#Brieferl No.253 – Kleine bunte Schafskunde





Lieber Cousin Herbert,

na? Warst du zu Ostern eh auch brav zu Hause?
Und warst du heute auch zuerst im Baumarkt und bist dann ein Ründchen in einem der geöffneten Bundesgärten spazieren gegangen? Ich denke, diese Reihenfolge ist unerlässlich, wenn man beispielsweise unauffällig ein paar Radieschensamen in die Rasenflächen streuen will.

Wir können alle nur hoffen, dass sich die Leute mehr auf Radieschen denn auf elektrische Werkzeuge stürzen, mit denen sie womöglich noch keine Erfahrung haben. In diesen Zeiten ist es vielleicht nicht die allerbeste Idee, mit einer neuen Sportart oder dem Umgang mit einer Stichsäge zu beginnen.

Schafe blöken und lieben Leithammel

Hast du gesehen, welch hübsches Bild ich von bunten Schafen gefunden habe? Chinesische Forscher haben deren Gene ein wenig verändert und die schafwollverarbeitende Industrie kann so auf das lästige Einfärben verzichten.

Schafe sind ja grundsätzlich immer und überall. Sie blöken nicht nur gerne, sondern rennen auch gerne einem Leithammel hinterher.

Blaue Schafe haben es momentan gar nicht so leicht. Sie werden zahlenmäßig immer weniger und haben auch sonst wenig, an dem sie sich erfreuen können.

Schwarze Schafe gelten mittlerweile als ausgestorben, weil das christlich-soziale Wesen als ausnehmend unschick gilt. Die neue türkise Farbe verspricht mehr Glanz und wirkt insgesamt fröhlicher.

Wie wir vom Henne-Ei-Problem wissen, ist türkis jener Farbton, der zwischen Grün und Blau liegend empfunden wird. Wir konnten damals, am 8. November 2018, nicht restlos klären, ob die türkise Kanzler-Henne das blaue ministeriale Innen-Ei gelegt oder ob doch DU die blaue Henne warst, die der Republik das türkise Kanzler-Ei vermacht hatte.

Ich glaube, dass wir an dieser Stelle ein bisserl Licht in die Sache bringen können.

Kannst du dich daran erinnern, als du eine auf deinen blauen Deckel bekommen hast, weil du im Report gesagt hattest

“Das Recht hat der Politik zu folgen und nicht die Politik dem Recht“?

Dass der Widerspruch außer im reflexartigen „alles was der Kickl sagt, ist sowieso deppert“ ein mäßiger war, lag wohl an deiner (fast genialen) Vermischung von Recht und Gesetz.

Der Basti hatte dich damals (angeblich) angerufen und zur Schnecke gemacht, weil doch

„die Politik sich gegenüber dem Recht verantworten muss und nicht umgekehrt“.

Nun werden immer mehr Stimmen laut, die das Vorgehen mit den ganzen Erlässen nicht wirklich im Rahmen der Verfassung sehen. Doch die Schafe, vornehmlich türkiser und grüner Farbe, scheint das nicht wirklich zu stören.

Wer braucht schon eine Verfassung in einer Ausnahmesituation!

Ich tendiere jedenfalls mittlerweile zur Theorie, dass DU die Henne bist und der Basti das Ei. Und wie es sich für ein braves Küken gehört, führt es auch fort, was die Mama-Henne immer gesagt hat. Wenngleich das Küken es zum Wohlwollen der türkisen wie grünen Schafe eleganter formuliert und außerdem die beste aller Ausreden wegen der lästigen Verfassung hat: die Ausnahmesituation!

