#Brieferl No.210 – Eine türkise Geschichte voller Missverständnisse





Lieber Cousin Herbert,

die Leben ist doch, wie auch die Geschichte der Menstruation (wenn du dich vielleicht an den OB-Werbespot erinnerst), eine einzige Geschichte voller Missverständnisse.

Du erinnerst dich sicher an Text des Werbespots:

“Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Und auch heute noch ist dieses Thema für viele Frauen und Mädchen ein Tabu. Deshalb ist es mir wichtig für OB zu sprechen. Denn ein OB bleibt nicht außen vor wie Binden, sondern nimmt die Regel ganz natürlich da auf, wo sie passiert – im Inneren des Körpers. Man sieht nichts, man riecht nichts und außen bleibt alles angenehm sauber. OB – damit die Regel sauber und diskret abläuft“

Ist dir eigentlich schon mal aufgefallen, dass der OB-Schriftzug türkis ist? Zufall? Ich glaube nicht!

Ein geheimes Geheimdokument, das mir zugespielt wurde, konnte Aufklärung in die Sache bringen.

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Klein-Basti sitzt im zarten Alter von 8 Jahren immer gerne vor dem Fernseher. Die üblichen Kinderserien interessieren ihn nicht. Aber diese “Geschichte voller Missverständnisse“, die hat es ihm angetan. Langsam, aber sicher beginnt sich in den juvenilen Gehirnwindungen eine Idee zu manifestieren …

OB … OB … was könnte das bedeuten?

“Ohne Bedenken“? “Ohne Bodenhaftung“? “Ordentliche Brösel“? Oder vielleicht gar “Ohne Basti“?

Also, “Ohne Basti“ geht schon mal gar nicht, das weiß er. Was also tun, damit sich diese Horror-Vision der Unbotmäßigkeit nicht in den Köpfen der Familie, der Nachbarn, gar der ganzen Welt festsetzt? Da kann es nur eines geben: ab in die Politik!

Die Jahre vergehen und aus Klein-Basti ist seine Kürzlichkeit, der Basti-Heiland geworden. Die türkise Farbe hat sich in seinem Unbewussten festgekrallt wie eine Festplatte am Motherboard.

Und so kommt es, dass er aus der schwarzen ÖVP die türkise Volkspartei macht. Immer wieder träumt er in der Nacht von den entscheidenden Sätzen aus dem Werbespot. Und macht sie zum Programm.

Die Geschichte der Koalitionsbildung ist eine Geschichte voller Missverständnisse

“Wie bekomme ich es hin, dass ich mit der FPÖ koalieren kann und ich trotzdem gut dastehe?“ dachte sich seine Kürzlichkeit nach der Wahl 2017.

Die Lösung war im OB-Werbespot zu finden. Ein Missverständnis. Er ist ja nicht grundsätzlich abgeneigt, eine Koalition mit der SPÖ einzugehen und opfert sogar ein bisserl seiner wertvollen Zeit, um sich mit Christian Kern für “Sondierungsgespräche“ zu treffen.

Und kann er vielleicht etwas dafür, wenn es aus seiner Sicht “die meisten inhaltlichen Überschneidungen mit der FPÖ“ gibt? Eben!

Ein einziges Missverständnis also, dass er sich genau die FPÖ ausgesucht hat. Er konnte schlicht nicht anders.

Die Geschichte der gefälschten E-Mails ist eine Geschichte voller Missverständnisse

“Wie bekomme ich es hin, dass E-Mails, die ja eh gar nicht wirklich existieren, nicht negativ auf mich abfärben“ denkt sich seine Kürzlichkeit, als er mit Dingen konfrontiert wird, die ihm suspekt sind. Er weiß doch aus dem Werbespot, dass völlig egal ist, was im Inneren passiert. Wichtig ist, dass außen alles angenehm sauber bleibt!

Also lädt er zur Pressekonferenz, erzählt dort von gefälschten E-Mails und dem Resultat, nämlich dass er nun “schockiert“ sei. Passt. Außen alles sauber, denn immerhin kann er ein forensisches Gutachten vorlegen. OB sei Dank!

Die Geschichte des Schredders ist eine Geschichte voller Missverständnisse

“Wie komme ich aus der Schredder-Sache raus?“ fragt sich unser Basti, der ja weiß, dass es immer am wichtigsten ist, außen sauber zu bleiben.

Zu blöd, dass so viele Brösel an dieser Sache picken. Die dreifach geschredderten Brösel der fünf Druckerfestplatten sind ja eh ordnungsgemäß ins Bundeskanzleramt zurückgebracht worden. Die ist er schon mal los. Wie sollte er aber die Bröseln des Ungemachs los werden? Da fällt ihm wieder die “Geschichte voller Missverständnisse“ ein

Davon gibt es ja beinahe so viel, also von den Missverständnissen, wie Festplattenbrösel. Man muss sie den Wählern  nur ordentlich erklären.

Das erste Missverständnis ist bereits, das es sich dabei doch um einen “legitimen Vorgang“ handelt, den ja auch andere genauso durchgeführt haben.

Das zweite Missverständnis ist, dass er selbst das natürlich ganz anders in Auftrag gegeben hätte. Niemals hätte er dem Mitarbeiter geraten, seinen falschen Namen zu nennen und gar die Rechnung zu zahlen.

Das dritte und gravierendste Missverständnis aber ist, dass die nach außen hin saubere Volkspartei das alles ja nur deshalb gemacht hat – ja eigentlich gezwungenermaßen machen musste – weil doch der Silberstein im Jahr 2017 und die rote (!) SPÖ …. und überhaupt …

Schreddern: Kurz spricht von „Schlamperei“

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Na bitte! So ist das Mysterium der türkisen Farbe allen Missverständnissen zum Trotz endlich aufgeklärt.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela




2 Antworten auf „#Brieferl No.210 – Eine türkise Geschichte voller Missverständnisse“

  1. Wieso dann Kurz zuerst aus Silicon Valley von »normal» spricht, und dann, als Einwände kommen, von »Schlamperei«, zeigt, dass er einfach meistens lügt, bis man ihm auf die Zehen steigt.
    Er hätte – wäre er ein verantwortungsbewusster Politiker – ebenso sagen können, dass er sich das erst vor Ort anschauen müsse, oder erst Näheres erfahren.

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