#Brieferl No.248 – Strachotnik – Über den Heldenmut eines Demokraten





Lieber Cousin Herbert,

ich weiß nicht, ob den Subbotnik kennst, jenen kommunistischen Arbeiter, der am Samstag unbezahlt gearbeitet hat. Lenin hat ihn im Artikel “Die große Initiative“ bereits im Untertitel “Über den Heldenmut der Arbeiter im Hinterland. Anlässlich der ‘kommunistischen Subbotniks‘“ geehrt.

Gut, das mit der Freiwilligkeit war manchmal nicht ganz so wie dargestellt, aber das ist auch für unseren heutigen Helden durchaus zutreffend …

Zuerst möchte dir jedoch berichten, wie ich überhaupt auf die Idee kam, dass es sich ausgerechnet bei unserem Bumsti um einen Helden handeln könnte:

Am 17. November 2019 hatte der Falter Chatprotokolle veröffentlicht, in denen wir Nachrichten zwischen unserem Bumsti und Herrn Sidlo, Hartwig Löger etc. bewundern durften.
Mir dünkte schon damals, dass da irgendwas nicht stimmt. Die Nachrichten selbst würden sicherlich ihre Richtigkeit haben. Es ist weder von einer Manipulation seitens der Informanten noch vom Falter auszugehen. Nichtsdestotrotz fiel mir etwas auf und dieses etwas müffelte.

Das, was müffelt, ist die Art der Formulierung. Man kann von allen Beteiligten halten, was immer man (nicht) mag, aber eines ist klar: sie wussten alle sehr wohl, dass das, was sie tun, zumindest moralisch fragwürdig wäre. Von einer möglichen Straftat (es gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung!) will ich erst gar nicht beginnen.

Besonders angetan hat es mir die Nachricht vom Bumsti am 5. April 2019.

Und auch die andere Nachricht an Löger, deren Datum nicht veröffentlicht wurde (was ich ein wenig eigenartig finde).

Wie schon im “Brieferl No.230 – Der “menschliche Faktor“ im Lügenmuseum“ war es auch bei diesem Gemüffle wieder der “menschliche Faktor“, der mir keine Ruhe gelassen hat.

Die Frage, warum man solche Dinge überhaupt schriftlich, also unter Hinterlassung von Spuren erledigt, lasse ich jetzt mal außen vor.

Die Frage ist viel eher: warum formuliert man so genau, so präzise, wenn man annehmen kann,dass der Chatpartner am anderen Ende eh genau weiß, worum es geht?

Warum schrieb Bumsti akkuratest “OeNb, FMA-neu, ÖBAG-Neu, ÖBIB/ÖBAG-neu, ÖBB, ASFINAG, Donau, Post, OMV, BIG“?

Üblicherweise verwendet man Handy eher Abkürzungen und Emojis wie den Löger-Daumen, ignoriert vielleicht sogar Groß- und Kleinschreibung. Er hat ja eben auch zb AR für Aufsichtsrat oder BK für Bundeskanzler geschrieben. Warum also so pingelig “ÖBIB/ÖBAG-neu“? Warum “OeNb“ und nicht schlicht “NB“?

Diese Frage hat mich zur einzig wahren Darstellung der ganzen Ibiza-Casino-Geschichte inspiriert, die ich dir exklusiv präsentieren darf:

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Seit 2010 war der glückliche Bumsti mit einem üppigen Spesenkonto versorgt. No na ned hat es ihm die Partei selbst genehmigt, wer denn sonst?

Im Oktober 2016 heiratete er, finanziell gut gepolstert, das ehemalige Model Philippa Beck, nachmalige Frau Fipsi Strache. Alles war happy, alles war peppi.

So verbrachte unser Bumsti viele schöne Jahre und konnte sich im Juni 2017 einen hübschen Ausflug nach Ibiza leisten, zu dem er sogar seinen Freund Joschi mitgenommen hat.

Natürlich konnte sich unser Bumsti gut an dieses Abenteuer erinnern. Noch lange schwärmte er gemeinsam mit Joschi von der Sonne und der feschen Nichte.

5. September 2018

Bumstis Göttergattin Fipsi wird Tierschutzbeauftragte und das freut nicht nur die Tiere, sondern auch das Geldbörsel der Familie Strache.

Allerdings gibt es erste Unmutsbekundungen innerhalb der Partei.

Vizekanzler-Gehalt, Spesenkonto, Entschädigung als Bundesparteiobmann und jetzt auch noch die Tiere. Wann genau auch noch ihr Job als Social Media Beauftrage für den Göttergatten zum Luxusgehalt dazu kam, weiß selbst die Partei nicht mehr genau.

Aber einigen geht schon langsam das G‘impfte auf. Wegen der unverhohlenen Protektion für Fipsi. Bumsti ahnt langsam, dass es irgendwann eng werden könnte. Zu gut kann er sich auch noch an seinen Ausflug auf die Baleareninsel erinnern. Ebenso ist ihm bereits zu Ohren gekommen, dass er dort gefilmt wurde … Es war abzusehen, dass der Status Quo in dieser Form nicht mehr lange aufrecht zu erhalten sein würde.

Und eines war klar: er würde weder sich selbst noch seine Fipsi retten können. Aber noch etwas anderes war klar: wenn er untergehen würde, dann sicherlich nicht alleine.

Er war zwar Nutznießer eines Systems, das er selbst lange Zeit mitgestaltet hat. Aber es gab noch ganz andere Kaliber, die viel mehr genascht hatten und noch viel besser vernetzwerkt waren als er. Und warum sollte er der Einzige sein, der abbeißen sollte?

