#Brieferl No.238 – Der kleine Sondierungs-Leitfaden





Lieber Cousin Herbert,

kannst du mir vielleicht exklusiv verraten, wie es nun mit der Facebookseite von eurem Ex-Chefi weitergehen wird?

Schon deppert, dass ihr die “HC Strache“ Seite nicht mit der FPÖ zusammenhängen dürft. Das hätte euch auf einen Schlag hunderttausende neue Fans gebracht!
Werdet ihr heute noch das von Bumsti gestellte Ultimatum erfüllen und ihm die Zugangsdaten geben? Vielleicht um 23:59?
Oder müssen wir alle die Popcorn-Reserven gut bestücken, damit wir gut gerüstet durch die juristische Nachspielzeit kommen?

Aber nun zu den wirklich wichtigen Dingen:

Habe ich dir schon erzählt, dass ich auch gerne mit dem Basti sondiert hätte?
Ich hatte mir nämlich gedacht, wenn die NEOS mit ihren zwar nicht schlechten, aber im Vergleich zu den Nichtwählern doch läppischen 8,1% sondieren gehen, dann könnte ich das stellvertretend für die 24,41% Nichtwähler machen!

Ein tolles Team hätte ich bereits gehabt. Aber wie immer, wenn man was vom Basti will, kommt genau keine Antwort.

Er hätte zumindest eine freundliche Absage schreiben (lassen) können. Aber nein. Nix. Nada. Nothing. Na bitte, dann eben nicht.

Umso mehr hat es mich gefreut, dass die Pamela Rendi-Wagner jetzt auch nicht mehr mit dem Basti sondieren will.

Ich halte diese ganze Sondiererei sowieso für eine Augenauswischerei. Was bitte muss man denn sondieren? Da sitzen die ganzen Leute jahrelang gemeinsam im Parlament und dann tun sie so, als ob sie einander nicht kennen würden? Als ob sie keinen Schimmer hätten, wer was will?

“Notwendig seien Sondierungen nicht, denn die Inhalte der Parteien seien dem Gegenüber bekannt.“

Eben, meine Rede.
Das ganze Sondierungs-Gschisti-Gschasti hat 1999 Thomas Klestil eingeführt, wenngleich damals wohl zurecht. Weil er kein sonderlicher Fan der schwarz-blauen Allianz war, was sich auch in seiner Miene bei der Angelobung widerspiegelte.

Aber gut. Ich will mal nicht so sein und mich staatsbürgerlich abseits von Sondierungsgesprächen nützlich machen. Also habe ich für den “verkrachten Studenten von einiger Raffinesse, aber bescheidener Kompetenz“ einen kleinen Sondierungs-Leitfaden zusammengestellt.

Quelle: Oberösterreichische Nachrichten von Christoph Ransmayr

Ich gehe dabei, damit es keine Missverständnisse ob einer willkürlichen Reihung gibt, anhand der bei der Wahl errungenen Stimmen vor und beginne bei der kleinsten Partei.

Die NEOS-Sondierung (8,10 %)

Lieber “verkrachter Student von einiger Raffinesse, aber bescheidener Kompetenz“, mit den NEOS könnte alles sehr schön sein für dich.

In der Wirtschafts- und Sozialpolitik würdet ihr euch sehr gut verstehen, ist doch noch „kein anderer Millionär geworden, wenn ein Reicher höhere Steuern zahlt“. Dieser (auch ökonomische) Unfug stammt von Franz Schellhorn, dessen Bruder Sepp bei den NEOS ist.

Für das Sozialministerium wäre Gerald “Unsozialsprecher“ Loacker als Nachfolger für die wärmende 150-Euro-KBH, nicht zu verwechseln mit dem schönen KHG, die perfekte Wahl.

In gesellschaftspolitischen Angelegenheiten müsstet ihr euch halt ein bisserl bewegen oder aber die NEOS davon überzeugen, dass zB die Homo-Ehe eigentlich eh nicht so wichtig ist. Da Beate Meinl-Reisinger früher eh auch bei der ÖVP war, könnte das gelingen.
Blöd halt, dass die NEOS nur 8,10% der Stimmen bekommen haben, weshalb sie als alleiniger Koalitionspartner nicht dienen können.

