#Brieferl No.246 – „Rouge ou Noir in Türkis“ oder „Es mahrert an allen Ecken und Enden“




Lieber Cousin Herbert,

ja, ich weiß! Eigentlich sollte ich mich um die Beschlagnahmungsaktion kümmern, weil noch unsicher ist, ob du oder doch eher die Karoline Edtstadler der Steffi Krisper von den Neos und der Anna Thalhammer von der Presse das Handy abknöpfen wollte. Aber das macht der nette Herr Peschorn, weshalb ich mich dem Casino-Deal rund um die Bestellung von Peter Sidlo widmen kann.

Ich bin nämlich so absolut fasziniert, dass die ÖVP nix, aber auch gar nix von dem mutmaßlichen Deal “FPÖ-naher Vorstand bei den Casinos Austria gegen neue Glücksspiellizenzen für die Novomatic“ gewusst haben will. Also habe ich mal wieder ein bisserl was zusammengetragen …

UNIQA, Basti und Löger

Wie wir bereits aus dem “Brieferl No.219 – Basti, Made in UNIQA“ wissen, war unser Basti zwar ab März 2010 bei der UNIQA beschäftigt, hat dort allerdings genau nix gearbeitet. Er sollte dort “politisch aufgebaut“ werden, hieß es damals auf Nachfrage, wenn die interessierte Kollegin wissen wollte, warum er denn als Außendienst-Mitarbeiter nix verkaufen musste.

Unter die Fittiche wurde er damals vom “Leiter des Exklusivvertriebs“, späteren UNIQA-CEO und nachmaligen (unter seiner Kanzlerschaft) Finanzminister Hartwig Löger genommen.

Leipnik-Lundenburger Invest, Sazka und Casinos Austria

Auch die LLI, die Leipnik-Lundenburger Invest, kennen wir bereits aus dem Brieferl No.219, weil die letztlich ihre Anteile an den Casinos an die Sazka (Lotteriegesellschaft in Tschechien) verscherbeln konnte.

Sazka-Chef Robert Chvatal war übrigens von der für ihn offenkundig politischen Bestellung des Peter Sidlo so dermaßen wenig angetan (“Mehr den Fokus auf Business und weniger auf die Politik“), dass er sich beinhart bei der Abstimmung für den neuen Vorstand der Stimme enthalten hatte.

Wen kennen wir bei der LLI?

Natürlich zuerst einmal den Josef Pröll, der seit 2011 Vorstandssprecher und 2014 Generaldirektor ist.

Gut, dass er von Dezember 2008 bis April 2011 für die ÖVP Vizekanzler und Finanzminister war und sich deshalb mit Politik und auch Finanzen auskennt.

Im LLI-Aufsichtsrat gibt es gleich zwei Herren, die wir zwar (noch) nicht näher kennen, die aber lustigerweise nicht nur für die LLI, sondern auch für die UNIQA umtriebig sind: Walter Rothensteiner und Gottfried Wanitschek.

Der Gottfried Wanitschek scheint überhaupt so eine Miniatur-Ausgabe des Harald “Chuck Norris“ Mahrer zu sein. Was der Herr Wanitschek nicht alles gleichzeitig machen kann!

– Aufsichtsrat bei der LLI
– Vorstand bei der UNIQA (seit 01.07.2011)
Präsident vom ÖAMTC (seit 08.06.2017)
Davon, dass er auch mal Aufsichtsrat bei der STRABAG vom Herrn Haselsteiner war und dort auch den Alfred Gusenbauer getroffen hat, will ich erst gar nicht anfangen.

Und stell dir nur vor: auch bei den Casinos Austria war er einmal im Aufsichtsrat, und zwar bis 2013. Schon irgendwie witzig, findest du nicht auch?

Der Walter Rothensteiner ist schon eher bekannt, ist er doch quasi das Gesicht der Raiffeisen. Zu schön eben, dass auch er bei der LLI ist. Und außerdem Vorsitzender des Aufsichtsrates der UNIQA.

Aber nicht nur das – er ist eh auch Präsident des Aufsichtsrates von den Casinos Austria.

