#Brieferl No.257 – Corona-Berufe





Lieber Cousin Herbert,
was sagst du denn dazu, dass dein Ex-Chefi gerne Wiener Bürgermeister werden möchte? Ich finde seinen Plan grandios. Ich mag Menschen, die optimistisch in die Zukunft schauen, denen kein Ziel zu hoch gesteckt ist und die über Visionen verfügen!

Sein Berufswunsch passt auch perfekt zum heutigen Tag der Arbeit. Dank der aktuellen Krise (oder besser gesagt: deren Nicht-Bewältigung) gibt es zwar jede Menge Arbeitslose auf der einen Seite, auf der anderen tun sich aber schon auch neue Berufe auf, für die in normalen Zeiten kein Platz gewesen wäre.

Babyelefanten-Trainer

Der lieb gewonnene Babyelefant kann so viel mehr sein, als bloß schnöder Abstandshalter. Dafür werden ab sofort eigene Trainer benötigt, die ihren Schützlingen folgendes beibringen:

1) Die Staubsauger-Funktion

Wenn der Babyelefant schon mit ins Restaurant soll, kann der Rüssel auch sinnvoll benutzt werden. So soll er nach dem Training in der Lage sein, sich sein Essen selbst aufzusaugen, indem er sich die zu Boden gefallenen Brösel und sonstigen Reste einverleibt. Das spart Geld in der Erhaltung.

2) Die Taxi-Funktion

Der Babyelefant von Welt sollte den Weg nach Hause finden. In Kombination mit einem Reittraining wird aus dem Abstandshalter das umweltverträgliche, persönliche Bio-Taxi. Damit auch der persönliche Feiertag künftig noch persönlicher gefeiert werden kann.

Tische-Zuweiser bei McDonalds

Da es künftig so sein soll, dass Einlass auch im Fast-Food-Restaurant nur mit Reservierung und dann persönlicher Platzzuweisung stattfinden soll, werden ab sofort Tische-Zuweiser ausgebildet.

Zur normalen Begleitung der maximal 4 Personen zuzüglich einer unlimitierten Anzahl von Kindern gehört das Aufpassen auf Letztere. Kinderchen tendieren dazu, nicht ausschließlich ruhig auf den Sitzplätzen zu verweilen, sondern auch mal aufzustehen oder gar in der Lokalität herumzulaufen.

Der Tische-Zuweiser hat die Aufgabe, das zu verhindern. Dabei zu beachten ist jedenfalls der 1-Meter Abstand zum Gäste-Nachwuchs, weshalb im Rahmen der Ausbildung der Umgang mit Wasserspritzpistolen und dem Lasso am Programm steht.

Corona-Maßnahmen-Vernaderer (bereits angelaufen)

Der gemeine Homo Austriacus meint es freilich immer nur gut, wenn er Nachbarn oder auch Fremde vernadern kann. Diese Eigenschaft machte sich der schöne Karli bereits im Juni 2019 zunutze, als die türkisen Fans zur Meldung aufrief, falls sie etwas „Verdächtiges im Internet“ finden würden.

Die ersten Corona-Maßnahmen-Vernaderer wurden bereits heimlich ausgebildet und sind schon aktiv im Dienst. Gestern schlugen sie Alarm, als sie folgende Nachricht gelesen hatten:

In der Verordnung, die dann knappe 2 Stunden vor Mitternacht doch noch veröffentlicht wurde, steht nun geschrieben:

Die Quellen wurden freilich Zack Zack Zack überschrieben, wenngleich der Name des dazugehörigen Links noch immer der Gleiche ist:

https://kurier.at/chronik/oesterreich/auch-prostitution-ab-dem-1-mai-wieder-erlaubt/400828889

Ob Prostitution nun generell verboten bleibt oder aber eben nur in Einrichtungen zu deren Ausübung, ist eine Frage, welche nur von der neuen Berufsgruppe der Corona-Maßnahmen-Erklärer beantwortet werden kann.

Corona-Maßnahmen-Erklärer

In der Ausbildung zum Corona-Maßnahmen-Erklärer wird vor allem auf plastische Ausdrucksmöglichkeit Wert gelegt. Hier einige Beispiele aus den noch geheimen Schulungsunterlagen:

Frage:

Wie funktioniert das nun genau mit den Hilfen für die EPUs (Ein-Personen-Unternehmen)?

Antwort:

Es handelt sich hierbei um eine Formalität verwaltungstechnischer Art. Wie Sie diese am besten in Griff bekommen, entnehmen Sie bitte diesem Video mit detaillierten Anleitungen:

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Frage:

Ich habe gelesen, dass dass künftig „auch die Polizei bei einem Kussvorgang eingreifen“ kann. Stehe ich also mit einem Bein im Kriminal, wenn ich mit jemandem schmuse, der nicht bei mir lebt?

Antwort:

Das kommt auf den Tanzpartner an.

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Frage:

Dürfen Prostituierte nun ihrem Gewerbe nachgehen oder nicht? Ich frage für einen Freund, nur damit wir uns richtig verstehen!

Antwort:

Bitte lesen Sie die Verordnung genau durch! Das Betreten einer Freizeiteinrichtung „zur Ausübung der Prostitution“ ist grundsätzlich untersagt, ausgenommen im privaten Wohnbereich.

Das selbe gilt übrigens auch für die Schaubergwerke, die sich in den eigenen vier Wänden befinden. Ist das wirklich alles so schwer?

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Frage:

Die neue Verordnung gilt bis Ablauf des 30. Juni 2020. Da steht aber nix drinnen, dass die Restaurants aufsperren? Wozu brauche ich dann den Babyelefanten?

Antwort:

Herrschaftszeiten, sind Sie begriffsstutzig! Das kommt doch extra! Wenn alles gleich und sofort niedergeschrieben wird, dann braucht es doch keine Pressekonferenzen mehr!

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Frage:

Wollt‘s ihr mir veräppeln? Ich darf ins Bad gehen, aber nur dann, wenn der Badebetrieb nicht stattfindet?

Antwort:

Es ist alles ganz einfach. Das AKW Zwentendorf ist nicht in Betrieb, liegt außerdem an der schönen blauen Donau, also einem fließenden Oberflächengewässer, welches per definitionem niemals in Betrieb ist. Daher ist eine Zusammenkunft im AKW legal und jederzeit möglich.

Liebe Grüße,
Cousine Daniela



Eine Antwort auf „#Brieferl No.257 – Corona-Berufe“

  1. Ach, Daniela!
    Schon seit Ende 2017 gehören Deine Brieferl – an wen auch immer – zu den Dingen, die es mir möglich machen, die alltäglichen Absurditäten mit Humor zu nehmen und so auch zu verkraften. Danke!!! – und DANKE v.a.für das jüngste Brieferl! Was habe ich nicht seinerzeit in den 1970ern über das „Haus, das Verrückte macht“ (zustimmend) gelacht! – Nie hätte ich gedacht, dass wir hier in Österreich dieser Satire dermaßen nahe kommen würden!

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