#Brieferl No.226 – Wenn ich der Basti wäre …





Lieber Cousin Herbert,

es gibt etwas, was mir keine Ruhe lässt und das ich deshalb mit dir besprechen möchte. Nein, nicht die Heiratsverbot-Vision der “türkisen Buberl- und Mäderlpartie“ für Cousins und Cousinen. Damit habe ich mich abgefunden.

Es geht um seine Heiland-Kürzlichkeit Basti und die Rolle der Medien.

Kannst du dich noch erinnern? Es ist jetzt fast ein ganzes Jahr her, als wir von dem E-Mail aus deinem Innenministerium erfahren haben. Da stand drinnen, dass der Kontakt zu “gewissen Medien auf das nötigste (rechtlich vorgesehene) Maß zu beschränken“ sei.

Ich hatte mich während deiner ganzen Amtszeit gefragt, ob der Basti und seine türkise Entourage eigentlich mit deinen Vorgehensweisen einverstanden sind. Offensichtlich ja. Denn das, wovon auf Ibiza geträumt oder in internen Mails angeordnet wurde, macht die ÖVP, so der Eindruck, selbst eh viel besser.

Eines dieser “gewissen Medien“ war der Falter, von dem wir mittlerweile durch Herrn Jeanée wissen, dass er ein “Bolschewikenblattl“ sein soll.

Kein Wunder also, dass auch die türkise ÖVP nicht ganz so ihre Freude mit dem Falter hat. Zuerst wollten sie dessen Journalisten nicht bei ihren Pressekonferenzen, die sie vordergründig “Hintergrundgespräche“ nennen, dabei haben. Weil sie ja nur Tageszeitungen und TV eingeladen hatten. Nachdem auch der Presseclub Concordia diese Vorgehensweise kritisiert hatte, waren sie doch noch so nett und gewährten Einlass.

Sicherheitshalber haben sie den Falter jetzt geklagt. “Die Türkisen werfen der Wochenzeitung vor, entweder falsch oder manipulativ berichtet zu haben.“

Finde ich ja irgendwie witzig: “falsch oder manipulativ“.

„Falsch“ ist gleichzusetzen mit erstunken und erlogen. Manipulativ? “Manipulativ“ ist insofern gut, weil eher schwammig und allgemein.

“Als Manipulation von Menschen wird die Einflussnahme bezeichnet, bei welcher die Annahme einer Meinung, Ware oder Dienstleistung durch die Zielperson zu einem Nachteil für diese führen kann.“

Dann sind wir mal gespannt wie die Pfitschipfeile, was dabei herauskommen wird. Und auch, was bei der Anzeige vom Peter Pilz zu Tage gefördert wird. Der wiederum hat nämlich die Herren Kurz, Blümel und Nehammer wegen des mutmaßlich „vorgetäuschten“ Hackerangriffs angezeigt.
Und der Florian Klenk bereitet in seiner Funktion als Chefredakteur des Falter eine Klage gegen den “Schreiber“ Michael Jeannée vor.

Für diese Herren, ebenso wie für den Falter, gilt freilich die Unschuldsvermutung!

Zufälligerweise bin ich über den §146 StGB gestolpert. Der behandelt “Betrug“ und besagt:

“Wer mit dem Vorsatz, durch das Verhalten des Getäuschten sich oder einen Dritten unrechtmäßig zu bereichern, jemanden durch Täuschung über Tatsachen zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung verleitet, die diesen oder einen anderen am Vermögen schädigt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.“

Was meinst du? Wenn beispielsweise ein Spitzenkandidat einer Partei, nehmen wir mal spaßeshalber unsere Kürzlichkeit, den Basti, die Wähler bewusst täuschen würde, um mehr Stimmen und damit mehr Parteienförderung zu erhaschen … Würde dann dieser Paragraph zum Zug kommen?

Stellen wir uns doch mal vor, der Basti würde uns ein Gschichtl drucken wollen. Nur eines von vielen. Nur ein kleines Gschichtl, aber durchaus geeignet, seinen Heldenstatus zu festigen.

Stellen wir uns vor, der Basti wollte sich besonders wichtig machen und wieder einmal angeben, wie toll und super er doch ist. Was würde sich eignen? Dafür könnte sich beispielsweise ein angebliches Treffen mit dem CEO der reichsten Firma der Welt eignen.

Was würde unser Basti aber tun, wenn der sich vielleicht gar nicht ihm treffen wollte? Wozu auch sollte Tim Cook seine wertvolle Zeit mit dem abgesetzten (!) Kanzler einer kleinen Alpenrepublik verschwenden, von der er vermutlich gerade mal weiß, dass sie in Europa liegt?

Ich würde an Bastis Stelle folgendermaßen vorgehen:

1) Ich nehme auf meine “Studienreise“ viele Journalisten mit. Es ist immer alles alles noch glaubwürdiger, wenn man Zeugen hat. Außerdem könnte ich Geld sparen.

„Compliance-Hinweis: Die Reisekosten teilten sich ‚Presse‘ (Flug) und ÖVP (Hotel).“

Kurz mit Uber-Chef einig: Flexible Preise sind “ja kein Verbrechen”

2) Ich mache einige Besuche und erzähle meinen Mitreisenden dann, dass sie leider leider leider ausgerechnet bei dem Termin mit dem Apple-Chef nicht erwünscht sind. Wozu auch? Es kann sich ja nur um Geheimgespräche handeln! Natürlich schiebe ich das dem Tim in die Schuhe. Käme ja blöd, wenn ICH sagen würde, dass keiner mitkommen darf!