Jöööö, scha nur! Da ist ja auch wieder der Pepi Pröll. Zwar nur 3. Vizepräsident im Aufsichtsrat, aber immerhin.

Also fassen wir zusammen:

Pepi Pröll ist bei der LLI und den Casinos Austria.
Gottfried Wanitschek war einmal bei den Casinos Austria und ist jetzt bei der LLI und der UNIQA.
Der oberste Raiffeisen-Chef Walter Rothensteiner ist wie Pröll bei LLI und Casinos Austria am werkeln. Außerdem halt auch noch bei der UNIQA.

Zufälle gibt‘s im Leben, nicht wahr? Aber nur weil man eben durch den Job verbunden ist, bedeutet das noch lange nicht, dass man auch irgendwie gut miteinander sein muss. Die reden wahrscheinlich noch nicht einmal miteinander.

Sport verbindet, vor allem in Union

Auch sportliche Aktivitäten sind dazu geeignet, zu verbinden. Das Motto der Sportunion lautet “Wir wollen sie bei dem Ziel, Menschen für sportliche Aktivitäten zu begeistern, bestmöglich unterstützen“, was sicherlich am besten mit professioneller Kommunikation funktioniert.

Unser alter Bekannter Hartwig Löger war ja Präsident der Sportunion und hat auch im Zuge der “70 Jahre in Bewegung – Sportunion Österreich feierte Jubiläum“ – Feierlichkeiten im Jahr 2016 seinen alten UNIQA-Kumpel Basti wieder getroffen.

So schön. Da war unser Basti ja bereits “Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres“. Ja, seine Erfolge, besonders im Bereich “Integration“, prägen Österreich, man möchte fast sagen ganz Europa, bis heute!

Aber nicht nur der Basti und sein UNIQA-Kumpel finden sich in der Sportunion wieder. Auch deine ehemalige Aufpasserin, die strenge Karoline Edtstadler, hat genug freie Zeit, um sich seit Herbst 2018 als Vizepräsidentin in der Sportunion zu engagieren.

Sie folgte übrigens in dieser Funktion der Bettina Glatz-Kremsner nach. Die kennen wir mittlerweile auch alle gut, ist sie doch am 01. Mai 2019 Generaldirektorin von Casinos Austria und Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Lotterien geworden. Am gleichen Tag, als auch Peter Sidlo eben seinen Vorstandsposten antreten durfte.

Schon auch schön, wenn Sport in der Union so viel mehr sein kann, als eben nur schnödes Sporteln selbst.

Die Casinos und die ÖBAG

Die Casinos Austria gehören nicht nur zu 17,19% der Novomatic und über Umwege zu 38,29% der tschechischen Sazka, sondern auch zu 33,24% der ÖBAG, also gewissermaßen dem Staat.

Wie jede Aktiengesellschaft muss auch die ÖBAG (Österreichische Beteiligungs AG) einen Aufsichtsrat haben, der, wie der Name schon sagt, das Treiben der Geschäftsführung (im Falle einer AG ist das der Vorstand) eben beaufsichtigt.

Das alleine ist schon eine schwere Aufgabe. Zudem haben Aufsichtsräte auch mit einem anderen Problem zu kämpfen und das ist die (im internationalen Vergleich) ausnehmend miserable Bezahlung. So verdiente der durchschnittliche Aufsichtsratsvorsitzende 2017 in Österreich nur 86.000 Euro pro Jahr. Da brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn es sich bei dabei nur um einen Zusatz- oder Nebenjob handeln kann!

Die ÖBAG besteht am geduldigen Elektro-Papier darauf, dass sie im Rahmen der “Integrität“ auch politisch unabhängig ist.

Was auch witzig ist, wenn wir uns den am Hungertuch nagenden Aufsichtsrat anschauen.

Den Karl Ochsner, seines Zeichens oberösterreichischer Unternehmer und Wärmepumpen-Erzeuger, kennen wir aus dem “Brieferl No.65 – Ja ja ja blau blau blau blüht die Bundesbahn dideldideldum“. Weil er doch neuerdings auch im Aufsichtsrat der ÖBB sitzt, was gar nichts damit zu tun hat, dass er Trauzeuge vom Bumsti bei dessen Verehelichung mit unserer Fipsi war.

