#Brieferl No.270 – Corona – Ja was denn nun?





Lieber Cousin Herbert,
ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber mir geht diese Corona-Sache schon gehörig auf die Nerven! Nicht einmal so sehr, dass das Virus da ist, sondern dass ich ständig unterschiedliche Informationen, diametral andere Meinungen und Expertisen lesen muss.

Tag für Tag lesen wir von einem neuerlichen Anstieg der Infektionen. In China sind die Fälle so hoch wie im April, in Belgien stieg Zahl der registrierten Infizierten binnen einer Woche um 71 Prozent und von den mehr als 4 Millionen Infizierten in den USA und fast 150.000 Toten mag ich erst gar nicht anfangen.

Das Hin und Her der Regierungen, von totalem Lockdown über „Jetzt …, nachdem wir die Menschen vor der Gefahr um ihr Leben geschützt haben, oder sie sich selbst …“ bis zum aktuellen „setzen wir die Masken doch wieder auf“, lässt auch nicht darauf schließen, dass die wirklich wissen, was sie tun.

Zudem die Maskenpflicht ja nicht dort gilt, wo es nachgewiesene Fälle wie zB in Kirchen gibt, dafür aber im Supermarkt, „weil dort jeder hin muss“.

Wer bitteschön kennt sich denn schon aus und ist selbst Experte? Eben, so gut wie keiner. Also müssen wir uns auf Experten verlassen und außerdem den Regierungen vertrauen, dass die schon wissen, was sie uns vorschreiben.

Ein Thema – drei Artikel

Mir persönlich gruselt es schon vor September, wenn die Kinder wieder in die Schule gehen müssen. Da habe drei Artikel dazu gefunden:

1) Eine Studie in Israel hat gezeigt, dass sich fast 30% der Neuinfizierten in einer Bildungseinrichtung angesteckt haben.

Dieser Artikel ist irgendwie symptomatisch. Wir kennen zwar Zahlen, aber keine Details. Welche Bildungseinrichtungen genau? Immerhin kann da alles reinfallen, vom Kindergarten bis zur Privatuni. Waren es Schüler oder Lehrer oder bunt gemischt?

2) Ein US-Professor erklärt, dass vor allem kleine Kinder kaum infektiös sind und er deshalb die Schulen aufsperren würde.

3) In Kanada ist die Mehrheit der Neuinfektionen zuletzt bei Menschen zwischen 20 und 39 Jahren aufgetreten.

Wie kommt es, dass wir das Gefühl vom planlos im dichten Nebel irrfahrenden, vor sich hin tuckernden Corona-Schiff haben und was weiß man eigentlich wirklich?

Dazu habe ich ein kleines Interview mit Dr. Marcus Franz geführt. Wir sind zwar politisch oftmals nicht einer Meinung, aber vielleicht ist genau das der Grund, warum wir uns gut verstehen. Besser gut gestritten, als schlecht gekuschelt.

Das Interview mit Dr. Marcus Franz

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Dani: Lieber Marcus, danke für deine Zeit. Meine erste und wichtigste Frage an dich: wie kommt es, dass ich zu jeder noch so konträren Meinung, also beispielsweise Pro und Contra Gesichtsmaske, garantiert einen Experten finden kann, der meine Ansicht bestätigt?

Marcus: Stets zu Diensten, liebe Dani! Ja, dein Eindruck ist völlig korrekt. Um es kurz zusammenzufassen: das meiste von dem, was wir wissen, haben wir unter Laborbedingungen herausgefunden. Das ist wichtig und richtig, nur hat es eben nicht unbedingt mit der Realität des echten Lebens zu tun.

Dani: Kannst du das bitte näher erklären?

Marcus: Ja freilich. Zunächst einmal müssen wir wissen, dass das menschliche Immunsystem sehr komplex ist. Wir verfügen über ein zelluläres und ein humorales Immunsystem.
Das humorale System produziert Antikörper, die körperfremde Eindringlinge erkennen und unschädlich machen.
Das zelluläre Immunsystem arbeitet mit Enzymen im Gewebe und die sind möglicherweise stärker ausgeprägt, als man annehmen könnte. Weil es viele Infizierte gibt, die keinerlei Symptome aufweisen.

Dani: Aha. Okay. Und was bedeutet das jetzt für mich als Laien?

Marcus: Dass alles sehr komplex ist. Es gibt viele Kriterien, die berücksichtigt werden müssen. Wenn du beispielsweise an (Impf)Versuche mit US-Soldaten denkst, dann können wir davon ausgehen, dass das alles junge Männer waren. Die Bevölkerung ist aber vielschichtig. Da gibt es Junge und Alte, Frauen und Männer, Dünne und Dicke.
Dazu kommt, dass beispielsweise die Population in Grönland schon ein bisserl anders aufgestellt ist als eben wir Österreicher. Es kommt auf genetische Faktoren ebenso an wie auf Immunitätsfaktoren. Impfnaive Gruppen, also solche, denen bisher kaum andere Impfungen verabreicht wurden, werden grundsätzlich anders auf Corona reagieren als eine gut geimpfte Gruppe. Hier haben wir einen schönen Artikel dazu:

Welche Rolle spielt die Kreuzimmunität bei Sars-CoV-2?

Dani: Alles also nicht so einfach …

Marcus: Ja genau. Dazu kommt, dass jede Studie, die durchgeführt wird, als ersten Schritt ein sogenanntes Studiendesign braucht. Damit kannst du schon mal sehr genau einschränken, was du erforschen willst bzw. zu welchem Ergebnis du wohl gelangen wirst.