Die Grünen-Sondierung (13,90 %)

Rein gefühlsmäßig habe ich den Eindruck, dass die Grünen gerne mit dir ins Koalitions-Betterl steigen würden. Werner Kogler weiß, dass Sondierungen für „Annäherung und Vertrauensaufbau“ da sind.

Sigi Maurer weiß, dass man sich zwar mit der FPÖ jederzeit, aber keinesfalls mit einem potentiellen Partner anlegen sollte. Zwar nicht gleich, aber immerhin.

Dafür kann ich ihr auch schon einmal als erste Person außerhalb der tükisen-blauen Harmonie die Mitgliedschaft im RC RANZIG (Rudern, aber nur zurück ist gut) in Aussicht stellen.

Inhaltlich könnte es sich also an der Frage Klimaschutz oder doch Klimakrise oder gar Klimakatastrophe spießen.

Da wir nun wissen, dass die Grünen sicherlich nichts herbeireden, dürften sie also auch nur dann in die Regierung gehen, wenn sämtliche denkmögliche Maßnahmen zur Verhinderung dieser Krise eingeleitet werden.
Ob du das nun willst, bleibt dahin gestellt.

Und wenn ich mir die sonstigen Forderungen von Werner Kogler wie „Bekämpfung der Kinderarmut“ und „ein politischer Kulturwechsel mit viel mehr Transparenz“ so anschaue, dann sehe ich eher schwarz.

Die FPÖ-Sondierung (16,17 %)

Wie wir alle wissen, gibt es zwar mit der FPÖ die größten inhaltlichen Überschneidungen, aber der Norbsi ziert sich noch. Aber er würde sich opfern, um die Koalition mit der grünen Weltuntergangssekte zu verhindern. Ein Held, wie er im Buche steht! Und außerdem erneut Wegbereiter deiner Ideen im Rahmen der Partnerwahl.

Du weißt eh selbst, wie wunderbar harmonisch die gemeinsame Zeit war. Dass du diese sicherlich gerne, und sei es nur harmonisch-psychologischen Gründen, wieder aufleben willst, ist auch menschlich mehr als nur verständlich.

An dieser Stelle möchte ich einen lieben Freunde zitieren:

„Schau ma mal, dann seh‘n ma scho.“

Die SPÖ-Sondierung (21,18 %)

Die SPÖ hat zwar dem Sondierungs-Gschisti-Gschasti, jedoch nicht der Koalition an sich eine Absage erteilt. Ich erkläre dir in aller Kürze die Eckpunkte, auf denen die Roten beharren: leistbares Wohnen, Gesundheitsversorgung, Pflege, Bildungschancen für die Kinder, offene Kindergärten, eine Sozialversicherung, die nicht von den Arbeitgebern geleitet wird.
Ich habe die starke Vermutung, dass du damit nicht allzu große Freude haben wirst und noch weniger deine Spender. Dass zb Frau Horten weiterhin ihre monatlichen 49.000 Euro spendet, wenn sie vielleicht eine Besteuerung ihres Vermögens fürchten muss, wage ich nämlich zu bezweifeln.

Es ist halt blöd, dass deren Programm offenbar umfassender ist, als jetzt eben der Fokus auf “Kinderarmut“, den die Grünen bei Maria Stern abgekupfert haben. Oder nur das ewige blaue “Ausländer“-Thema der FPÖ.
Ist halt auch fraglich, ob die von dir angesprochene „gute österreichische Lösung“ wieder inhaltsloses Blabla oder ernst gemeint war. Wir dürfen gespannt sein …

Liebe Grüße,
Cousine Daniela

PS: Ich überlege die ganze Zeit, wie sich unser Bumsti gegebenenfalls bei Facebook zurückmelden wird. Um mich auch hier kooperativ zu zeigen, habe ich schon mal ein Bild für ihn entworfen, das er gerne downloaden darf.




Eine Antwort auf „#Brieferl No.238 – Der kleine Sondierungs-Leitfaden“

  1. Ich hoffe, die Bande sondiert recht lange. Denn je länger die schwafeln desto weniger Blödsinn kann der Basti anstellen.
    Ich würd das ganz als Regierungsverhinderungsgespräche bezeichnen;)

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