Der Nächste auf der Liste, ein Herr namens Günther Helm, passt schon vom Typ her hervorragend zu den glatt-schleimigen Türkisen Basti und Blümerl.

“Ihm wird laut Presse ein enges Verhältnis zu Altkanzler Sebastian Kurz nachgesagt.“

Oe24 konnte glücklicherweise die geheime Geheim-Party am 1. Oktober 2018 dokumentieren, weshalb auch wir von der persönlichen Freundschaft zwischen Herrn Helm und seiner Kürzlichkeit wissen. Dass die Drogeriekette Müller, deren neuer Geschäftsführer Herr Helm ist, der ÖVP 45.000 Euro im Jahr 2019 überwiesen hat, ist sicherlich ausschließlich dieser Freundschaft und nicht dem ÖBAG-Aufsichtsratsposten geschuldet.

Dass die Nächste auf der Liste, eine Dame namens Iris Ortner, ihren eh sicher total mies bezahlten Job im Aufsichtsrat wegen der 191.000 Euro Spende im Jahr 2019 von Papas Firma (IGO) an die ÖVP bekommen hat, ist selbstverständlich ebenfalls auszuschließen.
Auch die 430.000 Euro im Jahr 2018 an die ÖVP sind sicher Bastis herzigem Gesicht geschuldet. Eher müssen wir ihr dankbar sein, dass sie den Job für die paar Netsch überhaupt auf sich nimmt!

Über Susanne Höllinger ist wenig bekannt. Sie ist seit 1. Jänner 2013 Vorstand der (zu Raiffeisen gehörenden) Kathrein Privatbank, hat sich in dieser Funktion 2019 ein Sabbatical genommen und darf eben auch die ÖBAG beaufsichtigen.

Jetzt, da wir wissen, dass die Jobs in österreichischen Aufsichtsräten grottenschlecht bezahlt sind, freue ich mich dir mitteilen zu können, dass der Walter Rothensteiner auch bei der Kathrein Privatbank den Vorsitz im Aufsichtsrat innehat. Auch eine Art Mini-Mahrer, der Herr Rothensteiner, das muss man ihm lassen.

Der letzte der Liste ist Christian Ebner, den du vielleicht persönlich kennst. War er doch Kabinettschef von Hubsi “the world in Vorarlberg is too small for me“ Gorbach. Eh schön, dass auch mal einer aus dem blauen und nicht dem türkisen Umfeld im Aufsichtsrat sitzt.

Ab- und Ausschluss

Zum Abschluss der kleinen Reise in die türkisen Netzwerke möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass weder der Basti noch unser Blümerl auch nur irgendwie hätten ahnen können, dass es einen Deal zwischen den Casinos, der Novomatic und der FPÖ gab. Und schon gar nicht mit der ÖVP!

Dazu kennen sich alle nicht gut genug. Da hat faktisch keiner etwas mit dem anderen zu tun. Wenn du nur an das 39 Tage Sondierungs-Gschisti-Gschasti mit den Grünen denkst, dann kann man das auch gut nachvollziehen. Da mussten sich ja auch alle erst kennenlernen und herausfinden, was die Anderen eigentlich so wollen.

Wichtig ist und bleibt einzig, dass unser Blümerl öffentlich ausgeschlossen hat, dass die ÖVP irgendwie irgendwas gewusst hat!

Und sollte sich irgendwie irgendwann doch herausstellen, dass er und seine allerheiligste Kürzlichkeit nicht nur etwas gewusst haben, sondern sogar beteiligt waren und sie ihre Polit-Koffer packen müssen, dann werden wir alle traurig sein und singen …

Liebe Grüße,
Cousine Daniela



7 Antworten auf „#Brieferl No.246 – „Rouge ou Noir in Türkis“ oder „Es mahrert an allen Ecken und Enden““

  1. f… my life. Ich bin schockiert,. Man denkt sich ja immer, das da jeder im Hintern von einem anderen steckt, aber das Ausmass ist erschreckend. Von Leistungsträgern kann man hier sicher nicht sprechen.

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