Dani: Ich lese häufig von Firmen, die eben an einem Impfstoff arbeiten und dann auch wieder von Universitäten. Bei den Firmen habe ich immer ein bisserl die Angst, dass der Fokus zu sehr auf raschem Geldverdienen liegt.
Es gab ja schon einige Fälle in der Medizingeschichte, die sich nachträglich als falsch erwiesen haben. Die Lobotomie oder Contergan würden mir einfallen.

Marcus: Man denke nur an den Aderlass! Da wurde jungen, blassen Frauen das Blut entnommen und dann hat man sich gewundert, dass sie dennoch (!) verstorben sind. Das Gleiche gilt sinngemäß auch für die Entfernung der Mandeln. Die Mandeln sind nicht zum Spaß im Körper, sondern der erste Wächter für Stoffe, die wir über den Mund zu uns nehmen. Und ja, mein Vertrauen in universitäre Einrichtungen ist auch größer.

Dani: Was machen wir jetzt mit dem Corona generell? Was ist denn deiner Ansicht nach die beste Strategie?

Marcus: Abstand halten und Hände waschen! Es war doch früher auch schon so, dass wir die Einladung eines Freundes, der gerade an einer Magen-Darm-Grippe litt, lieber ausgeschlagen haben. Weil wir ihn nicht belasten wollten und natürlich auch, weil wir uns selbst nicht anstecken wollten! Also eigentlich wissen wir eh genau, was zu tun ist. Aktuell kommt halt dazu, dass wir die Infektion nicht erkennen können bzw. die Betroffenen oft selbst nicht wissen, dass sie infiziert sind. Also sollten wir sicherheitshalber bei jedem Abstand halten. Und Hände waschen nicht vergessen!

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Scio nescio – Ich weiß, dass ich nichts weiß

Ich habe also für mich folgende Schlussfolgerung getroffen:

eigentlich wissen wir zu wenig, um wirklich was zu wissen. Wenn der erste Impfstoff heraus kommt, werde ich mich sicherlich nicht vordrängen, auch wenn ich generell ein Fan von Impfungen bin und diese bisher auch immer gut vertragen habe.
Die empfohlenen Maßnahmen wie Abstand halten und Hände öfter und bewusster als früher zu waschen, finde ich mehr als erträglich. Und wenn ich in geschlossenen Räumen bin, wie beim Einkaufen, dann trage ich eine Maske und Handschuhe.

„Hilft‘s nix, schad‘s nix“ lautet meine persönliche Devise.

 

Das Einzige, was mich aktuell wirklich ärgert, ist die Aussicht der Schulöffnungen im September. Es wird zwar angenommen, dass kleine Kinder weniger oft selbst erkranken und auch keine Spreader sind. Allerdings kenne ich von meinen Kinder auch, dass sie gerne mal Schnupfen und Grippe aus der Schule mitbringen. Das haben beide zwar immer relativ rasch überwunden, dafür sind dann die Eltern außer Gefecht.

Übrigens ist in Belgien eine 3-Jährige an Corona verstorben, wenngleich das Mädchen Vorerkrankungen hatte. Tragisch genug und ganz so, dass Kinder mehr oder weniger immun sind, wird es dann wohl auch nicht sein.

Außerdem: wenn Kinder nicht infektiös sind, warum durften sie dann die Großeltern keinesfalls besuchen? Das hatte man uns doch erzählt, dass dies unbedingt zu unterlassen sei!

Auch gibt es – ich bin fast versucht NO NA NED zu sagen – Studien, die belegen, dass Kinder sehr wohl Spreader sind!

Und was ist mit den Corona-Partys? Wären die lieben Jungen nicht auch infektiös, tät sich wohl keiner bei einer solchen „Feierlichkeit“ anstecken können!

Warum gibt es keine Alternativen?

Aber auch wenn oder gerade weil wir eigentlich wissen, dass wir eh nix wissen, warum werden dann keine Alternativen aufgebaut?

Warum man nicht, und sei es „nur“ für den Fall des absoluten erneuten Lockdowns, wie er gerade in Australien stattfindet, eine Online-Lern-Strategie entwickelt hat, erschließt sich mir in keinster Weise!

Das halte ich den Regierungen vor, dass sie es nicht geschafft haben, über die Ferien bzw. seit Beginn des Lockdowns eine Infrastruktur zu schaffen, die einerseits den Kindern auch das Lernen von zu Hause aus ermöglicht und andererseits das Problem der Kinderbetreuung entschärft.

Jedem Schulkind ein Tablet in die Hand zu geben und jeden Tag regulären Unterricht über Zoom oder einen anderen Dienst anzubieten, wäre technisch möglich. Wohl auch finanziell. Bleibt die Frage offen, warum man das nicht gemacht hat …

Liebe Grüße,
Cousine Daniela



2 Antworten auf „#Brieferl No.270 – Corona – Ja was denn nun?“

    1. ich glaube, es ist komplexer … eine Strategie für Online-Lernen würde auch eine Strategie für Home-Office brauchen. weil man doch selten die Kinder alleine zu Hause lassen kann. Es bräuchte wahrscheinlich ein bisserl Umkrempeln der Gesellschaft in fast jedem Bereich und das traut sich wahrscheinlich keiner angehen. Sofern sie es sich überhaupt durchgedacht haben … 🙁

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