#Brieferl No.311 – Allein





Lieber Cousin Herbert,
bist du gestern auch vor dem Fernseher gepickt und hast dir das Begräbnis von Prince Philip, Duke of Edinburgh angeschaut? Ich vermute, eher nein!

Ich schaue mir royale Ereignisse immer an! Ich weiß noch nicht einmal, warum genau, aber wahrscheinlich ist die Königsfamilie eine Art Projektionsfläche.
Man kennt sie schließlich auch schon sein Leben lang und egal, was man von der Monarchie per se hält, so hat man doch die Höhen und Tiefen nicht nur miterlebt, sondern sogar bis zu einem gewissen Grad mitempfunden. Und trotzdem kann man diese Gefühle aus der sicheren Distanz erleben und bei Bedarf auch leichter ausschalten.

Ich gestehe, ich bin auch Fan der Queen. Diese unglaubliche Frau, die pflichtbewusst die ihr durch Schicksal zugewiesene Rolle ausfüllt.
Als sie dann gestern so ganz alleine in die St. George’s Chapel zum Trauergottesdienst gegangen ist und ganz alleine gegenüber dem Sarg ihres Mannes, mit dem sie länger verheiratet war als manche Menschen leben, Platz genommen hat, hat mich das sehr berührt. Sie strahlte Einsamkeit, aber dennoch auch Stärke aus.

Letztendlich sind wir alle alleine

Im ersten Reflex würde man am liebsten in den Fernseher springen, sich neben die alte Dame setzen, ihr die Hand halten und vielleicht über den Rücken streicheln.
Vielleicht aber würde man sie in ihrer Ruhe, in ihren Gedanken stören, ihre Verbindung mit dem im Sarg vor ihr liegenden Gatten ruinieren, weil man sie ablenken würde.
Es war ihr wohl wichtig, genau in diesen Momenten alleine zu sein. Alleine und ungestört mit sich selbst.

Genau genommen sind wir letztendlich alle alleine.

Egal, was uns im Leben passiert und wie viel Trost, Zuspruch und Hilfe wir auch bekommen; die Verarbeitung des Geschehenen oder der Umgang mit schlimmen Erfahrungen kann nur in uns selbst passieren und damit sind wir letztlich alleine. Da nützt Handhalten nur bedingt. Viel eher kann uns helfen zu erfahren, wie andere Menschen diese oder jene Situation gut gemeistert haben und eben daraus lernen.

Alleinstellungsmerkmal

Apropos lernen: du könntest dir ein Beispiel an der Queen nehmen, die mit ihren 94 Jahren in diesen schweren Stunden ihren Mund-Nasen-Schutz getragen hat! Wenn sie das kann, dann solltest auch du dazu in der Lage sein!
Aber das machst du wahrscheinlich eh nur deshalb nicht, damit du ein Alleinstellungsmerkmal für die FPÖ generieren kannst.

Würden alle anderen keine Maske tragen, dann wärt ihr wohl die Allerersten, die ihre Masken selbst am Rednerpult auf hätten! So realistisch müssen wir ob deiner Voraussicht und deinem Kalkül schon sein!

Ich frage mich übrigens, warum der HC Strache unbedingt wieder zurück in die FPÖ will. Fühlt er sich gar alleine, so ohne konkrete Aufgabe und will deshalb zurück? Am schnöden Mammon wird es ja wohl nicht liegen. Da soll er ja recht gut aufgestellt sein.

Vielleicht aber ist es auch einfach nicht leicht für ihn, einen neuen Job zu finden. Wenn man der Eva Glawischnig glauben darf und das tu ich, weil es plausibel klingt, dann hat man es wohl gerade als Ex-Politiker nicht leicht, ein neues, bezahltes Betätigungsfeld zu finden.

Alleine fühlt sich der Harald Mahrer sicherlich nie, denn mit seinen sieben Posterln hat er sicher genug Gelegenheit für geschäftliche und soziale Kontakte.

Sehr nett finde ich es jedenfalls auch, dass man in der Wirtschaftskammer, dessen Präsident er ja (auch) ist, so sehr auf manche Leute schaut, dass man ihnen Mitgliedschaften in Golfklubs und teure Schulen für die Kinder finanziert. Damit sie sich nicht so alleine fühlen wahrscheinlich!

Bei meiner ganzen Bewunderung für die Disziplin der Queen und muss ich aber auch den Rücktritt des Rudi Anschober lobend erwähnen. Auch er war wohl letztlich alleine mit seiner Entscheidung. Die Einsicht und das Eingeständnis vor sich selbst zu haben, dass man eben gewisse Dinge nicht (mehr) kann, zeugt auch von Disziplin, wenn auch auf eine andere Art.

Wichtig ist es jedenfalls, uns dieses letztendlichen Alleinseins bewusst zu sein. Und da erinnere ich mich wieder an Oscar Wilde, der uns in “An Ideal Husband“ wissen ließ:

“To love oneself is the beginning of a lifelong romance.”

Liebe Grüße,
Cousine Daniela



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.