“In einer besonderen Zeit, in einer besonderen Herausforderung … das Wichtigste ist, dass wir schnell gehandelt haben und dass es funktioniert … aber ich bitte trotzdem um etwas Nachsicht, dass das eine Ausnahmesituation ist … und insofern würde ich diese juristischen Fragen in diesem Bereich auch nicht überinterpretieren … ob das alles auf Punkt u Beistrich in Ordnung war oder nicht, das wird …der VGH entscheiden … zu einem Zeitpunkt wo die Maßnahmen gar nicht mehr in Kraft sind“

Besonders beliebt bei den türkisen Schafen ist übrigens auch die resche Karoline, die Ähnliches wie der Kanzler bereits am 5. April 2020 in der ZIB2 verlautbaren ließ:

„Nun Herr Wolf, ich kann Ihnen sagen, dass der Entscheidungsdruck auf die Entscheidungsträger, auf die Bundesregierung, … ein sehr, sehr hoher ist. Wir tun alles zum Schutz der Bevölkerung, um dieses Virus auszurotten und um möglichst früh wieder unsere Freiheiten zu erlangen! … Im Einzelfall kann ich natürlich hier einer Entscheidung und einer Beurteilung des Verfassungsgerichtshofes nicht vorgreifen. Aber das Ziel ist klar, wir wollen, dass die Bevölkerung gesund bleibt, dass das Virus ausgerottet wird und dass auch unsere Gesundheitseinrichtungen leistungsfähig und funktionsfähig bleiben!“

Merke: die Verfassung kannst du ruhig mal beiseite lassen, wenn es um eine Ausnahmesituation geht!

Würze das Ganze theatralisch mit „Schutz der Bevölkerung“ und schon hast du die Situation, dass das Recht der Politik folgt.

Viel Grün überdeckt Blau = Türkis

Wichtig ist für alle türkisen und grünen Schafe, dass sich der grüne Regierungsanteil auch ordentlich ins Zeug legt, um das Türkis zu erhalten. Nur mit viel Grün im Türkis, lässt sich der Blauanteil übermalen.

Also sind auch die Grünen brav auf Linie und lassen keine Zweifel aufkommen, ob irgendwas von türkis vielleicht nicht ganz so ist, wie es sein sollte. Die liebe Alma eignet sich besonders, um der türkisen Karoline den „Mascherlposten“ schönzureden und zu legitimieren.

Um noch mehr Schafe türkis oder grün werden zu lassen, ist es wichtig, andere Farben zu verschweigen. Das tut man besten, indem so tut, als gäbe es die anderen Farben gar nicht mehr. Ein probates Mittel ist beispielsweise, die rote, blaue und pinke Opposition mit ganzen 2,5 Prozent der Sendezeit im ORF zu bedenken.

Macht eh nix. Immerhin haben wir es den Grünen zu verdanken, dass heute nicht nur die Gärten und Baumärkte, sondern auch die Pfandleiher aufgesperrt wurden.

Und damit die Schafe noch mehr Lust auf die neue Farbe bekommen, sind gleich 59 PR-Mitarbeiter im Kanzleramt beschäftigt. Das hilft nicht nur bei der geplanten Schafs-Umfärbung, sondern folgt auch dem Motto „Schaffe, schaffe, Pöstle baue“.

Hurra!

Liebe Grüße,
Cousine Daniela



3 Antworten auf „#Brieferl No.253 – Kleine bunte Schafskunde“

  1. Ach, Dani,
    Du hattest so recht mit dieser Sigi Maurer, du hast ihr nie getraut. Es ist zum Davonlaufen (ääääh, Auswandern). Irland ist mir zu teuer, aber Portugal klingt ganz gut. Ich mag hier nicht mehr leben, es ist nur noch peinlich. Dein Brieferl sagt genau aus, was sie viele halbwegs geistig intakte österreichische WählerInnen denken. Der Basti probiert aus, wie stabil die Demokratie eigentlich ist. Grenzen austesten, wie lange sich die Ösis von ihm verarschen lassen werden. Ich denke, sehr lange. Ich muss da weg. LG Brix

  2. Liebe Daniela! Kurz ist nicht der türkische Leithammel! Leithammeln sind/waren Hofer, Kickl und Strache .Leithammel sind für den Außenschutz und für die Vermehrung zuständig!
    Kurz ist unser aller türkiser Hirte – Psalm 23 – 🙂 Schüssel war ein schwarzer Hirte, nur mehr pastoral und christlich. Kurz ist ein Hirte ohne Christlichkeit und ohne Menschlichkeit. Er verspricht uns Salz und Mangelwurz und schon folgen wir ihm, ohne zu denken, froh dass er für uns die Verantwortung übernimmt und uns sagt – nicht unbedingt – wohin es geht!

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