#Brieferl No.102 – Pumas, Druckerschwärze, Zombies und Cojones

Lieber Cousin Herbert,

mir ist da etwas zu Ohren gekommen, das ich heute gerne mit dir besprechen will. Es geht um die Grenzschutztruppe PUMA.
Nein, das mit der Bezahlung bzw. der Nicht-Bezahlung des komischen Logos ist es nicht. Find ich eh total super, dass das Ministerium dieses Logo geschenkt bekommen hat. Und dass du einmal an der Firma beteiligt warst, ist auch völlig uninteressant.

Auch geht es nicht darum, warum der Puma im Logo ein rundes Loch im hinteren Bereich seines Körpers hat. Ich will da auch gar keine Spekulationen anstellen!

Ich habe mir die ganze Zeit über die Frage gestellt, warum diese Einheit denn überhaupt PUMA heißt? Der deutsche Sportartikelhersteller wird vielleicht wenig Freude damit haben, aber das haben wir ja bereits besprochen.

Ich wurde von einem aufmerksamen Leser auf einen Zufall aufmerksam gemacht, der zufälliger nicht sein könnte. Früher, also so etwa vor 80 Jahren, gab es doch gut organisierte Jugendgruppen. Und die hatten nicht nur fesche Uniformen, die hatten auch Messer. Wenngleich diese kein vorgeschriebener Bestandteil der Uniform waren. Dafür hatten die Messerklingen das Motto „Blut und Ehre!“ eingeätzt und das Hakenkreuz war sowieso drauf.
Und willst du wissen, von wem diese Messer produziert wurden? Na rate mal. Von einer Firma namens Puma … Na ja, wird eben wirklich ein einzelfälliger Zufall sein.

Ich freue mich jedenfalls besonders, dass Burschenschaften jetzt mit fast 40.000 Euro gefördert werden. Die brauchen sicherlich viel Geld, alleine schon wegen der vielen schwarzen Stellen in den offiziellen Ausgaben ihrer Liederbücher. Druckerschwärze ist bekanntermaßen nicht billig. Und dann muss eben auch noch bedenken, dass sie ja faktisch alles doppelt drucken müssen – einmal ungeschwärzt für die interne Verwendung und einmal geschwärzt zum Herzeigen für Neugierige.

Da ist es auch verständlich, dass der Frauenring wegen der „derzeit angespannten budgetären Situation“ eine Absage für Fördermittel erhalten hat. Da in dieser Förderabsage der Betrag nicht drinnen steht, habe ich mir gedacht, ich rufe einfach im Ministerium an und frage nach, wieviel Geld diese unverschämten Weiber eigentlich wollten. Stell dir nur vor, es waren ungeheuerliche 17.300 Euro!!!! Und das für das ganze Jahr!!!!

Dass bei Frauen eingespart wird, ist völlig in Ordnung, vor allem wenn man bedenkt, was beispielweise das 2-tägige Treffen der EU-Innen- und Justizminister gekostet hat.

Verpflegung: knapp 111.000 Euro
Hotelkosten: rund 54.400 Euro
Konferenztechnik: etwa 65.000 Euro
Willkommensempfang: 44.000 Euro
Dolmetscher: 12.000 Euro

Ich weiß ja nicht, was die Herrschaften so essen und trinken, aber 111.000 Euro an Verpflegung erscheint mir doch ein wenig üppig. Na ja, vielleicht war das auch wieder das eine oder andere Fläschchen Champagner mit im Spiel.

Ihr habt es ja momentan echt nicht leicht. So als Partei meine ich. Zum einen entsendet ihr zwei Parteifreunde nach Kambodscha, damit die dann feststellen, dass die Wahl eh total super verlaufen ist. Dass der eine davon übrigens “von Human Rights Watch als ‘Zombie-Wahlbeobachter‘ bezeichnet“ wird, braucht uns an dieser Stelle nicht zu irritieren.

