#Brieferl No.304 – Brieferl schreiben, aber richtig




Lieber Cousin Herbert,
gestern wurde ich von einer Gefühlsregung überwältigt, die ich mir so hätte nicht träumen lassen. Ich hatte Mitleid. So richtiges Mitleid!

Nein, nicht mit den Tirolern, obwohl die auch viel davon brauchen könnten mit den Politikern, die bekanntlich immer alles richtig machen.

Auch nicht mit den vielen Menschen, deren Existenz dank der Corona-Hilfsmaßnahmen so nachhaltig beschädigt wurde, dass sie noch nicht einmal den Tunnel finden, hinter dem das Licht sein soll.

Nein! Es war unser Basti, der völlig unerwartet Objekt meines Mitleids wurde!

Da hat er gestern ein Brieferl an die WKStA (Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft) zusammengebastelt und kann sich dabei nicht einmal an die einfachsten Regeln halten!?!?

Ich war ja felsenfest davon überzeugt, dass das ein Fake ist. Ja, sogar sein MUSS, weil so hoppatatschig kann sich doch keiner anstellen! Aber nein! Ich habe mich offenbar geirrt!

Der Arme! Ich mein, man weiß ja, dass er bildungstechnisch nicht sehr viel Ausprägung erfahren hat. Aber dass er nicht einmal weiß, wie man ein Brieferl schreibt, das ist schon besonders traurig.

Wie du dich sicherlich erinnern kannst, hatte ich im Mai 2020 einen Urlaubsplan für den Sommer ausgearbeitet. Tatsächlich hatte sich jemand angemeldet, der aber dann wegen diverser Covid-Maßnahmen leider doch nicht kommen konnte.

Jedenfalls hatte ich für die damalige Abendgestaltung bereits Workshops und Seminare ausgearbeitet.

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Der Leprechaun mit dem Goldtopf
und
Gernot Blümel mit dem Budgettopf

Ausarbeitung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede

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Anmietung von Spike Island?
Vor- und Nachteile einer fernen Gefängnisinsel an Beispielen von möglichen künftigen Bewohnern wie dem schönen KHG und anderen.

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Flexible Meinungsgestaltung – Koalition versus Opposition.
Ein Grundkurs in angewandter Politrhetorik.
Wahlweise mit Sigi Maurer oder Herbie Kickl

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Dass ich jetzt aber auch noch einen Kurs mit dem Titel

Brieferl schreiben, aber richtig

ins Programm aufnehmen muss, hätte ich mir auch nicht gedacht. Aber ich will mal nicht so sein und dem Basti ein bisserl auf die Sprünge helfen. Mit einem kleinen Grundkurs.

Brieferl schreiben, aber richtig

1) Wem schreibe ich überhaupt?

Brieferl schreibt man üblicherweise nicht, weil einem gerade fad im Kopf ist, sondern weil man jemandem etwas mitteilen will. Dazu müssen wir am Anfang die Frage klären, WEM ich etwas schreiben will.

Davon hängt der Stil des Geschriebenen und vor allem auch die eigene Position ab, aus der heraus man ein Brieferl schreibt.

Wer beispielsweise an die WKStA schreibt, ist entweder ein Whistleblower oder einer, der in irgendeiner Art und Weise in deren Visier geraten ist.
Als Whistleblower sollte man entweder anonym ein Brieferl schreiben (das aber immer noch Fingerabdrücke o.ä. enthalten kann) oder aber die Webseite im Hinweisgebersystem verwenden.

Ist man allerdings ins Visier der WKStA geraten, dann sollte man zuerst wissen, was Korruption (aus dem Lateinischen “corrumpere = verderben“) überhaupt ist. Korruption ist Unehrlichkeit und/oder illegales Verhalten von Menschen in Autoritäts- oder Machtpositionen.

Was schließen wir haarscharf daraus? Es muss eine Autoritäts- oder Machtposition vorliegen, damit es überhaupt erst irgendwie zu Korruption kommen kann. Eine Privatperson kann maximal als Korrumpierender, nicht aber Korrumpierter davon betroffen sein.

Das führt uns zur nächsten Frage.

2) Wer oder was bin ich eigentlich?

Aus philosophischer Sicht kann ich das Buch “Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ von Richard David Precht empfehlen. Das Werk ist aber NICHT Voraussetzung zum korrekten Schreiben von Brieferln!

Wenn man also z.B. ein Brieferl an die WKStA schreibt und das als jemand tut, der eine Position innehat, die dazu geeignet sein kann, anfällig für Korruption zu sein, bezeichnet man klar das innehabende Amt, aus welchem sich dieser Tatbestand ergibt!

Das bedeutet, dass man nicht einfach mit Maxi Mustermann unterschreibt, sondern eben

Mag. Dr. Prof. Maxi Mustermann
Präsident der Vereinigten Bundesländer inklusive Ibiza

Wer keinen akademischen Grad hat oder aber diesen mit Seepocken garnierte und deshalb dessen verlustig gegangen ist, der schreibt eben nur den Namen.
ABER: man schreibt immer die Funktion, den Posten dazu, weil sonst macht es ja keinen Sinn!

3) Absender und Briefpapier

Wer ein echtes Brieferl schreibt, der schreibt seinen Absender dazu! Damit der Empfänger nämlich gegebenenfalls antworten kann. Und auch aus Gründen der Höflichkeit!

Besonders schön und auch angebracht ist es natürlich, wenn der Amtsträger ein hübsches Briefpapier hat. Sollte man nicht mehr auf einem hübschen, einträglichen, jedoch mit Briefpapier ausgestatteten Posten sitzen, so kann man Selbiges ruhig mitgehen lassen. Ein handschriftliches „a.D.“ (= außer Dienst) reicht aus und ab geht die Post!

4) Eigenhändige Unterschrift

Wie auch in dem unter Punkt 4) beigelegten Beispielbrief ersichtlich, unterschreibt man echte Brieferl auch in echt!

Womit man auch die Herzen der Redlichen gewinnen kann, ist ein gänzlich handgeschriebenes Brieferl.

Ich tät ja an Bastis Stelle zurückrudern und irgendein Mitglied eines “roten Netzwerks“ beschuldigen, diesen Brief verfasst und an die Medien geleakt zu haben. Damit ich nicht gar so hoppatatschig dasteh!

Außerdem tät ich nicht wollen, dass die Leute erfahren, dass ich glaube, dass es “falsche Fakten“ gibt. Weil sonst wäre ich, stichhaltigen Gerüchten folgend, doch um nix besser als der orange König der “Fake News“. Und das tät ich echt nicht wollen!

Liebe Grüße,
Cousine Daniela




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