Und Bumsti fasste einen Entschluss: wenn er schon nicht mehr zu retten wäre, dann könnte er wenigstens zum Helden avancieren. Indem er im Detail und dennoch unauffällig die Öffentlichkeit über Vorgänge informiert, die bisher so noch niemand kannte. Wichtig war neben den Details, dass er keinesfalls irgendwelche Akten vernichten oder die Handynummer tauschen würde.

Die Ermittler würden alles finden können und sie sollten sehen, wer mitverantwortlich ist. Vor allem, welche Netzwerke die Türkisen seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten spinnen und aufbauen.

5. April 2019

Bumsti schreibt betreffend der Casino-Besetzung eine Nachricht, die jeder, wirklich jeder verstehen wird, wenn sie irgendwann öffentlich werden sollte.

11. April 2019

In seiner Videobotschaft bei der Romy-Gala sagt Jan Böhmermann:

“Ich hänge grade ziemlich zugekokst und Red-Bull betankt mit ein paar FPÖ Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchenvilla auf Ibiza herum – und verhandle darüber, ob und wie ich die Kronen Zeitung übernehmen kann und die Meinungsmacht in Österreich an mich reißen kann. Aber darüber darf ich leider öffentlich nicht reden …“

Bumsti ist nicht überrascht. Er selbst weiß zu diesem Zeitpunkt längst von dem Video.

17. Mai 2019

Ausschnitte des Ibiza-Videos werden veröffentlicht. Klar ist, dass unser Bumsti gehen muss. Und noch mehr ist ihm klar, dass das alles so nicht in Ordnung ist. Ja natürlich, er hat einen Fehler gemacht.

Aber die Machenschaften der ÖVP, die all das längst umgesetzt hatten, wovon er auf Ibiza nur träumen konnte, sollen nicht ungesühnt bleiben. Und noch weniger wird er sich mit der Rolle des Bauernopfers abfinden. Wozu auch? Dankbarkeit ist nicht nur keine politische Kategorie, sondern im Leben generell selten.

4. Juni 2019

Die Casino-Affäre rund um die Bestellung des Peter Sidlo gegen Glücksspiellizenzen für die Novomatic kommt ins Rollen (für alle gilt die Unschuldsvermutung).

6. Juni 2019

Wie die Öffentlichkeit erst am 15. August 2019 erfahren wird, ist Bumsti Opfer einer Erpressung geworden. Jemand hatte behauptet, dass er das ganze Video hätte und weitere Ausschnitte veröffentlichen würde.

13. August 2019

Bumstis Handy wird erwartungsgemäß beschlagnahmt.

14. August 2019

Die Casino-Affäre nimmt weiter Fahrt auf.

20. August 2019

Die Öffentlichkeit erfährt von den üppigen Spenden der Heidi Horten an die Türkisen.

12. November 2019

Gernot Blümel schließt in der ZIB2 aus, dass die ÖVP irgendwas vom Casinos-Austria-Deal gewusst haben soll.

20. November 2019

Neben den in die Casino-Affäre verstrickten Herren wusste auch Norbert Hofer Bescheid.

21. November 2019 (heute)

Auch Gernot Blümel scheint von der Casino-Affäre gewusst zu haben.

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Und so kam es, dass unser Bumsti zum Strachotnik, einen Helden der Demokratie mutierte. So wie der Subbotnik seine heldenhaften, samstäglichen Arbeiten nicht ganz freiwillig verrichtete, so wurde auch unser Bumsti eher zwangsweise zum Helden. Dem wir dennoch ein einzigartiges Sittenbild der Republik zu verdanken haben.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela



4 Antworten auf „#Brieferl No.248 – Strachotnik – Über den Heldenmut eines Demokraten“

  1. Ich verstehe einiges nicht:
    Wenn Bumsti wirklich erpresst wurde, wäre es eine große Trottelei gewesen, sich für ein Regierungsamt zu bewerben. Er musste befürchten, jederzeit auffliegen zu können. Dagegen war doch das Damoklesschwert ein Taschenfeitl, und ich traue ihm Größe nicht einmal in Trottelhaftigkeit zu. Dass er die Erpressung nicht angezeigt hat, ist eher nachvollziehbar, da er geil auf das Posterl war.
    Auf der anderen Seite behauptet er, nicht erpresst worden zu sein. Dann dürfte Erpressung auch kein Haftgrund sein für die tapferen Menschen, die für mehr Hygiene in diesem Land gesorgt haben..
    Auf jeden Fall steht fest: Für die Situation, in der Österreich sich nun befindet, ist einzig und alleine Seine Durchlauchtigkeit, Prinz Sebastian der Erste und Größte, verantwortlich. Aber das ist anscheinend eine andere Geschichte.

    1. Herr Winter, da wäre ich mir nicht so sicher. Es ist auch eine Art Machtbesessenheit, die den Bumsti damals angetrieben hat. Und er konnte sich nie sicher sein, dass das Video eines Tages mal veröffentlicht werden würde. Also: Solang ich kann, nehm ich alles an! Zumindest kann er nun stolz behaupten, mal ein Vizekanzler gewesen zu sein. Man sollte nicht glauben, wie hoch das in bestimmten Kreisen geschätzt wird. Und natürlich trägt der Studienabbrecher auch seine Mitschuld an der derzeitigen Situation. Aber wollen wir nicht jammern: Es ist doch eine ganz brauchbare Regierung zurzeit am Werk. Hoffentlich dauern die Koalitionsgespräche noch sehr sehr lange. 😉

  2. jaha, das klingt schon alles sehr wahrscheinlich! (und wie immer exzellent recherchiert und aufbereitet)! Nur: Bald haben wir wieder den Bundesbasti, die Koglergrünen werden daran zerbröseln, der SPÖ fällt weiterhin nix ein und dem Österreichischen Wählerinnen und Wählern isses wuaschd! Ach ja, seufz!

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