Lieber Cousin Herbert,
obwohl ich mir bewusst bin, dass du ja Philosophie studiert hast (wie lange eigentlich genau?) und vermutlich nicht so der Techniker bist, möchte ich dir heute einen Wunderwuzzi der Chemiegeschichte präsentieren.
Thomas Midgley, ein Amerikaner des angehenden 20. Jahrhunderts, konnte zwei fundamentale Probleme der Industrie lösen, was ihm nicht nur diverse Auszeichnungen einbrachte, sondern ihn auch als Geschäftsmann erfolgreich machte.
Das erste Problem, das er souverän löste, war das unbeliebte “Klopfen“ bei Verbrennungsmotoren. Als Angestellter von General Motors kam er auf die Idee, dem Benzin schlicht Blei hinzuzufügen.
Tatsächlich, das Klopfen war weg, dafür einige Mitarbeiter, die den Bleizusatz produzierten, tot. Insgesamt verursachte das freigesetzte Blei in der Atmosphäre Gesundheitsschäden rund um den Globus.
Das zweite Problem, dem er sich mit vollem Einsatz widmete, waren die Kühlschränke. Er entdeckte das FCKW als Ersatz für die bis dahin eingesetzten giftigen oder explosiven Substanzen. Lief auch alles pipifein, bis man leider feststellen musste, dass FCKW die Ozonschicht zerstört.
So kam es, dass Thomas Midgley vom gefeierten Helden zu jener Person mutierte, die “mehr Auswirkung auf die Atmosphäre hatte als jeder andere Organismus in der Erdgeschichte“.
Der Arme kann einem ja fast leid tun, denn die globalen wie negativen Auswirkungen waren ihm wohl weder in der Tragweite bekannt noch waren sie Ziel seiner Erfindungen. Immer, wenn ich an Thomas Midgley denke, muss ich auch an den Basti denken. „#Brieferl No.132 – Thomas Midgley und die institutionalisierte Bösartigkeit“ weiterlesen



