘, erzählt ein Fotograf, der in Seefeld im Einsatz war.“

Das hat man davon, dass überall Wetterkameras installiert sind …

https://twitter.com/MiBerchtold/status/1148176618248126464

Aber zurück zum großartigen Familienfest: am 6. Juni kam dann heraus, dass das Festl stolze 231.000 Euro gekostet hat. Auf Kosten der Steuerzahler, versteht sich!

Das schwarze Loch war aber noch größer als angenommen bzw. in der damaligen Anfrage beantwortet. Eh nur um läppische 70.000 Euro, also was soll‘s. Wenn schon ein schwarzes Loch, dann ein großes!

Schwarzes Loch à la Blau

Nicht genug damit, dass dem armen Bumsti das Festl zum 50er gestrichen wurde. Nein, jetzt muss die FPÖ auch noch die Stornokosten tragen. Man munkelt von 150.000 Euro, aber das scheint dann zu hoch gegriffen. FPÖ-Sprecher Lukas Brucker sagte dazu:

“Wir liegen in einem mittleren fünfstelligen Euro-Bereich.“

Sind also dann 50.000 Euro. Hallelujah, dass nicht der Steuerzahler dafür aufkommen muss und stattdessen in die Parteikassa gegriffen wird. Wir wollen uns jetzt auch gar nicht damit beschäftigen, woher das Geld für Parteikassen kommt, denn sonst steht ja wieder der Steuerzahler als Depp da.

Ach egal. Denn die Sache mit den Parteispenden ist ohnehin eine düstere Angelegenheit. Oder, wie Peter Filzmaier schreibt:

“Das Verhältnis von Parteien und Geld ist es eine übel undurchsichtige Sache. Böse Zungen könnten sogar sagen, es wird einem übel.“

Ob es sich bei der neuesten Forderung der FPÖ auch um eine düstere Angelegenheit oder um an deine grundehrliche Forderung nach Stärkung des Sicherheitsempfindens (im Gegensatz zu realer Sicherheit!) angelehntes Konzept handelt, muss noch geklärt werden:

“Wiener FPÖ fordert Senkung der Strafmündigkeit auf zwölf Jahre“

In Verbindung mit geforderten Boot-Camps bin ich mir sicher, dass die Straßen und Schulen es bald auch sein werden – also sicher.

Ich warte ja nur drauf, dass bald der Hinweis kommt, Gefängnisse an sich wären eigentlich ziemlich teuer. Artikel 85 B-VG ist ja auch nicht in Stein gemeißelt, ebensowenig wie Alterslimits.

Da trifft es sich übrigens gut, dass die Deutschen auch in anderen Bereichen wieder einmal die Nase vorn haben. Die wollen nämlich gerne die TOR-Netzwerke verbieten. Damit keiner mehr potentiell unüberwacht im Internet herumsurfen kann.

Dass die “Reporter ohne Grenzen“ das nicht gut finden, braucht uns nicht zu wundern.

Aber trotz der vielen schwarzen Löcher dürfen wir zum Abschluss noch frohlocken, weil die wärmende KHB, nicht zu verwechseln mit dem schönen KHG, nun doch nicht von 150 Euro im Monat leben muss. Auch wenn ich mir sicher bin, dass sie das gerne im Sinne der Vorbildwirkung getan hätte. Aber wir gönnen ihr die rund 9.000 Euro netto bar auf die Kralle von ganzem Herzen, die sie insgesamt 6 Monate lang bekommt.

Was wir alle auf jeden Fall tun können, egal ob wir in einem Paralleluniversum gelandet sind oder nicht, ist beten. Jawohl – beten für unsere Politiker!

Die neue Webseite https://prayforaustria.at/ macht das möglich.

Ob du als Abgeordneter der FPÖ für dich selbst beten willst oder vielleicht doch für das fliegende Spaghettimonster, das gerüchteweise die Spaghettifizierung beim Eintritt ins schwarze Loch verhindern soll, bleibt dir überlassen.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.