#Brieferl No.256 – Vorerst logisch




Lieber Cousin Herbert,
es ist wirklich nicht leicht momentan. Insgesamt.

Die gesamte türkise Buberl- und Mäderlpartie (ich borge mir das ja soooo gerne von dir aus) mit dem neuen grünen Farbtupfer hatte sich die Regierungszeit sicherlich anders und gemütlicher vorgestellt.
Gerade der Rudi Anschober kommt besonders dran.

Anstatt nur hin und wieder

ich bin die Wärme

zu verlautbaren, muss er sich mit Erlässen herumschlagen. Wundert es dich, dass ob einer derartigen Erwartungs-Realitäts-Kluft nicht alles so pipifein läuft, wie es sollte?

Wobei … wenn man den getreuen Fans von Basti & Werner sowie Gustl & Sigi glaubt, dann leisten sie schier übermenschliches, weshalb eh alles mehr als nur super ist und allen eigentlich ein Denkmal gebührt.

Es kann sein, dass die Begeisterten entweder immer blind und hörig hinterherlaufen oder aber von jener Sorte sind, die noch immer jedem Piloten nach geglückter Landung frenetischen Applaus spenden.

Es aber auch kann sein, dass diese hingebungsvolle Begeisterung einer Art Quarantäne-Stockholm-Syndrom geschuldet ist. Die Auswirkungen sind ja mittlerweile dramatisch.

Es war wahrscheinlich ihr verächtliches Kopfschütteln, das den Verfasser dieses Tweets dermaßen in Verzückung versetzt hat.

Wahrscheinlich sind es dramatische Auswirkungen wie diese, die dafür gesorgt haben, dass die Ausgangsbeschränkungen, die ja eh gar nicht so gemeint waren, oder vielleicht doch eh, nur halt inkompetent oder bizarr formuliert, oder auch nicht, wer weiß es schon, nun gelockert werden.

Fraglich, ob das so die beste aller Ideen ist. Es ist nämlich gar nicht so, dass wir bereits von Sigi „nachdem wir die Menschen vor der Gefahr um ihr Leben geschützt haben“ & Co in den sicheren Hafen der Post-Corona-Ära geschifft wurden.

Zumindest hat das der BEVAZ, der beliebteste Virologe aller Zeiten Christian Drosten, in der ZIB2 am 24. April anders gesehen. Er hatte nämlich gemeint:

„Ich glaube, wir haben zunächst einmal keinen Rückblick anzustellen momentan, sondern wir befinden uns mitten in einer Entwicklung, vielleicht sogar am Anfang einer Entwicklung und wir haben hier ein gefährliches Virus vor uns.“

Aber gut. Er weiß vielleicht auch nicht alles. Obwohl auch die Epidemiologin Eva Schernhammer diese Aussage mit den Worten

„In Österreich ist eine zweite Welle nicht unrealistisch, im Gegenteil: Man muss davon ausgehen, dass sie auf uns zukommen wird“

bekräftigt.

Zumindest aber wird es „vorerst“ keine Kontrollen im privaten Bereich geben.

Wobei ich das schon schade finde. In Kombination nämlich mit der abgeschafften berittenen Polizei. Das wäre doch sicher gerade für Kinder spannend gewesen, wenn sie sich ein paar Freunde einladen, dann vom Nachbarn verpfiffen werden und als Party-Highlight die wiehernden Beamten vor der Türe stehen. Aber wer weiß, vielleicht kommen die ja noch. Wenn der schöne Karli eh nur das weiterführt, was DU dir ausgedacht hattest, wie eben zum Beispiel das „Abschiebezentrum in Serbien“.

Mich fasziniert neben der türkisen, strengen Karoline und der grünen Retterin Sigi doch der Rudi Anschober am allermeisten.

Gestern hat Armin Wolf nach der „inneren Logik“ gefragt, die sich im Konzept „einen Meter Abstand halten am Weg in ein Lokal, aber dort dann an einem Tisch sitzen“ versteckt.

Hier ist die Antwort:

Hoppala. Hier ist die tatsächliche Antwort:

Ich persönlich betrachte es ganz logisch:

die Anschobersche innere Logik verhält sich zur allgemein äußeren Logik so, wie die perfekte Frisur vom Basti während des Lockdowns zur Haarpracht der normalen, friseurlosen Bevölkerung.
Das eine ist ein Wunder, das andere Realität.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela



Eine Antwort auf „#Brieferl No.256 – Vorerst logisch“

  1. Danke für ihre Briefe, ich schau jeden Tag rein ob’s einen neuen gibt. Mit ihrem Humor und ihrem Hintergrundwissen holen sie mich immer wieder aus meinen düsteren Gedanken zur aktuellen politischen Situation in Österreich.

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