#Brieferl No.266 – Zukunftsradar und Glaskugel




Lieber Cousin Herbert,
wie du ja seit dem Brieferl No.249 weißt und sicherlich auch nicht vergessen hast, bin ich zertifizierte Dämonologin.
Als solche kann ich natürlich nicht nur einzelne Gebäude von Dmänonen befreien und Exorzismen durchführen, ich kann auch in Glaskugeln schauen und Ouija-Bretteln fachmännisch bedienen!

Deshalb werde ich jetzt dem Basti schreiben, dass er mich beim Zukunftsradar „Think Austria“ anstellen soll.

Ich gehe nämlich davon aus, dass der Wirecard-Gründer Markus Braun, dem die Think Austria-Chefin Antonella Mei-Pochtler „einen fundierten Blick in die Zukunft“ attestiert hatte, nicht mehr lange zur Verfügung stehen wird!

Aber so ein schöner Posten sollte nicht unbesetzt bleiben dürfen, zumal sich Herr Braun möglicherweise bald hinter schwedischen Gardinen wiederfinden könnte. Es gilt selbstverständlichst die Unschuldsvermutung!

Wobei es sich wahrscheinlich ohnehin eher um eine Art Kunstwerk handelt, wenn man 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz stehen hat, die auf Treuhandkonten in Asien verbucht worden sein sollen, aber von Bilanzprüfern nicht wirklich gefunden werden.

Um den Basti von meiner Eignung für das „Zukunftsradar“ zu überzeugen, habe ich mein Ouija-Brettl befragt und auch in die Glaskugel geglotzt. Hier die Ergebnisse:

Der Arsch auf Grundeis

Zuerst recht verschwommen, aber dann immer klarer und klarer habe ich in meiner Glaskugel einen vermutlich männlichen, jung anmutenden Arsch gesehen, der am Grundeis pickt.

Die Befragung des Ouija-Brettl hat den Namen Steffi Krisper ergeben, die hauptverantwortlich für diese Tragödie sein soll.

Der geschredderte Schredder

Ich traute meinen Augen nicht, als ich in der Glaskugel einen Schredder sah, der geschreddert wurde. In dem geschredderten Schredder hatte sich auf einer Festplatte das Ibiza-Video befunden, aber nicht das ganze Video, denn …

Dazu musste ich das Ouija-Brettl befragen, und es sagte mir:

„Nicht alles ist relevant“

Das erleichterte mich dann doch sehr, weiß ich doch von der herzigen Justizministerin, dass auch sie nicht das ganze Video dem Untersuchungsausschuss vorlegen wolle – aus oben genanntem Grunde.

Was gewissermaßen auch ein Beweis für die Richtigkeit meines Glaskugel-Glotzens und Ouija-Brettl-Befragung ist.

Es funkeln die Edelsteine

Als ich weiter fasziniert in mein Kügelchen glotzte, erschienen mir wunderschöne Edelsteine. Sie funkelten so schön, die meisten in türkis, ein paar auch in blau.

Eine Befragung des Ouija-Brettls ergab:

„Steine sind edel,
das weiß jede Petze,
das ist eine Bauernregel,
drum änder rasch Gesetze.“

Dieser eigentümliche Hinweis ließ mich ein wenig ratlos zurück, aber dann fiel mir das „Projekt Edelstein“ ein!

„2018/2019 bereitete das ÖVP-regierte Finanzministerium klammheimlich den Verkauf kritischer IT-Infrastruktur vor: Das Bundesrechenzentrum sollte an die Österreichische Post AG abgegeben werden. Ohne Einbindung des Regierungspartners FPÖ. Das Vorhaben überdauerte auch den Zusammenbruch der türkis-blauen Koalition. Es war so konkret, dass selbst notwendige Gesetzesänderungen vorbereitet waren.“

Glücklicherweise gehört das ausschließlich der Vergangenheit an, denn im aktuellen Regierungsprogramm steht davon nix mehr.

Doch auch im türkis-blauen Regierungsprogramm stand das BRZ gar nicht drinnen. Na macht ja nix. Das ewige „aber es steht so im Regierungsprogramm“-Argument gilt eben nur bei Bedarf.

Wahrheit oder Pflicht?

Morgen muss unser Basti vor dem Ibiza-Untersuchungsausschuss. Das weiß ich nicht aus der Glaskugel, sondern aus den Nachrichten.

Er ist kein Beschuldigter und muss deshalb unter Wahrheitspflicht aussagen. Dazu habe ich wieder in meine Glaskugel geschaut, die zuerst völlig vernebelt war. Es war kaum etwas zu erkennen, aber dann, ganz langsam, tauchte er auf – grinsend, die Haare schön und voller Elan.

Eine Befragung des Ouija-Brettl, das noch immer im Reime-Modus war, ergab folgenden Spruch:

„Wer will Wahrheitspflicht
Wer will Pflicht
wer kann es wissen
wenn nicht ein Wicht“

Ich interpretiere diese Botschaft als Hinweis darauf, dass manch einer, erzitternd vor der Wahrheitspflicht, lieber „Wahrheit oder Pflicht“ spielt. Zu so einem Pflichtprogramm, könnte ich mir vorstellen, gehört neben dem Teflonanzug mit Abperlfunktion auch verbale Ausstattung.

Wie zb:

„Wenn Sie so wollen, dann hätte man vielleicht annehmen können, … aber ich bitte schon auch um ein gewisses Verständnis für die Menschen“

„Ich hab aber auch im Gespräch mit zwei sehr hochrangigen Journalisten von diesen gehört, dass …“

„Wie auch der Finanzminister Blümel kann ich auch ausschließen, dass auch nur irgendwer in der ÖVP von irgendeinen Deal etwas gewusst hat!“

Glaubst du reichen diese meine Glaskugel- und Ouija-Brettl-Erfahrung, um einen schicken Posten im Zukunftsradar zu erheischen?

Viel Spaß morgen im Untersuchungsausschuss und
liebe Grüße,

Cousine Daniela



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