“Zombie-Wahlbeobachter“ – ich muss gestehen, dass ich dieses Wort noch nie gehört habe. Hat aber was! Das ist übrigens jemand, der „versucht einer Wahl Legitimation zu verleihen, die keine verdient.“
Kambodscha muss euch förmlich als Paradies erscheinen: Keine Oppositionsparteien mehr, oppositionsnahe Medien geschlossen – traumhaft! Das einzige kleine Problemchen daran ist halt, dass es außer euch niemanden gibt, der das gut findet. Gut, der Basti vielleicht auch, oder auch nicht, man weiß es nicht.

Zum anderen müsst ihr euch auch noch mit den Parteiaustritten im Burgenland herumschlagen. Deine mittlerweile ehemalige Parteifreundin Maria Nakovits hat es schön auf den Punkt gebracht:

“Weil uns beim 1.-Mai-Bürgerfest freiwillig (!) ein Asylwerber geholfen hat, wurde mir zugetragen, dass dieser Umstand für Irritation bis
in die höchste Landesparteispitze gesorgt hat.
Sowas passt ja nicht zur FPÖ, musste ich mir sagen lassen.“

“Meine klare Erkenntnis nach zwei Jahren Parteizugehörigkeit und Einblick in den politischen Alltag lautet: Politiker auf Landesebene sind vollkommen überbezahlt! Der Mangel an Sachkompetenz, strategischem Denkvermögen und Gestaltungskraft steht in einem krassen Widerspruch zu den Megagagen, die mit Steuergeld bezahlt werden.“

“Man kann sagen, die FPÖ ist genau das, was die Parteileitung seit Ewigkeiten an SPÖ und ÖVP kritisiert: eine System- und Funktionärspartei klassischen Zuschnitts.“

Das tut mir zwar wirklich furchtbar leid für euch, dass ihr dermaßen bloßgestellt wurdet, aber wundern tut‘s mich ja nicht. Was mich aber wundert und womit ich selbst niemals gerechnet hätte, ist, dass ich jemanden aus der FPÖ einen Preis verleihe, der nicht der “saure Apfel“ ist.

*Trommelwirbel * bumm bumm bumm *

“Goldene Cojones erster Güte“ für Maria Nakovits,

Weil sie den Mund aufmacht
Weil sie sich nicht für deppert verkaufen lässt
Weil sie Anstand hat

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

6 Antworten auf „#Brieferl No.102 – Pumas, Druckerschwärze, Zombies und Cojones“

  1. Toll, diese Frau Nakovits! Ich hoffe noch auf viele Parteiaustritte bei Blau und Türkis! Ich hab ja unlängst „meinem“ Landeshauptmann Schützenhöfer geschrieben, dass ich furchtbar enttäuscht von ihm bin. Weil er sich so beim Basti einschleimt. Bis jetzt keine Reaktion vom Herrn LH. Der bräuchte Cojones, keine Goldenen, nein! Überhaupt welche, so ohne Cojones wird ihn so schnell keiner mehr wählen!

  2. Liebe Daniela, mit großer Begeisterung lese ich beinahe jeden Tag Deine Brieferl. Gerne möchte Ich zum heutigen, über die demokratischen Wahlen in Kambodscha etwas ergänzen. Herr Hübner, hat bemerkt das in diesem Land die Wahlen besser und vor allem korrekter abgelaufen sind, als die Wahlen zum Bundespräsidenten unserer Republik. Was muss ihm widerfahren sein, um das zu sagen? Aber was soll’s man ist ähnliche Kommentare aus dieser Ecke scheinbar ja gewöhnt. Worauf ich schon längere Zeit warte, wann und vor allem wer, wird das erste Opfer in diesem irrsinnigen Klub sein? Liebe Grüße aus dem Burgenland Christian Franc

  3. Hallo Dani,
    Danke für den tollen Brief an den Pferdibert. Ich finde, die Saulus-Paulinchen-Wandlung der Maria Nakovits super. Wir hatten auch einen solchen Fall in Kärnten. Ein Lehrer (FPÖ-Jünger ersten Ranges) hatte einen Flüchtlingsbuben in der Klasse. Der hat seine Geschichte erzählt und dann ist der Mann aus der Partei schnurstracks ausgetreten. Es gibt auch noch Leute mit Hirn und Herz. Bussal Brix

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