„Absolutes Stillschweigen ist über die Inhalte des Gesprächs vereinbart. Selbst ein gemeinsames Foto war nicht drinnen. Apple diktiert die Rahmenbedingungen.“

Hartes Kontrastprogramm für Kurz in den USA

3) Ich gehe davon aus, dass meine Mitreisenden mir vertrauen und Glauben schenken und sie die Sache schon akkurat berichten werden. Überall werden sie schreiben, dass ich dort hingegangen bin, aber sie leider eben nicht mit durften.

Die Kronenzeitung würde ein Bild zum Artikel veröffentlichen, das aus dem Jänner stammt, als ich Tim Cook in Davos tatsächlich getroffen hatte.

 

Erst, nachdem eine renitente Leserin auf diesen Umstand (Davos im Jänner) aufmerksam macht, würden sie einen kleinen Zusatz dazu bringen.

4) Ich nehme mir den Haus- und Hoffotografen Jakob Glaser von meiner Partei mit. Während ich mit meinem Parteifreund Markus Gstöttner in der Nähe des Gebäudes vorbei spaziere, lasse ich ihn ein Foto machen. Das werden die Leute schon fressen. Immerhin ist ja das “Spaceship“ im Hintergrund zu sehen. Der kleine Zaun zwischen den Spaziergängern und dem Gebäude wird niemandem auffallen.
Dass der Fotograf und mein Kumpel Markus mitgehen dürfen, aber richtige Journalisten nicht, wird auch niemandem auffallen.

Freundlicherweise wird das Bild auch von einer anderen Zeitung zum Nachweis verwendet, dass ich ja eh wirklich dort war. Also zumindest in der Nähe.

5) Ich lasse das Bild des Spaziergangs auf Instagram veröffentlichen. Dass ich zwar am Vortag bei meinem “Termin“ war und deshalb weder das Datum, noch die Location stimmen, mit denen mein Haus- und Hoffotograf das Bild veröffentlicht, wird niemanden auffallen.

6) Wenn mich dann nach meiner Rückkehr ein penetranter Journalist fragt, was genau an dem Treffen eigentlich so geheim war, dann sage ich drauf:

“Nein, aber ich halte mich auch gerne daran, was sich Gesprächspartner wünschen. Es war jetzt nicht sonderlich brisant, würde ich sagen, aber natürlich ist Apple ein hochsensibles Unternehmen, es ist ein Vertrauensbeweis, wenn sich der Apple-Chef über eine Stunde Zeit nimmt für ein Gespräch. Ich habe geworben dafür, dass auch der Standort Österreich aufs Radar von Apple gerät.“

Das könnte ich locker alles erzählen, weil in den USA sowieso kein einziges Medium über meine “Studienreise“ berichtet hat. Der gute Tim würde es also niemals erfahren.

Es würde niemand erfahren, dass dieses “hochsensible“ Unternehmen immer wieder Besuchertage abhält, bei denen die Fans nicht nur außen vorbei spazieren, sondern sogar auf den Campus dürfen.

Der Applepark auf Instagram

Es würde niemand erfahren, dass Tim Cook in Wirklichkeit überhaupt nicht schüchtern ist, wie ich behaupte, sondern sich bei jeder Gelegenheit mit Fans und einfachen Mitarbeitern fotografieren lässt, die das dann auf Facebook und Instagram begeistert teilen.

Und es würde auch niemand erfahren, dass selbst die Familienangehörigen der vielen Angestellten nach Anmeldung die heiligen Hallen betreten dürfen.

Ja, so würde ich das machen …

Liebe Grüße,
Cousine Daniela




5 Antworten auf „#Brieferl No.226 – Wenn ich der Basti wäre …“

  1. Vortrefflich geschrieben und leider soooo wahr🤓😎! Ich hoffe so sehr, dass der Typ nicht damit durchkommt🙈😡🤢👎. Danke Daniela fürs Brieferl ‼️‼️❤️❤️❤️🌻

  2. Werte Frau Nickles, Sie sind eine so scharfsinnige und eloquente Person! Mit großem Vergnügen, las ich auch dieses Brieferl. Dank Menschen wie Ihnen und sonst wenigen Medien ( ich trau mich kaum die Mehrzahl zu verwenden). Besteht noch Hoffnung, denn bis zu den Veröffentlichungen des Falters, machte sich ein schier übermächtige Ohnmacht breit! Und nun, ist es sehr leicht auszumachen, welche Medien kein Interesse an echter, glaubwürdiger Berichterstattung haben . Es ist auch wieder sehr ernüchternd! Nochmals herzlichen Dank !
    Susanna Pucher

  3. Möglich ist zwar im politischen Spiel alles und auch eine solche Inszenierung könnte es gegeben haben.
    Was ich mich aber schon frage ist, warum nicht investigative Medien wie Falter, Profil und News aktiv geworden sind und nicht einmal der Standard irgendetwas berichtet hat und sei es mit aller Vorsicht.

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